Gedanken zum Thema Lesen

sind meistens auch Gedanken zum Thema Schreiben – jedenfalls für mich 🙂

Und weil dies hier ein Schreibblog ist, dachte ich, ich teile mal meine neuesten Gedanken aka Erkenntnisse mit meiner Leserschaft. Ich hoffe, es gefällt Euch.

Kim Leopolds – Love, Kiss, Cliff

Das Buch ist als Blogroman entstanden und hat mich von seiner ganzen Art des Storyaufbaus fasziniert. Dazu muss ich noch erwähnen, dass es, glaube ich, das erste deutschsprachige Buch in diesem Jahr ist, dass ich gelesen habe. Deutsche Sachen zu lesen, ist immer irgendwie anders, wenn man sich erstmal an die Amerikaner mit ihrer Art zu Schreiben gewöhnt hat. Aber das Buch ist sehr locker und leicht und man kann schnell in den Charakter eintauchen.
Ich habe das Buch also gelesen und weil das Wetter schön war, saß ich damit draußen auf der Terasse. Irgendwann kam mir der Gedanke, dass ich mich eincremen sollte, weil die Sonne doch ziemlich gebrannt hat. Der nächste Gedanke war „Die Kapitel sind recht kurz. Wenn das Aktuelle zuende ist, geh ich cremen.“ Das Problem war nur, Kim hat ihr Buch so aufgebaut, dass es eigentlich grundsätzlich mit einem Cliffhanger, einer lustigen Stelle oder einem kleinen Rätsel endet, sodass ich nicht einfach so aufhören konnte (und natürlich einen Sonnenbrand bekommen habe).
Das Ganze hat mich daran erinnert, wie es ist, wenn man Fanfictions schreibt. Ich weiß nicht, ob Ihr mit Fanfictions vertraut seid, aber grundsätzlich sind erfolgreiche Geschichten dieser Art immer so aufgebaut, dass man am Ende eines Teils einen Cliffhanger einbaut, sodass die Leser es kaum erwarten können den nächsten Teil zu lesen. So baut man sich dann seine Fanbase auf.
Als ich nun von FF auf richtige Bücher umgestiegen bin, habe ich mir einige Schreibratgeber besorgt und in denen steht eigentlich grundsätzlich, dass man Bücher nicht aufbauen darf wie die herkömmliche Fanfiction. Es wird von 3- oder 5- (oder in meinem Fall sogar 7-) Akt-Strukturaufbau geredet, von Pinch und Plot turn, von Heldenreisen und was es nicht noch alles gibt. Aber im Endeffekt gefiel mir Kims Buch eigentlich so gut, weil es das alles nicht zu beachten scheint. Sie erzählt ihre Geschichte, macht sie dadurch sehr lebendig und spannend und ich freu mich jetzt schon auf den 2. Band. Ich weiß nicht, ob sie beim Schreiben immer nur an den nächsten Teil gedacht hat oder ob sie einen großen Plan hatte. Herausgekommen ist auf jedenfall ein Buch der besonderen Art und es hat Spaß gemacht zu lesen.
Wenn das mal jemand von meinen Büchern sagt, bin ich komplett zufrieden!

Veronica Roth – Die Bestimmung

Als Bücher dieser Art neu auf dem Buchmarkt waren, gab es einen großen Hype darum. Dieser Hype führt bei mir immer dazu, dass ich mir anfangs interessiert die Buchbeschreibung ansehe und dann, wenn jeder davon schwärmt, beschließe auf den Film zu warten. Mich nervt das übertriebene darüber reden einfach nur (das hat dazu geführt, dass ich „Den Marsianer “ übrigens auch noch nicht gelesen habe).
Als der erste Teil der Bestimmung im Kino kam, war dann der Zug für mich schon wieder komplett abgefahren. Ich habe die Bücher als Young Adult abgestempelt und das ist einfach nichts für mich.
Dann kam der 1. Teil im Fernsehen, ich wollte bügeln und es kam nichts besseres. Ich machte den Film an und war fasziniert. Der Film hat mir sehr gut gefallen. So gut, dass ich mir jetzt die Bücher aus der Bücherei besorgt habe und gerade am Ende von Band 2 bin.
Es sind immer noch Young Adult Bücher und in meinen Augen ist der ganze Hype darum ziemlich übertrieben gewesen, aber sie unterhalten. Ich lese sie sehr gerne und bin gespannt, wie die Reihe beendet werden wird.
Aber beim Lesen ist mir etwas aufgefallen. Ich glaube, die Autorin hat sich noch nicht eine Sekunde mit Schreibratgebern beschäftigt, denn sie tut genau das, was einem dort immer abgeraten wird. Sie sucht sich Klischees und anstatt diese zu vermeiden, benutzt sie sie. Während überall gesagt wird, dass ein Buch nur Erfolg haben wird, wenn es das Unvorhergesehene beinhaltet, haben ihre Bücher Erfolg, weil man quasi auf der ersten Seite weiß, welcher Charakter der Bösewicht ist, welcher am Ende der Held sein wird und das Totgeglaubte selten genau das sind. Ich habe beim Lesen des 1. Teils das Gefühl gehabt, die Autorin hätte eine Strichliste mit Klischees abgearbeitet – und es hat mir trotzdem gut gefallen (oder gerade deswegen???).
Vielleicht sollte man viel öfter mit Klischees arbeiten? Das Vertraute einfach nur in ein anderes Kleid stecken und nicht unbedingt alles neu erfinden?

Fanfiction – Captain America

Ja, ich weiß. Ich kann regelrecht sehen, wie meine geneigte Leserschaft jetzt auf diese Überschrift starrt und sich fragt, was ich damit sagen will. Einige von Euch, die mich schon etwas länger kennen, wissen, dass ich Fanfictions liebe und wenn mich ein Film oder eine Serie interessiert hat, ist mein erster Weg ins Internet und nach gleichdenkenden Irren zu suchen, die Geschichten dazu geschrieben haben.
Ich war schon immer ein Comic Fan und darum kenn ich fast jeden Superhelden, den das Kino oder das Fernsehen zurzeit ausgräbt, noch aus meiner Jugend. Superman und Batman laufen da natürlich jedem den Rang ab, aber ich habe auch die Fantastischen Vier gelesen oder Justice League. Waren im örtlichen Kiosk keine neuen Hefte zu bekommen (weil ich das Neuste erst am Vortag gekauft habe), habe ich in meiner Verzweiflung oftmals auch Comics genommen, die mich sonst nicht so interessiert haben, frei nach dem Motto: Besser als Nichts.
Zu diesen Comics gehörte auch Captain America. Ich weiß, heutzutage nennt man Superman oftmals den großen Pfadfinder, der immer nur alles richtig macht und schrecklich langweilig ist. Das war damals mein Bild von Captain America. Boah, ging der oberkluge Gutmensch mir auf den Geist! Wenn ich so ein Comic gelesen habe, dann war ich wirklich verzweifelt. (ich war oft verzweifelt und ich hatte offenbar zuviel Taschengeld…). Der Einzige, den ich noch schlimmer fand, war Thor. Ich glaube, das ist auch das einzige Comic, das ich nie weiter gelesen habe. Bei Captain America gab es diesen einen Bösewicht, den ich wirklich ziemlich gruselg fand. Ich weiß nicht mal genau, warum. Jeder Superheld hatte schließlich mindestens einen Bösewicht und jeder davon war fies und schlimm und absolut bedrohlich – für einen Comic. Dieser Kerl vom Captain jedoch war mir irgendwie… unheimlich. Wenn ich gesehen habe, dass er auf dem Titelbild ist, habe ich mir das Heft nicht gekauft. Dann schon lieber Bibi Blocksberg oder so *schüttel*
Nun sind die Filme in den Kinos und ich liebe Marvel Verfilmungen. Die Schauspieler sind auch noch ganz ansehnlich und die Witze sind lustig. Ergebnis: Ich habe alle mindestens einmal gesehen. Dann kam der Captain America mit dem Winter Soldier und ich erinnerte mich sofort, dass ich die Comics immer gruselig fand. Aber ich bin inzwischen etwas älter (geringfügig älter *hust*) und darum ging ich ins Kino – und war begeistert. Seien wir ehrlich: Die Bösewichter in den Filmen haben definitiv Charme 🙂
Womit ich jetzt wieder bei den Fanfictions angekommen wäre.
Wenig überraschender Weise gibt es ganz viele davon, in denen den Captain und den Soldier heiße Liebesgeschichten verbindet. DAS ist definitiv noch schrecklicher als die Thor Comics!
Ich liebe gute Gay Romance Geschichten, aber hallo? Irgendwo zieh sogar ich die Grenze.
Nun gut… Gleichzeitig gefiel mir aber der Gedanke, dass es irgendwo eine Fanfiction gibt, in der das Eis am Stil am Ende nicht wieder eingefroren wird. Ich wollte ein Happy End haben, eine Rettung, eine Belohnung für alles durchgemachte.
Ich stieß auf Lovestories mit dem Winter Soldier und Black Widow, was immerhin nicht ganz so schlimm ist wie das Pairing „Stucky“ *schüttel* Dennoch war es auch nicht perfekt. Plötzlich bin ich auf eine Geschichte gestoßen, in der das große „No Go“ der Fanfiction Welt ignoriert wird: Der Autor der Geschichte hat eine Mary Sue erfunden, die schön und klug ist, tapfer und heldenhaft und obendrein noch keine Angst vor dem großen bösen Soldier hat. Kurz und gut: Ich habe eine 30 teilige Fanfiction mit einer Mary Sue gelesen und sie geliebt. Wo eine gute Geschichte ist, müssten doch auch noch andere sein, dachte ich mir, und ich suchte und fand.
Jetzt sitz ich hier zuhause und überdenke gerade mein Leseverhalten der letzten drei Wochen, angefangen von Kim Leopolds unterhaltsamen Roman über die düsteren Bestimmungsbücher bis hin zu den Fanfictions mit einer Mary Sue als Hauptdarstellerin und meine Schreibwelt ist ein klein wenig in ihren Angeln erschüttert. Irgendwie ist all das von dem ich überzeugt war, jetzt nicht mehr das, was richtig zu sein scheint. Man muss sich nicht an bestimmte Regeln halten. Klischees können einem gute Bücher präsentieren und eine Mary Sue, die mir Herz und Verstand geschrieben ist, kann durchaus mit jedem „richtigen“ Hauptdarsteller mithalten.

Vielleicht findet Ihr diesen Beitrag jetzt nicht so überraschend wie ich, aber ich hatte jetzt das Gefühl, dass jedes Buch, dass ich im Monat Mai gelesen habe, mir etwas beibringen wollte und dass finde ich sehr überraschend.

Wie geht es Euch?
Heute schon etwas Neues gelernt?

Das Plagiat

Ich wollte eigentlich nichts zu diesem Thema sagen. Es geht jetzt seit Wochen in den Medien rum, schmeißt Dreck auf Schuldige und Unschuldige, verunglimpft Selfpublisher und führt dazu, dass ich in Foren Leute sagen hören „Das kann doch jedem Mal passieren“.

Mich nervt das Thema gewaltig!

Ja, ich weiß. Es geht uns alle an. Ob wir nun nur Leser, Autoren oder einfach nur Konsumenten von was auch immer sind. Was da passisert ist, ist Diebstahl und damit weder rechtlich in Ordnung noch durch irgendeine Ausrede moralisch vertretbar. Es sollte bestrafft werden und den Autoren, die wirklich schuldig sind, sollte man in Zukunft genauer auf die Finger gucken (wenn sie sich denn überhaupt noch trauen Bücher unter ihrem nun schmutzigen Namen zu veröffentlichen).

Aber was mich am Meisten nervt, ist folgendes: Ich habe das Gefühl, diese entdeckten Plagiate tauchen jetzt nicht zufällig auf. Im Gegenteil. Kaum gibt es mal wieder das Gerede darüber, dass die Verlagswelt in Schwierigkeiten steckt und das man es als Autor sowieso viel einfacher hat Bücher zu verkaufen, wenn man als SP unterwegs, gibt es plötzlich immer wieder Gerede darüber, dass Bücher nur gut werden können, wenn ein ordentliches Lektorat und ein großer Verlag dahinter stecken.
Nichts gegen ein ordentliches Lektorat, versteht mich da nicht falsch!
Aber ein Lektorat hat nicht zwangsläufig etwas mit einem Verlag zu tun, der dann 70% der Einnahmen aus dem Buch einstreicht und dem Autoren alle Werbung überlässt.
Trotzdem höre ich in Foren genau dieses Argument „Wenn es nicht so viele freie Autoren gäben würde, wäre da auch nicht soviel Lug und Betrug in der Buchwelt unterwegs“.
Als wenn jeder, der seine Geschichten ohne Verlag veröffentlicht automatisch klaut und betrügt!
Und da die Berichte über diese Plagiate überhaupt nicht aufzuhören scheinen, vermute ich inzwischen, dass das verlagsweltmäßig genauso gewollt ist. Das wiederum hat dann nichts mehr mit Plagiate, sondern mit Rufschädigung aller SP zu tun und das nervt mich unglaubtlich!
(vor allem, wenn ich mich daran erinnere, dass zwei von den vier überführten Plagiatoren Verlagsautoren waren 🙂 )

 

Das waren meine 5cent zu dem Thema.

 

Der schmale Grad der Werbung

Ich dachte mir, ich teile mal meine Überlegungen zum Thema Werbung mit Euch 😉

Werbung ist, wahrscheinlich nicht nur für mich, ein sehr schweres Thema und dabei geht es nicht mal um das eigene Buch, das man (aka der Autor/die Autorin) an den Markt zu bringen versucht, sondern auch darum, dass man tagtäglich mit Werbung überschwemmt wird. Einerseits nervt es unendlich und andererseits: Meine Güte, wäre das nicht eine gute Idee für ein Geburtstagsgeschenk???

Wie aber schafft man es auf diesem schmalen Grad entlang zu wandeln?
Was macht ihn aus?
(falls jetzt jemand denkt, ich hätte die Lösung: Sorry, ich bin wahrscheinlich nicht mal nah dran…)

Wenn ich keine Lösung habe, was habe ich aber dann? (werdet Ihr Euch jetzt fragen, hoffe ich zumindest)

Ich bin diese Woche über die Werbung für ein Buch gestolpert. Nein, eigentlich bin ich schon letzte Woche auf den Erscheinungstermin aufmerksam gemacht worden, aber das ist unwichtig.
Die gesamte Hintergrundgeschichte ist auch etwas länger:
Die Autorin des Buches ist Christine Feehan. Der Name sagt wahrscheinlich einigen von Euch etwas. Sie ist eine Liebesromanautorin, die u.a. eine Serie über besondere Vampire geschrieben hat (die übrigens nicht glitzern). Zu dem Zeitpunkt, als ich auf die Serie aufmerksam wurde, war mein Englisch allenfalls rudimentär vorhanden und so mußte ich warten, bis es den Lesestoff auf Deutsch gab, aber dann war ich begeistert – zumindest für fünf Bände. Dann begannen ihre Helden mich zu nerven, weil sie sowas von stereotypisch waren, dass ich das Gefühl hatte, sie würde zwischendurch nur noch die Namen und Haarfarben wechseln, ansonsten aber über dieselbe Person schreiben.
Jetzt könnte man denken, fünf Bücher sind auch eine schöne Zahl. Danach kann man sich ja als Leser auch andere Autoren suchen. Stimmt auch. Aber Frau Feehan hat ein besonderes Talent: Sie kann schreiben, dass sie einen nervt, aber sie schreibt auch so, dass man irgendwann mal wieder ein neues Buch von ihr kauft, weil es einen einfach interessiert. Nicht jeder Plot ist dazu geeignet, aber sie schreibt abwechslungsreich und gleichzeitig vertraut, sodass ich im Laufe der letzten Jahre von ihren gefühlt 100 Vampirbänden bestimmt 20 gelesen habe, und einige davon sogar mehrfach 🙂
Neben diesen Vampiren hat sie sich auch Hexen- und Gestaltwandler-Geschichten ausgedacht. Auch hier hat sie die Helden aus den Vampirbüchern einfach mit rübergeschleppt (nicht wirklich, aber es wirkt so, weil die Charakterzüge der einzelnen Hauptdarsteller immer dieselben sind) und auch die Geschichten beginnen irgendwann ähnlich zu werden, sodass man als Leser wieder denken könnte „Jetzt reicht es aber. Ich such mir neuen Lesestoff“, was man dann vielleicht auch tut.
Eine weitere Geschichtenreihe behandelt militärische Experimente mit einem Sondereinsatzkommando. Normalen Männern werden in natürlich verbotenen Experimenten bestimmte Fähigkeiten beigebracht und natürlich verliebt sich einer der Männer in ein armes, schwaches Mädchen und gemeinsam schaffen sie es, aus dem Labor zu entkommen. Alles schon dagewesen und nichts besonderes und doch war ich begeistert und habe die ersten Bände verschlungen. Dann bekam ich den Rest auch noch geschenkt und naja, was soll ich sagen: Einem geschenkten Gaul äh Buch kann ich fast nicht widerstehen. So habe ich also die Reihe tatsächlich komplett gelesen. Als das letzte Buch erreicht war, gab es schon Werbung für das nächste Buch, aber wie gesagt, irgendwann ist Schluss und meine Begeisterung war erloschen.
Aber ich folge der Autorin aus irgendeinem Grund auf Facebook. Sie postet wenig und darum hat es mich bisher auch nie sonderlich gestört. Vor einiger Zeit kam nun der erste Post über das neue Buch. Die erste Werbung sozusagen. Ich war überrascht. Ich hatte gedacht, dass Buch wäre längst erschienen. Aber es hat mich einfach nicht interessiert. Vor einer Woche kam die nächste Ankündigung mit dem Erscheinungsdatum und dem Cover. Auf dem Cover unternimmt eine Frau akrobatische Übungen innerhalb eines Spinnennetzes (was ganz passend ist, da das Buch „Spider Game“ heißt). Ich fand das Cover interessant genug, um einen Moment länger auf dem Beitrag zu bleiben. Ich las den Klappentext. Der militärische Experimentenmann trifft auf eine Frau, die in ähnlichen Experimenten mit tödlichem Spinnengift infiziert wurde und die darum für alles, was sie anfasst tödlich ist.
Okay, dachte ich mir. Auch hier nichts Neues. Es ist ein Liebesroman. Ist doch irgendwie klar, dass Experimentenmann aus irgendeinem Grund gegen das Spinnengift unempfindlich ist und dann leben sie glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Außerdem geht es um eine Spinne. Spinnen sind haarig und hässlich und nein, ich will keine Geschichten lesen, in denen Spinnen, Schlangen oder Ratten die Hauptpersonen sind (ich weiß, Ratten sind auch haarig, aber nicht hässlich…).
Soviel also zu dem Buch, dachte ich mir und wandte mich meinem xten Versuch zu, den Dan Wells Roman zu Ende zu lesen (warum der Mann den 1. Band gut geschrieben hat, mich der 2. aber überhaupt nicht reizt, versteh ich nicht).
Diese Woche erschien nun wieder ein Beitrag auf der Facebookseite der Autorin und ich sah wieder das Cover, las die ersten zwei Worte des nunmehr vertrauten Klappentextes und wollte gerade weiter scrollen… als ich den ersten Kommentar darunter las. Der Kommentator sagte fast dasselbe wie ich vorher: Es geht um eine Spinne, unromantisch, eklig. Sie würde auf das nächste Buch der Reihe warten und dieses überspringen.
Jetzt war ich neugierig geworden und las die anderen Kommentare, die alle ziemlich ähnlich waren. Man hätte Angst vor Spinnen und überhaupt wären Spinnen kein Liebesromanmaterial. Alles genau meine Gedanken und doch machten mich die Beiträge plötzlich neugierig. Ich wanderte zur Homepage der Autorin und stolperte quasi über ein Video zum Buch. Es sollte wohl die Neugierde auf das Buch anheizen. Ich fand es schlecht. Nicht absolut grottenschlecht, aber eher eine Antiwerbung. Dennoch blieb ich auf der Seite, las ein paar weitere Klappentexte, fand heraus, dass es nur 28 Vampirbücher sind und ich davon auch nur 14 kenne , und hing plötzlich wieder auf dem Spider Game Buch. Das Video war immer noch schlecht, aber ich erinnerte mich, dass mir die Bücher davor ganz gut gefallen hatten, und ich glaube sogar, dass von beiden Hauptdarstellern in den Büchern davor einiges angedeutet worden war, was mich interessierte.
Schlussendlich habe ich jetzt das blöde Buch bestellt und warte händeringend auf den 26.01., weil der Postbote es mir dann bringen soll.

Und nun komme ich wieder zur Überschrift zurück: die Werbung.
Wie hat Frau Feehan es geschafft, dass ich das Buch nun doch gekauft habe?

Als Erstes könnte man die Werbung direkt im Vorgängerroman anführen, aber da das Buch zu dem Zeitpunkt noch nicht erschienen war, war das für mich zu früh und damit verfehlt.
Dann die erste Erinnerung auf dem Facebook Account. Ein einfacher, nicht groß störender Eintrag, den ich zwar gesehen, aber nicht weiter beachtet habe.
Die nächste Erinnerung dagegen brachte neue Infos für mich: Den Erscheinungsdatum, den Klappentext und das Cover. Aber auch das brachte mich nicht dazu bei Amazon den Vorbestellknopf zu drücken.
Der nächste Eintrag der Autorin gehörte nun in die Reihe, die ich gemeinhin als nervige Dauerwerbung bezeichne. Ja, ich gestehe, ich habe Autoren auf Facebook „entfolgt“ weil sie anfingen jede Woche (oder wohlmöglich mehrmals die Woche) Werbung für ein und dasselbe Buch zu machen. Spätestens beim dritten Eintrag dieser Art fliegen sie aus meiner Liste. Fr. Feehan hat es aber entweder so geschickt gemacht, dass ich es nicht gemerkt habe oder so unauffällig, dass es nicht nervte, jedenfalls ist sie noch auf meiner Liste, und letzte Woche las ich erneut den Anfang des Klappentextes. Er war immer noch nicht mein Ding und ich wollte schon scrollen, als mir der erste Kommentar eines anderen Lesers ins Auge sprang. Von da an, mußte die Autorin keinerlei Werbung mehr für ihr Buch machen.
Mich haben die Kommentare der Leser wie ich es bin angesprochen. Etwas, was man als Autor überhaupt nicht in der Hand hat, hat mich letztendlich dazu gebracht neugierig zu werden.
Ihre Homepage dagegen war dann sogar wieder ein kleiner Schlag ins Gesicht, weil dieses Video wirklich wirklich schlecht ist. (Ich habe schon Videos von Hobbyautoren gesehen, die sie selber gemacht haben, die Oscarverdächtig waren im Vergleich. Wie jemand, der soviel Geld mit dem Schreiben verdient, so ein schlechtes Video ins Netz stellen kann, ist mir unbegreiflich).
Der letzte Punkt in der Werbemaschinerie war dann wieder mein eigener Kopf. Auch etwas, was die Autorin zum Glück nicht steuern kann 🙂

Warum also habe ich mir jetzt das Buch bestellt? Und was kann ich aus diesen Erkenntnissen vielleicht für eine eigene Werbemaschine übernehmen???

Ich kann es nicht sagen. Wenn das Buch ein weniger kontroverses Thema gehabt hätte, z. B. der gute Vampir verliebt sich in die noch bessere Jägerin (auch ein vorprogrammierter schwieriger, aber lösbarer Handlungsstrang), dann wären die Kommentare wahrscheinlich „Oh, ich kann es kaum erwarten“ gewesen. Sie hätten mich nicht weiter angesprochen. Ein dritter Post hätte dazu geführt, dass ich die Autorin aus der Facebookliste streiche und ich hätte 7,- € gespart. Aber das Thema hat einige potentielle Leser abgeschreckt – und mich damit neugierig gemacht. Könnte man das als Antiwerbung bezeichnen?
Ich kann mich daran erinnern, dass ich, als ich noch geringfügig jünger war, die Werbung für den absoluten Kinohit Top Gun gesehen habe. Der Film hat mich interessiert. Dann kamen die begeisterten Kommentare der Fans. Man konnte nirgendwohin gehen ohne auf Top Gun Fanatiker zu stoßen und schlußendlich habe ich mir den Film zwar im Kino angesehen, aber so richtig begeistert hat er mich nicht. Dasselbe ist dann übrigens auch Titanic passiert. Den Film habe ich, trotz der überschäumenden Begeisterung alle anderen, nur auf DVD gesehen und dazu brauchte ich auch vier Versuche, weil ich immer wieder zwischendurch einschlief…
Mich hat also angesprochen, dass andere Leser nicht begeistert waren. (gibt mir jetzt ein wenig zu denken…)
Die restliche Werbung, geplant und von der Autorin offensichtlich gewollt, der Beitrag auf ihrer Homepage und das Video dagegen, haben mich wieder abgeschreckt. Zum Kauf verleitet hat mich dann aber, nach Nachdenken, meine Erinnerung an die anderen Teile. Das kann die Autorin so nicht planen.

Oder hat sie das eventuell?
Hat sie das Video gesehen, sich gedacht „Klasse, war günstig und ist immer noch besser als nichts“ und hat es zur Not mit dem Hintergedanken „Auch Antiwerbung ist Werbung“ auf die Homepage gestellt?
Hat sie damit gerechnet, dass andere Leser sich über das Buchthema auf ihrem Facebookaccount unterhalten und so Leute wie mich neugierig machen?

Ich weiß es nicht, aber ich finde es interessant, dass man als Autor diesen Punkt in der Werbemaschinerie nicht unterschätzen darf. Man selber gerät vielleicht in Gefahr von potentiellen Lesern durch zuviele Posts als nervig empfunden zu werden. Darum muss man es schaffen, dass Leser sich untereinander über das Buch unterhalten. Es ist wichtig mit so etwas „zu spielen“ und sich diese Lesermeinungen zunutze zu machen.
Aber was wäre gewesen, wenn ich nicht schon andere Bücher aus der Reihe gelesen hätte? Hätte ich, nachdem Video (Ihr merkt, das stört mich wirklich) das Buch noch gekauft, wenn ich nicht im Hinterkopf meine Erinnerung an das vorherige Buch gehabt hätte?
Ist damit diese Antiwerbung wirklich als Werbung und sinnvoll zu bezeichnen?

Ich kann es echt nicht sagen. Fakt ist, dass ich das Buch jetzt gekauft habe und wenn ich nicht verzweifelt versuchen würde den Dan Wells zuende zu lesen, würde ich mir heute Abend den Vorgänger nochmal ansehen. Ach, was, seien wir ehrlich, wahrscheinlich pack ich Dan Wells in die Ecke und lese den Vorgänger 🙂

Mich würde jetzt interessieren, was für Erlebnisse Ihr mit Werbung gemacht habt. Kann man irgendwas vergleichen? Oder bin ich nur merkwürdig?
Wie wirken besondere Werbestrategien auf Euch? Was kriegt Euch jedesmal, was schreckt Euch ab?