Gedanken zum Thema Lesen

sind meistens auch Gedanken zum Thema Schreiben – jedenfalls für mich 🙂

Und weil dies hier ein Schreibblog ist, dachte ich, ich teile mal meine neuesten Gedanken aka Erkenntnisse mit meiner Leserschaft. Ich hoffe, es gefällt Euch.

Kim Leopolds – Love, Kiss, Cliff

Das Buch ist als Blogroman entstanden und hat mich von seiner ganzen Art des Storyaufbaus fasziniert. Dazu muss ich noch erwähnen, dass es, glaube ich, das erste deutschsprachige Buch in diesem Jahr ist, dass ich gelesen habe. Deutsche Sachen zu lesen, ist immer irgendwie anders, wenn man sich erstmal an die Amerikaner mit ihrer Art zu Schreiben gewöhnt hat. Aber das Buch ist sehr locker und leicht und man kann schnell in den Charakter eintauchen.
Ich habe das Buch also gelesen und weil das Wetter schön war, saß ich damit draußen auf der Terasse. Irgendwann kam mir der Gedanke, dass ich mich eincremen sollte, weil die Sonne doch ziemlich gebrannt hat. Der nächste Gedanke war „Die Kapitel sind recht kurz. Wenn das Aktuelle zuende ist, geh ich cremen.“ Das Problem war nur, Kim hat ihr Buch so aufgebaut, dass es eigentlich grundsätzlich mit einem Cliffhanger, einer lustigen Stelle oder einem kleinen Rätsel endet, sodass ich nicht einfach so aufhören konnte (und natürlich einen Sonnenbrand bekommen habe).
Das Ganze hat mich daran erinnert, wie es ist, wenn man Fanfictions schreibt. Ich weiß nicht, ob Ihr mit Fanfictions vertraut seid, aber grundsätzlich sind erfolgreiche Geschichten dieser Art immer so aufgebaut, dass man am Ende eines Teils einen Cliffhanger einbaut, sodass die Leser es kaum erwarten können den nächsten Teil zu lesen. So baut man sich dann seine Fanbase auf.
Als ich nun von FF auf richtige Bücher umgestiegen bin, habe ich mir einige Schreibratgeber besorgt und in denen steht eigentlich grundsätzlich, dass man Bücher nicht aufbauen darf wie die herkömmliche Fanfiction. Es wird von 3- oder 5- (oder in meinem Fall sogar 7-) Akt-Strukturaufbau geredet, von Pinch und Plot turn, von Heldenreisen und was es nicht noch alles gibt. Aber im Endeffekt gefiel mir Kims Buch eigentlich so gut, weil es das alles nicht zu beachten scheint. Sie erzählt ihre Geschichte, macht sie dadurch sehr lebendig und spannend und ich freu mich jetzt schon auf den 2. Band. Ich weiß nicht, ob sie beim Schreiben immer nur an den nächsten Teil gedacht hat oder ob sie einen großen Plan hatte. Herausgekommen ist auf jedenfall ein Buch der besonderen Art und es hat Spaß gemacht zu lesen.
Wenn das mal jemand von meinen Büchern sagt, bin ich komplett zufrieden!

Veronica Roth – Die Bestimmung

Als Bücher dieser Art neu auf dem Buchmarkt waren, gab es einen großen Hype darum. Dieser Hype führt bei mir immer dazu, dass ich mir anfangs interessiert die Buchbeschreibung ansehe und dann, wenn jeder davon schwärmt, beschließe auf den Film zu warten. Mich nervt das übertriebene darüber reden einfach nur (das hat dazu geführt, dass ich „Den Marsianer “ übrigens auch noch nicht gelesen habe).
Als der erste Teil der Bestimmung im Kino kam, war dann der Zug für mich schon wieder komplett abgefahren. Ich habe die Bücher als Young Adult abgestempelt und das ist einfach nichts für mich.
Dann kam der 1. Teil im Fernsehen, ich wollte bügeln und es kam nichts besseres. Ich machte den Film an und war fasziniert. Der Film hat mir sehr gut gefallen. So gut, dass ich mir jetzt die Bücher aus der Bücherei besorgt habe und gerade am Ende von Band 2 bin.
Es sind immer noch Young Adult Bücher und in meinen Augen ist der ganze Hype darum ziemlich übertrieben gewesen, aber sie unterhalten. Ich lese sie sehr gerne und bin gespannt, wie die Reihe beendet werden wird.
Aber beim Lesen ist mir etwas aufgefallen. Ich glaube, die Autorin hat sich noch nicht eine Sekunde mit Schreibratgebern beschäftigt, denn sie tut genau das, was einem dort immer abgeraten wird. Sie sucht sich Klischees und anstatt diese zu vermeiden, benutzt sie sie. Während überall gesagt wird, dass ein Buch nur Erfolg haben wird, wenn es das Unvorhergesehene beinhaltet, haben ihre Bücher Erfolg, weil man quasi auf der ersten Seite weiß, welcher Charakter der Bösewicht ist, welcher am Ende der Held sein wird und das Totgeglaubte selten genau das sind. Ich habe beim Lesen des 1. Teils das Gefühl gehabt, die Autorin hätte eine Strichliste mit Klischees abgearbeitet – und es hat mir trotzdem gut gefallen (oder gerade deswegen???).
Vielleicht sollte man viel öfter mit Klischees arbeiten? Das Vertraute einfach nur in ein anderes Kleid stecken und nicht unbedingt alles neu erfinden?

Fanfiction – Captain America

Ja, ich weiß. Ich kann regelrecht sehen, wie meine geneigte Leserschaft jetzt auf diese Überschrift starrt und sich fragt, was ich damit sagen will. Einige von Euch, die mich schon etwas länger kennen, wissen, dass ich Fanfictions liebe und wenn mich ein Film oder eine Serie interessiert hat, ist mein erster Weg ins Internet und nach gleichdenkenden Irren zu suchen, die Geschichten dazu geschrieben haben.
Ich war schon immer ein Comic Fan und darum kenn ich fast jeden Superhelden, den das Kino oder das Fernsehen zurzeit ausgräbt, noch aus meiner Jugend. Superman und Batman laufen da natürlich jedem den Rang ab, aber ich habe auch die Fantastischen Vier gelesen oder Justice League. Waren im örtlichen Kiosk keine neuen Hefte zu bekommen (weil ich das Neuste erst am Vortag gekauft habe), habe ich in meiner Verzweiflung oftmals auch Comics genommen, die mich sonst nicht so interessiert haben, frei nach dem Motto: Besser als Nichts.
Zu diesen Comics gehörte auch Captain America. Ich weiß, heutzutage nennt man Superman oftmals den großen Pfadfinder, der immer nur alles richtig macht und schrecklich langweilig ist. Das war damals mein Bild von Captain America. Boah, ging der oberkluge Gutmensch mir auf den Geist! Wenn ich so ein Comic gelesen habe, dann war ich wirklich verzweifelt. (ich war oft verzweifelt und ich hatte offenbar zuviel Taschengeld…). Der Einzige, den ich noch schlimmer fand, war Thor. Ich glaube, das ist auch das einzige Comic, das ich nie weiter gelesen habe. Bei Captain America gab es diesen einen Bösewicht, den ich wirklich ziemlich gruselg fand. Ich weiß nicht mal genau, warum. Jeder Superheld hatte schließlich mindestens einen Bösewicht und jeder davon war fies und schlimm und absolut bedrohlich – für einen Comic. Dieser Kerl vom Captain jedoch war mir irgendwie… unheimlich. Wenn ich gesehen habe, dass er auf dem Titelbild ist, habe ich mir das Heft nicht gekauft. Dann schon lieber Bibi Blocksberg oder so *schüttel*
Nun sind die Filme in den Kinos und ich liebe Marvel Verfilmungen. Die Schauspieler sind auch noch ganz ansehnlich und die Witze sind lustig. Ergebnis: Ich habe alle mindestens einmal gesehen. Dann kam der Captain America mit dem Winter Soldier und ich erinnerte mich sofort, dass ich die Comics immer gruselig fand. Aber ich bin inzwischen etwas älter (geringfügig älter *hust*) und darum ging ich ins Kino – und war begeistert. Seien wir ehrlich: Die Bösewichter in den Filmen haben definitiv Charme 🙂
Womit ich jetzt wieder bei den Fanfictions angekommen wäre.
Wenig überraschender Weise gibt es ganz viele davon, in denen den Captain und den Soldier heiße Liebesgeschichten verbindet. DAS ist definitiv noch schrecklicher als die Thor Comics!
Ich liebe gute Gay Romance Geschichten, aber hallo? Irgendwo zieh sogar ich die Grenze.
Nun gut… Gleichzeitig gefiel mir aber der Gedanke, dass es irgendwo eine Fanfiction gibt, in der das Eis am Stil am Ende nicht wieder eingefroren wird. Ich wollte ein Happy End haben, eine Rettung, eine Belohnung für alles durchgemachte.
Ich stieß auf Lovestories mit dem Winter Soldier und Black Widow, was immerhin nicht ganz so schlimm ist wie das Pairing „Stucky“ *schüttel* Dennoch war es auch nicht perfekt. Plötzlich bin ich auf eine Geschichte gestoßen, in der das große „No Go“ der Fanfiction Welt ignoriert wird: Der Autor der Geschichte hat eine Mary Sue erfunden, die schön und klug ist, tapfer und heldenhaft und obendrein noch keine Angst vor dem großen bösen Soldier hat. Kurz und gut: Ich habe eine 30 teilige Fanfiction mit einer Mary Sue gelesen und sie geliebt. Wo eine gute Geschichte ist, müssten doch auch noch andere sein, dachte ich mir, und ich suchte und fand.
Jetzt sitz ich hier zuhause und überdenke gerade mein Leseverhalten der letzten drei Wochen, angefangen von Kim Leopolds unterhaltsamen Roman über die düsteren Bestimmungsbücher bis hin zu den Fanfictions mit einer Mary Sue als Hauptdarstellerin und meine Schreibwelt ist ein klein wenig in ihren Angeln erschüttert. Irgendwie ist all das von dem ich überzeugt war, jetzt nicht mehr das, was richtig zu sein scheint. Man muss sich nicht an bestimmte Regeln halten. Klischees können einem gute Bücher präsentieren und eine Mary Sue, die mir Herz und Verstand geschrieben ist, kann durchaus mit jedem „richtigen“ Hauptdarsteller mithalten.

Vielleicht findet Ihr diesen Beitrag jetzt nicht so überraschend wie ich, aber ich hatte jetzt das Gefühl, dass jedes Buch, dass ich im Monat Mai gelesen habe, mir etwas beibringen wollte und dass finde ich sehr überraschend.

Wie geht es Euch?
Heute schon etwas Neues gelernt?

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April 2016

Pünktlich zum 01. Mai kommt mein April-Rückblick. Wer hätte das gedacht?

Zuerst einmal möchte ich Euch vorwarnen: Ich möchte diesen Blog verändern. Ich weiß noch nicht genau, wie, aber irgendwas wird in den nächsten Tagen, Wochen geschehen. Zu diesem Zweck wandere ich gerade über alle möglichen Blogs und schaue mir an, was mir da gefällt und was nicht. Ich bin gespannt, was davon ich dann hier umsetze. Falls Euch also etwas auffällt, was Ihr bei mir gerne sehen würdet, dies ist Eure Möglichkeit das anzusprechen 🙂

So, jetzt zum Rückblick:
Mein Schreib- bzwl. Editiervorsatz hat diesen Monat gut geklappt. Von den vorhandenen 30 Tagen habe ich 21 Tage an meinem Projekt gearbeitet und im Moment bin ich fast zufrieden.
Fast,

  • weil ich viele Rechtschreibfehler gefunden und ausgemerzt habe,
  • weil ich einige Szenen streichen konnte,
  • weil ich Sätze/Absätze gefunden habe, in denen ich Dinge von vorher nur noch wiederhole und die auch rausfliegen konnten
  • und weil ich neue Sachen einfügen konnte, die sich perfekt passend anfühlten…

naja, weil ich nach diesen 20 Tagen jetzt irgendwie doch zu dem Moment gekommen bin, der mich in jeder meiner Geschichten irgendwann erwischt: Ich finde, sie ist schlecht geschrieben, einfallslos, langweilig. Der nächste Gedanke, der dann kommt lautet in der Regel: Das will doch nie einer freiwillig lesen! Und genau an dem Punkt bin ich gerade. Ergebnis ist, dass ich mich quälen muss, weiter an dem Ding zu arbeiten. Ich weiß, dass es nicht so grottig ist, wie ich es mir selber einrede. Es ist vielleicht nicht der nächste langerwartete Bestseller, aber das muss er auch nicht sein. Er ist nicht schlecht und er ist mein „Baby“. Warum ich mir also mein Baby selber schlecht rede, nachdem ich schon so viel Zeit investiert habe, weiß ich nicht *seufz*
Mein Yoga-Vorsatz ist auch mal wieder im Sande verlaufen, im wahrsten Sinne sozusagen. Wir haben nämlich zwei Hunde, müsst Ihr wissen, und diese Beiden bringen natürlich jede Menge Dreck und Sand mit in die gute Stube, in der ich Yoga mache. Da ich Vollzeit arbeite, noch stundenlang mit Bus und Bahn unterwegs bin, und meine beiden Männer relativ ortsgebunden sind, d. h. der eine ist Schüler und in der Abi-Phase (er sitzt durchgängig zuhause und lernt theoretisch), der andere ist als Tierarzt morgens zu den OPs unterwegs, dann mittags zuhause und geht dann später in die Nachmittag/Abendsprechstunde. Ergebnis ist, die beiden Männer sind oft und länger zuhause als ich und wenn ich dann nach Hause komme, soll ich Staub saugen, damit ich Yoga machen kann und das bitte auch nur, wenn die beiden Männer dann nicht zuhause sind (weil sie sonst unbedingt in dem Moment in die Stube müssen *augenroll*). Ich komme also nach Hause und bin im Stress, um schnell zu saugen, schnell Yoga zu machen und schnell alles wegzurollen, ehe die Männer nach Hause stürmen – und das wiederum ist so Entspannungsfördernd wie in einem Ameisenhaufen zu übernachten. Ich muss da definitiv noch eine andere Lösung finden *grumpf*
Mit dem Laufen fing dagegen alles gut an. Bis ich mich erkältet habe und keine Luft mehr bekommen habe. Danach lief es wieder gut. Bis mir meine beiden Knie wehtaten und ich mir nicht sicher war, woran das liegt. Mit anderen Worten: Irgendwas ist immer. Aber ich habe auch immer noch den Vorsatz weiterzumachen 🙂
Ich habe nicht ein Bild gezeichnet und ich war nur minimalst im Garten. An den Vorsätzen arbeite ich irgendwann mal weiter…

Lesetechnisch ist mein Highlight diesen Monat Kresley Cole gewesen. Ich mag ihre Paranormal-Reihe, in der Valküren, Vampire, Hexen und Gestaltenwandler vorkommen und habe mich darum gefreut, als mir ein Buch in die Hände fiel, dass ich noch nicht kannte. Daraufhin habe ich mir dann auch ein anderes genommen und ein reread gestartet und das Buch gefiel mir beim zweiten Lesen sogar noch besser als beim ersten Mal.
Etwas Lustiges ist mir auch noch passiert: Ich bin durch Zufall auf ein ebook gestossen, dass vom Titel her lustig klang „Switched at Marriage“ von Gina Robinson. Wie gesagt, es klang lustig und hat mich irgendwie an den Film mit Jeffrey Dean Morgan erinnert, also habe ich mir das Buch geholt und zu lesen angefangen. Es hatte nur 80 Seiten, was mich gewundert hat, aber gut… und dann endet das Buch mitten in der Handlung! Ich war ein wenig verwirrt und holte mir das 2. Buch der Serie, das nahtlos weitergeschrieben wurde. Schlußendlich hat die Serie 7 oder 8 Teile und war in Wirklichkeit nur ein Buch. Aber die Autorin hat offensichtlich die einzelnen Kapitel verkauft und das führt dazu, dass man z.B. bei Amazon die ersten drei Teile (Kapitel) für knapp 5,- Euro kaufen kann. Das ist doch mal eine interessante Art Geld mit Büchern zu machen, oder?
(interessant fand ich auch, dass auf der Amazon.uk Webseite kein Leser sich darüber beschwert hat!)

TV-technisch gab es nichts aufregendes zu berichten. Ich schaue, hoffentlich, Mittwoch „The first Avenger: Civil War“ und freu mich drauf 🙂

Ich hoffe, Euch geht es allen gut?
Gibt es irgendetwas Schönes zu berichten?

Love, Kiss, Cliff

Heute habe ich mal etwas anderes für Euch:

Hat jemand von Euch Lust auf eine Liebesgeschichte in New York?

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Inhalt:

Ein Nerd mit Schokoladenaugen, ein verletzlicher Draufgänger und ein Musiker mit rauchiger Stimme – wen wird sie lieben, wen küssen und wen über die Klippe stoßen?

An Ablenkung fehlt es Meredith nicht, als sie nach dem Tod ihrer Mutter in die Stadt zieht, die niemals schläft. Zwischen Sonnenaufgängen und Tänzen bei Kerzenschein versucht sie, ihrem Leben einen neuen Sinn zu geben. Doch das ist gar nicht so leicht, wenn ein totes Mädchen zwischen ihr und ihren Mitbewohnern steht und ihr Dad nach jahrelanger Funkstille versucht, eine Beziehung zu ihr aufzubauen. Wie kann sie da noch an die Liebe denken?

Meine Meinung:
Das Buch ist der Erstling von Kim Leopold, einer jungen, sehr sympathischen Autorin, die es ursprünglich einmal als Blogroman über einen längeren Zeitraum, Teil für Teil, geschrieben hat. Ich glaube, sie hat alles, vom Schreiben bis hin zum Gestalten des schönen Covers selber gemacht und darauf kann sie wirklich stolz sein, denn es ihr sehr gut gelungen und ich denke, wenn man mal keine Lust auf düstere Science-Fiction oder farbenfrohe Fantasy hat, sollte man dem Buch unbedingt eine Chance geben. Das ist auf jeden Fall ein Buch und vor allem eine Autorin, die man unterstützen sollte!
Und wer hat nicht schon allein nach dem Lesen des Klappentextes ein Grinsen im Gesicht???

Der jahresübergreifende Wahnsinn hat ein Ende

oder: Ich habe endlich den ersten Teil meiner Geschichtenreihe erneut beendet 🙂

Was am 29.12.15 um 13 Uhr gestartet ist, ist am 30.03.16 um 10 Uhr beendet worden.

Irgendwie ärgere ich mich gerade, dass ich mich gestern nicht mehr zusammen gerissen habe, dann hätte ich wenigstens den 29. als Datum noch hinbekommen, aber egal…

Geplant war ein leichter, lustiger Anfangsteil mit denselben Charakteren und einem leicht veränderten Setting, mit anvisierten 80. 000 Wörter.
Rausgekommen ist ein sehr intensiver, weniger lustiger, dafür dramatischer Anfangsteil mit denselben Charakteren (!!!), einem komplett veränderten Setting und 197.618 Wörtern.
Das macht in 92 Tagen einen Durchschnitt von 2148 Wörtern pro Tag. Wenn ich überlege, das ich während der Woche oftmals nicht mehr als 300 Wörter pro Tag geschafft habe, ist das erstaunlich, oder?
Dazu muss ich sagen, dass ich jetzt, so im Rückblick, nicht alles schlecht oder grottig finde. Von einigen Szenen weiß ich, dass sie fliegen werden (wie der komplette Anfang, der irgendwie nur zum Reinschreiben taugte) oder umgeändert werden müssen (wie das Ende das ich voll verhauen habe, finde ich. Eine Mischung aus zu kitschig und nicht gefühlsintensiv genug), aber einige Sachen sind mir richtig gut gelungen und auf ein paar Entwicklungen bin ich sogar sehr stolz.
Zusammengefasst bin ich sehr zufrieden mit mir und dieser Entwicklung 🙂 und ich freu mich wie blöde, dass ich am 01.04.16 nach einem Tag Pause mit dem Überarbeiten vom II. Teil anfangen werde. Ich bin gespannt, wie lange ich für dieses Editieren incl. neu Einfügen von Szenen, die ich durch den veränderten I. Teil gewonnen habe, benötigen werde.

Aber jetzt ist erstmal ein Meilenstein geschafft 🙂 🙂 🙂

Wie ich eine Serie plane

Zunächst einmal entschuldige ich mich nochmal für den oberlangen vorherigen Teil. Beim Schreiben ansich ist es mir nicht mal so aufgefallen, aber spätestens jetzt beim Überlesen war es ein wenig gruselig. Ich gelobe Besserung!!!

Im letzten Teil habe ich erzählt, wie aus fünf einfachen Szenenideen plötzlich die Grundsteine für einzelne Bücher geworden sind. Ich habe erzählt, dass mir die Idee eine ganze Serie zu schreiben, ein klein wenig Angst machte und dass ich mich mit einem kurzen, leichten Anfangsteil wohler gefühlt habe.

Was ich bei dem kurzen Anfangsteil aber nicht bedacht habe, ist, dass

  1. der Anfang einer Serie immer der Schwerste ist, egal, ob leicht geplant oder nicht. Er muss den Leser, aber zuerst einmal den Autoren überzeugen, den Rest auch noch schreiben zu wollen.
  2. alles was im Anfang erwähnt wird, auch irgendwo im Rest noch Bestandteil hat und vor allem zeitlich zueinander passen muss
  3. es Sinn macht, im Anfangsteil der Serie auch noch andere, zukünftige Hauptdarsteller vorzustellen, sie aber gleichzeitig den Hauptdarstellern des aktuellen Teils nicht das Licht stehlen dürfen
  4. man entweder jeden einzelnen nachfolgenden Teil schon perfekt geplant haben oder man die Teile in chronologischer Reihenfolge nacheinander schreiben muss, wenn man nicht auf schriftstellerisches Glück vertrauen will

Gerade letzterer Punkt hat mich anfangs gestört. Ich war es gewohnt, Geschichten szenenweise zu schreiben und zwar immer das, was mich gerade ansprach. Ich folgte einfach meiner jeweiligen Stimmung und meiner Laune.
So kam es, dass ich für vier der fünf Teile einige Szenen schon geschrieben hatte, einfach, weil sie mich gereizt hatten, weil ich mich mit anderen Szenen an die Wand gefahren hatte und weil ich zwar Schreiben wollte, aber eigentlich nicht wußte, was. Dabei hatte ich einen theoretischen Plan. Ich wußte, wo Charakter A am Ende seiner Geschichte sein sollte, jedenfalls, was seine Charakterentwicklung anging und die Liebesgeschichte, aber ich hatte mir keine wirklichen Gedanken darüber gemacht, was alles wirklich in der jeweiligen Geschichte passieren sollte und wie ein Spannungsbogen funktionerte.
Schließlich zwang ich mich, Band 1 zu schreiben. Das leichte Ding. Ich stellte meine Hauptcharaktere vor (und fand sie irgendwie blass, schob aber alles auf das Editieren). Ich stellte den Hauptcharakter des nächsten Teils vor (und fand ihn zum Knutschen, aber er sollte doch meinen Hauptcharas das Licht nicht stehlen, also beschränkte ich ihn schon gleich beim Schreiben um einiges) und ich ließ zwei weitere Charaktere sterben, sehr dramatisch und sehr schön (und sehr problematisch, weil ich sie eigentlich als Hauptdarsteller für Band 4 und 5 geplant hatte). Plötzlich erwähnte ich Dinge, die in allen Teilen Bedeutung haben würden und ich begann mir lustige Merkzettel zu basteln. Ein Zeitstrahl wurde als Nächstes gezeichnet und dann fand ich mich irgendwann mal dabei, wie ich einzelne Plotpunkte auf einem riesigen Din A4 Blatt in einer Tabelle erfasste, um nicht mehr durcheinander zu kommen.

Es half alles nichts: Ich musste planen, wenn ich die Geschichtenreihe zum Erfolg führen wollte!

So kam es, dass ich pünktlich zu einem NaNo eine Mischung aus allen möglichen Schreibstrukturen (Wells und ähnliche) erstellte und den 5ten Teil voll durchplante. Anders als bei den Teilen vorher benötigte ich jetzt keine 1,5 Jahre, sondern nur 4 Monate um knapp 200k zu schreiben – und fast jedes einzelne Wort davon zu lieben!

Ich hatte es geschafft und die gesamte Reihe fertig – dachte ich.
Ich will jetzt nicht von dem plötzlich aufgetauchten 6ten Teil reden, sondern davon, dass ich begann Band 1 zu editieren und ihn hasste.
Punkt 1 von meiner Reihen-Mindestanforderungsliste war also schon mal komplett verhauen.
Punkt 2, die Sache mit dem Bestandteil in Folgebänden? Ich habe zwei Helden sterben lassen, die ich noch brauchte! Das war ein kompletter Fehlstart!
Punkt 3: Was soll ich sagen, der erwähnte Nebendarsteller wird immer jederzeit anderen Darstellern das Licht stehlen, weil er einfach mein Lieblingsbaby ist. Fehlschlag Nr. 3 also.
Punkt 4 war dagegen der einzige Lichtblick: Ich hatte die Geschichten nacheinander geschrieben.

So, jetzt hätte man denken können, dass diese Erkenntnis mich zum Strickenlernen treibt und ich nie wieder ein Wort zu Papier bringe. Hat es aber nicht, denn es war egal, ob ich in allen 4 Punkten versagt hatte oder nicht. Ich hatte geschrieben und das bedeutete, ich hatte etwas zum Editieren.

Und aus irgendeinem, mir völlig mysteriösen Grund war ich der Meinung, dass das magische Editieren alles besser macht.
Da stand mir noch eine Überraschung bevor, aber von der berichte ich nächstes Mal. Dieser Beitrag ist schon wieder viel zu lang, fürchte ich… (und das obwohl ich beim Editieren 🙂 viel gelöscht habe)

Wie ich einen Schmetterling fangen wollte und stattdessen einen Dinosaurier ritt

Nein, keine Angst, ich fange jetzt keine Rezension für einen urkomischen schwedischen Roman an (auch wenn der Titel dieses Eintrags das vielleicht vermuten lässt). Ich beginne mit meiner Beitragsreihe zum Thema: Wie ein Roman entsteht.
Da mein Roman Teil einer ganzen Serie ist, könnte das Thema auch lauten: Wie ich ein Monstrum schuf.
Oder so ähnlich…

Zuerst einmal komme ich zum wichtigsten Teil: Den anvisierten Keksen

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Ja, ok. Ich geb’s zu. Sie sind nicht mehr ganz frisch (von Weihnachten), aber sie waren sehr lecker und es hat niemand was davon gesagt, dass Ihr die Kekse auch essen dürft. Oder???

So, und jetzt zu der Entstehungsgeschichte.
Wie jeder weiß, der sich schon mal in der Bibel verirrt hat, fängt die Entstehungsgeschichte nie beim eigentlichen Werk an, sondern schon viel früher. So war das auch bei mir.
Ich begann meine schriftstellerische Tätigkeit 😉 als Fünfjährige. Ich lieh mir Comics von meinem älteren Cousin aus, Mickey Mouse, und zerschnitt sie mit Begeisterung, um neue, in meinen Augen „bessere“ Geschichten zu erzählen. Ich muss nicht erwähnen, dass diese ersten Versuche einen Höllenärger mit sich brachten und dazu führten, das mir für lange Zeit niemand mehr was leihen wollte, oder?
Aus diesem Grund musste ich also schnell schreiben lernen. Ich erinnere mich an eine Aussage meiner Lehrerin aus der 1. oder 2. Klasse, dass ich es so eilig hatte mit dem Schreiben lernen, dass ich keine Zeit für Grammatik und Rechtschreibung hatte. Mir ging es um die Buchstaben, die möglichst zusammenhängend ein Wort, einen Satz, eine Geschichte ergeben sollten. Das diese Geschichten nur mit Rechtschreibung und Grammatik auch für andere lesbar sein würden, begriff ich leider erst sehr viel später (eigentlich arbeite ich noch an dieser Erkenntnis…).
Ich schrieb also wie eine Wahnsinnige. Immer und zu jeder Zeit, und jeder, der mich nicht beim Schreiben erwischte, sah mich lesen und irgendwann hatte ich dann auch meinen eigenen Fernseher und plötzlich kam ein drittes, süchtigmachendes Medium hinzu. Aber wer jetzt denkt, dass ich durch den Fernseher weniger geschrieben habe, irrt sich. Es wurde fast noch mehr, denn ich entdeckte etwas, von dem ich Jahre später erst erfuhr, dass es sogar ein eigenes Genre war: die Fanfiction.
Damals wußte ich das noch nicht. Ich sah nur etwas im Fernsehen, verliebte mich in die Gestalten und schrieb ihnen eigene Geschichten, quasi so wie damals als ich das Mickey Mouse Comic umgestaltete. (Ihr freut Euch jetzt sicherlich, dass diese ganze uralte Geschichte tatsächlich noch einen Sinn hat, oder?)
Dank des Fernsehers kristallisierte sich bei mir noch etwas heraus: Ich sah gerne fern (mach ich noch heute 🙂 ), aber ich schrieb nur Geschichten zu Filmen oder Serien, die ich wirklich absolut liebte. Ich sah damals bestimmt zuviel Schrott und Mist und Sachen, die man 8, 9, 10jährigen heute bestimmt nicht mehr zeigt (z.B. hätte ich auf die ganzen Dracula-Gruselfilme echt gerne verzichten können), aber ich sah auch Robin Hood, Enterprise und Kampfstern Galactica und ich liebte es so sehr, dass meine gesamte Fantasiewelt schon ziemlich schnell nur noch um diese Geschichten kreiste. Es fand sich auch prompt ein Fehler in meiner Begeisterung. Die Serien dauerten immer nur 45 Minuten und waren kurzlebig und auch wenn meine Begeisterung länger hielt, so lernte ich durch diese Serien doch irgendwie nie, dass eine Geschichte nicht nur aus einer einzelnen fantastischen Szene bestand, sondern dass sie auch ein Anfang, ein Mittelteil und ein Ende haben musste. Kurz und gut: Ich fing unglaublich viele Geschichten an, schrieb einige auch über Wochen und Monate (und habe sie noch heute wohl versteckt im Regal stehen), aber ihnen allen fehlte etwas, das Ende, der Anfang, das Ding dazwischen. Es waren im nachhinein betrachtet nur Szenen mittendrin. Ich hatte das aufgeschrieben, was mir am Besten gefiel, was mir in einzelnen Folgen fehlte oder was ich mir für bestimmte Gestalten in den Serien wünschte (z.B. hatte der eine Freund von Robin Hood eine tragische Liebesgeschichte hinter sich und ich habe bestimmt 20 verschiedene Szenen in meinem Ordner, wo besagter Freund seine lange verstorben geglaubte große Liebe wiederfand… was sie dann machen, war mir egal, wieso sie noch lebte, wo sie all die Jahre war und wie sie sich wiederfanden, hat mich zu seitenlangen Begeisterungen ausufern lassen).
Ich lernte also schreiben, aber irgendwie auch nicht. Und ich hatte meine Lieblingsgenres entdeckt. Das Leben als angehende Autorin hätte an dieser Stelle perfekt sein können. Ich nahm an Wettbewerben teil, nur an kleinen und auch nur sehr selten, aber immerhin. Wettbewerbe zwangen mich dazu, meinen Geschichten ein Anfang und ein Ende zu geben und das war echt schwer für mich. Ich hatte mich in die mühelose Art des Schreibens verliebt. Einfach nur einzelne Szenen oder Momente einfangen und damit zufrieden sein und für lange Jahre tat ich das.
Eine dieser einfachen Szenen verband dann meine beiden Lieblingsgenres miteinander. Ich sah eine junge Frau vor mir, die in einer mittelalterlichen Höhle steht und offenbar gerade aus einem Raumschiff gestiegen war und ich war fasziniert. Ich schrieb diese Szene auf und als sie fertig war, war ich zufrieden. Das Leben ging weiter. Irgendwann hatte ich noch eine Szene vor Augen. Dieselbe junge Frau, eine andere Umgebung. Ich schrieb und schrieb und im Laufe von zwei Jahren hatte ich mal eine Szene vom Anfang, mal eine aus der Mitte, mal eine kurz vor Ende und irgendwann schob ich diese einzelnen Kapitel zusammen und stellte fest: „Das ist ein Buch!“ Da fehlte nur noch ein wenig Mörtel zwischen den einzelnen Szenen, aber es war ein fertiges Buch von knapp 230 Seiten und ich hatte keine Ahnung, wie das entstanden war. Das waren doch nur einzelne Szenen gewesen! Da hatte es keinen Plan und keine komplizierte Ausarbeitung vorher gegeben und doch war alles drin, was ein Buch brauchte. Ich war begeistert – und lehnte mich sehr zufrieden zurück. Ich hatte das Gefühl, durch das Schreiben von einzelnen Szenen, oftmals kleine Einblicke nur, einen wunderschönen, zarten Schmetterling erschaffen zu haben, auf den ich stolz sein konnte. Er war bunt und ich liebe Schmetterlinge (wer nicht?).
Für einen kurzen Moment tauchte ich wieder in die Welt der Fanfictions ein. Ich lernte besser zu schreiben, bekam ein begeistertes Publikum für meine Geschichten und wieder hätte das Leben als Autorin nicht schöner sein können.

Eines Tages hatte ich allerdings wieder eine Szene vor Augen.
Ein Mann saß in einer Bar. Es war dunkel. Die Bar hatte etwas übermodernes und gleichzeitig schrottreifes und hinter dem Tresen stand eine junge Frau, deren lustiges und fröhliches Aussehen einen genauen Gegensatz zum grummeligen, stummen Mann bot. Ich wußte, diese Szene musste ich schreiben und das tat ich. Ich war zufrieden.
Einige Zeit später hatte ich eine weitere Szene im Kopf.
Ein Mann sitzt in einem Raumschiff. Er stürzt auf einer fremden Welt ab und versucht sich dort allein durchzuschlagen.
Mir war sofort klar, dass dieser Mann zu der vorhergehenden Szene mit der Bar gehörte, aber mein Schreibmuskel funktionierte offenbar nicht auf die einfache und leicht verständliche Weise. Wißt Ihr, ich sehe diese Szenen nicht mit irgendwelchen Schauspielern in meinem Kopf. Ich fühle sie eher. Es ist so, als wenn ihr im Dunkeln durch Eure Küche geht. Es ist wirklich komplett stockfinstere Nacht und Ihr wisst trotzdem, dass direkt vor Euch der Küchenstuhl steht und das dahinter die Herdplatte ist, die vielleicht kein Licht mehr abgibt, aber die trotzdem noch warm ist. Ihr könnt das spüren, auch wenn Ihr es nicht seht. So geht es mir mit diesen Szenen. Ich kann spüren, dass der Mann in der Bar fix und fertig mit seiner Welt ist, dass die junge Frau ihn kennt, aber ein Geheimnis hat und das der Mann, der abstürzt, glaubt zu sterben. Ich kann all das fühlen, aber ich seh nicht wirklich, wie es aussieht. Darum hatte ich auch nur das Gefühl, dass der Abstürzende wesentlich jünger war als der Barmann. Ich ordnete die Szene also weiter vorne ein.
In der nächsten Szene, die kurz darauf in meinem Kopf erschien, steht der Mann in einer Art Glaskasten. Um ihn herum sind ein paar Freunde von ihm zu sehen. Sie sind verletzt und offensichtlich gefangen. Er ist gefangen. Auf der anderen Seite des Glaskastens steht eine junge Frau, umgeben von einer wütenden Menge, die den Leuten im Glaskasten die Pest an den Hals wünscht.
An dieser Stelle bin ich zunächst einmal ratlos. Ich seh die Szene, ich schreibe sie auf und ich liebe, was ich schreibe. Aber es ergibt keinen Sinn und das verwirrt mich unglaublich.
Der Barmann ist älter als der Abstürzende. Der Gefangene kann sehr wohl der Abgestürzte sein, der von seinen Feinden gefangen genommen wurde, aber warum wirkt auch er dann älter? Wo in der Geschichte passt dieser Teil herein?

Mir kam zum ersten Mal der Gedanke, dass es sich vielleicht, möglicherweise, eventuell nicht um dasselbe Buch handeln könnte. Aber hallo? Ich hatte bisher gerade mal Fanfictions und ein einziges Buch richtig beendet. Wieso sollte ich plötzlich die Ideen für zwei Bücher haben? Nein, das passte alles nicht.

Eine weitere Szene tauchte auf.
Dieses Mal eindeutig ein Raumschiff. Ein Mann, offensichtlich schwer verletzt, schleicht allein durch die Gänge und seine Freunde, die ihm immer mit großem Abstand folgen machen sich Sorgen um ihn. Eine Fremde sagt schließlich etwas beleidigendes und löst damit einen Kampf zwischen sich und seinen Freunden aus. Interessanter Weise ist sie aber die Einzige, die schließlich zu dem Verletzten vordringt.
Merkt Ihr, dass der Plot genauer klingt als das, was ich vorher beschrieben habe?
Das ist so, weil mir dieser Teil in dem Moment viel genauer vor Augen stand und ich saß einfach nur da, hatte diese Szene von dem Mann, der durch die Gänge schleicht und ich wußte, er gehörte zu den vorherigen Szenen, aber er war kein Bestandteil desselben Buches. Wie keine einzelne Szene Bestandteil desselben Buches war!
Das waren insgesamt vier Szenen ein und derselben Buchreihe. Sie spielten im selben Universum, hatten zum größten Teil dieselben Charaktere, aber unterschiedliche Geschichten und ich saß einfach nur dar, starrte meine Aufzeichungen an und bekam Panik.
Ich mochte vielleicht Serien im Fernsehen sehr gerne anschauen, aber doch nicht selber eine schreiben!
Nein, auf keinen Fall. Ich nicht.

Aber die Geschichten ließen mich nicht los. Die Charaktere begannen in meinem Kopf ein Eigenleben zu entwickeln. Sie wurden lebendiger und aufdringlicher und wenn es eine einstweilige Verfügung gegen nervige Charaktere geben würde, ich hätte sie bestimmt gegen jeden Einzelnen von ihnen erwirkt.
Es gab diese Verfügung aber nicht und so hockte ich schließlich da und schrieb auf einem großen Zettel all das auf, was ich nun über sie wußte. Es war nicht viel, und es gab mir zu denken. Die zeitliche Abstimmung war eigenartig. Die Zusammenhängen noch katastrophaler und ich wußte eigentlich nur eines ganz sicher: Das Ding war viel zu groß für mich und viel zu kompliziert. Da spielten Dinge zeitgleich in unterschiedlichen Büchern und ich hatte keine Ahnung, wie ich das hinkriegen sollte.
Wenn in dem Moment jemand gekommen wäre und mir angeboten hätte, das Ding zu schreiben, ich hätte ihm noch Geld dazu in die Hand gegeben. Meine eigene Idee machte mir Angst und ich war mich sicher, dass ich niemals gut genug schreiben würde können, um das auch nur halb so gut umsetzen zu können, wie es sein sollte.

Plötzlich tauchte eine weitere Szene auf.
Ein junges, sehr ungleiches Paar stritt sich auf einer schneeverschneiten Oberfläche. Im Hintergrund war ein qualmendes Raumschiff, offensichtlich abgestürzt zu sehen, und im Vordergrund eine Sicherheit und Schutz vor dem Wetter versprechende Höhle. Das Paar stritt sich immer noch.
Und ich dachte mir: „Hey, das klingt einfach. Das krieg ich hin.“
Innerhalb von einer Woche hatte ich mir den kompletten Plot ausgedacht. Er war immer noch einfach und die einzige Schwierigkeit, die ich für mich sah, war die, dass das streitende Paar am Ende als verliebtes Paar in den Sonnenuntergang reiten, äh, fliegen sollte. Aber der Rest? Super easy einfach.
Ich schrieb die Geschichte und mittendrin, fast gegen Ende, tauchte ein anderer Typ auf. Ein großer, stummer Kerl, der die Verantwortung für die gesamte Welt auf den Schultern zu tragen schien und der der beste Freund des Kerls war, der sich andauernd mit seiner Freundin stritt.
Und wieder dachte ich: „Hey, du klingst, als wenn du in einer Bar ziemlich zufrieden wärst, wenn dich die Kleine hinter dem Tresen nicht nerven würde. Das ist auf jedenfall einfach zu schreiben. Das krieg ich hin.“

Ihr ahnt, wo das hingeführt hat, oder?
Aus einer einfachen Szenenidee ist so über den Zeitraum von gut einem Jahr eine Geschichtenreihe geworden, die derzeit fünf Bände umfasst. Die Ausarbeitung erfolgte nur anhand dieser einzelnen, sehr schwammigen Szenen, die immer noch Bestandteil der Geschichten sind (meistens der Anfang) und das Schreiben der jeweiligen Geschichte hat im Schnitt 1,5 Jahre gekostet. Bei jedem Teil dachte ich, ich wäre nicht gut genug, die Geschichte zu schreiben, jeder einzelne erschien mir zu schwer, zu hart, zu gewaltig und doch habe ich mich der Reihe nach durch die Geschichten gekämpft und mit jeder Einzelnen sehr viel gelernt.
Den fünften Teil habe ich letztes Jahr um diese Zeit beendet und ich dachte wirklich, nachdem ich über Jahre hinweg keine neue Szene im Kopf hatte, dass das der letzte Teil war. Aber ich mag die Geschichten und die Charaktere nicht loslassen und ich habe das Gefühl, es ist noch lange nicht alles davon erzählt und so begann ich nachzudenken. Ich suchte zum ersten Mal aktiv nach Ideen für Teil 6 und hatte auch recht schnell welche. Dann überarbeitete ich Band 1, fand ihn gruselig, beachtete das aber nicht weiter. Findet nicht jeder Autor irgendwann seine Geschichten schlimm? Ich überarbeitete Band 2 und liebte die Geschichte. Ich merkte, dass Band 1 einfach wirklich schlecht war. Ausgerechnet die erste Geschichte, die Leichte, die mich überhaupt dazu gebracht hatte, die Geschichten aufzuschreiben und die mir den Mut gegeben hatte, es zu probieren, war nun nicht mehr gut genug. Die Charaktere erschienen mir wie Abziehpuppen, blass und hohl und unendlich langweilig.
Ich begann die Geschichte neu zu schreiben.
Inzwischen bin ich 130k Wörter in dem neuen 1. Teil, sie ist nicht mehr klein und einfach, sie streiten sich immer noch und sie frieren sich immer noch den Hinter auf dem ewigen Schnee ab, aber die Geschichte lebt und all die Veränderungen, die ich jetzt hineinbringe, lassen ich jetzt schon kribbelig werden, wenn ich an das Überarbeiten der anderen Teile denke.

Die Geschichten sind nicht mehr einfach, zart und hübsch, sie sind riesig, monströs und wahre Dinosaurier 🙂

Wie dieser Beitrag hier 🙂 🙂 🙂
Ich verspreche der Nächste wird kürzer.

Das Plagiat

Ich wollte eigentlich nichts zu diesem Thema sagen. Es geht jetzt seit Wochen in den Medien rum, schmeißt Dreck auf Schuldige und Unschuldige, verunglimpft Selfpublisher und führt dazu, dass ich in Foren Leute sagen hören „Das kann doch jedem Mal passieren“.

Mich nervt das Thema gewaltig!

Ja, ich weiß. Es geht uns alle an. Ob wir nun nur Leser, Autoren oder einfach nur Konsumenten von was auch immer sind. Was da passisert ist, ist Diebstahl und damit weder rechtlich in Ordnung noch durch irgendeine Ausrede moralisch vertretbar. Es sollte bestrafft werden und den Autoren, die wirklich schuldig sind, sollte man in Zukunft genauer auf die Finger gucken (wenn sie sich denn überhaupt noch trauen Bücher unter ihrem nun schmutzigen Namen zu veröffentlichen).

Aber was mich am Meisten nervt, ist folgendes: Ich habe das Gefühl, diese entdeckten Plagiate tauchen jetzt nicht zufällig auf. Im Gegenteil. Kaum gibt es mal wieder das Gerede darüber, dass die Verlagswelt in Schwierigkeiten steckt und das man es als Autor sowieso viel einfacher hat Bücher zu verkaufen, wenn man als SP unterwegs, gibt es plötzlich immer wieder Gerede darüber, dass Bücher nur gut werden können, wenn ein ordentliches Lektorat und ein großer Verlag dahinter stecken.
Nichts gegen ein ordentliches Lektorat, versteht mich da nicht falsch!
Aber ein Lektorat hat nicht zwangsläufig etwas mit einem Verlag zu tun, der dann 70% der Einnahmen aus dem Buch einstreicht und dem Autoren alle Werbung überlässt.
Trotzdem höre ich in Foren genau dieses Argument „Wenn es nicht so viele freie Autoren gäben würde, wäre da auch nicht soviel Lug und Betrug in der Buchwelt unterwegs“.
Als wenn jeder, der seine Geschichten ohne Verlag veröffentlicht automatisch klaut und betrügt!
Und da die Berichte über diese Plagiate überhaupt nicht aufzuhören scheinen, vermute ich inzwischen, dass das verlagsweltmäßig genauso gewollt ist. Das wiederum hat dann nichts mehr mit Plagiate, sondern mit Rufschädigung aller SP zu tun und das nervt mich unglaubtlich!
(vor allem, wenn ich mich daran erinnere, dass zwei von den vier überführten Plagiatoren Verlagsautoren waren 🙂 )

 

Das waren meine 5cent zu dem Thema.