Gedanken zum Thema Lesen

sind meistens auch Gedanken zum Thema Schreiben – jedenfalls für mich 🙂

Und weil dies hier ein Schreibblog ist, dachte ich, ich teile mal meine neuesten Gedanken aka Erkenntnisse mit meiner Leserschaft. Ich hoffe, es gefällt Euch.

Kim Leopolds – Love, Kiss, Cliff

Das Buch ist als Blogroman entstanden und hat mich von seiner ganzen Art des Storyaufbaus fasziniert. Dazu muss ich noch erwähnen, dass es, glaube ich, das erste deutschsprachige Buch in diesem Jahr ist, dass ich gelesen habe. Deutsche Sachen zu lesen, ist immer irgendwie anders, wenn man sich erstmal an die Amerikaner mit ihrer Art zu Schreiben gewöhnt hat. Aber das Buch ist sehr locker und leicht und man kann schnell in den Charakter eintauchen.
Ich habe das Buch also gelesen und weil das Wetter schön war, saß ich damit draußen auf der Terasse. Irgendwann kam mir der Gedanke, dass ich mich eincremen sollte, weil die Sonne doch ziemlich gebrannt hat. Der nächste Gedanke war „Die Kapitel sind recht kurz. Wenn das Aktuelle zuende ist, geh ich cremen.“ Das Problem war nur, Kim hat ihr Buch so aufgebaut, dass es eigentlich grundsätzlich mit einem Cliffhanger, einer lustigen Stelle oder einem kleinen Rätsel endet, sodass ich nicht einfach so aufhören konnte (und natürlich einen Sonnenbrand bekommen habe).
Das Ganze hat mich daran erinnert, wie es ist, wenn man Fanfictions schreibt. Ich weiß nicht, ob Ihr mit Fanfictions vertraut seid, aber grundsätzlich sind erfolgreiche Geschichten dieser Art immer so aufgebaut, dass man am Ende eines Teils einen Cliffhanger einbaut, sodass die Leser es kaum erwarten können den nächsten Teil zu lesen. So baut man sich dann seine Fanbase auf.
Als ich nun von FF auf richtige Bücher umgestiegen bin, habe ich mir einige Schreibratgeber besorgt und in denen steht eigentlich grundsätzlich, dass man Bücher nicht aufbauen darf wie die herkömmliche Fanfiction. Es wird von 3- oder 5- (oder in meinem Fall sogar 7-) Akt-Strukturaufbau geredet, von Pinch und Plot turn, von Heldenreisen und was es nicht noch alles gibt. Aber im Endeffekt gefiel mir Kims Buch eigentlich so gut, weil es das alles nicht zu beachten scheint. Sie erzählt ihre Geschichte, macht sie dadurch sehr lebendig und spannend und ich freu mich jetzt schon auf den 2. Band. Ich weiß nicht, ob sie beim Schreiben immer nur an den nächsten Teil gedacht hat oder ob sie einen großen Plan hatte. Herausgekommen ist auf jedenfall ein Buch der besonderen Art und es hat Spaß gemacht zu lesen.
Wenn das mal jemand von meinen Büchern sagt, bin ich komplett zufrieden!

Veronica Roth – Die Bestimmung

Als Bücher dieser Art neu auf dem Buchmarkt waren, gab es einen großen Hype darum. Dieser Hype führt bei mir immer dazu, dass ich mir anfangs interessiert die Buchbeschreibung ansehe und dann, wenn jeder davon schwärmt, beschließe auf den Film zu warten. Mich nervt das übertriebene darüber reden einfach nur (das hat dazu geführt, dass ich „Den Marsianer “ übrigens auch noch nicht gelesen habe).
Als der erste Teil der Bestimmung im Kino kam, war dann der Zug für mich schon wieder komplett abgefahren. Ich habe die Bücher als Young Adult abgestempelt und das ist einfach nichts für mich.
Dann kam der 1. Teil im Fernsehen, ich wollte bügeln und es kam nichts besseres. Ich machte den Film an und war fasziniert. Der Film hat mir sehr gut gefallen. So gut, dass ich mir jetzt die Bücher aus der Bücherei besorgt habe und gerade am Ende von Band 2 bin.
Es sind immer noch Young Adult Bücher und in meinen Augen ist der ganze Hype darum ziemlich übertrieben gewesen, aber sie unterhalten. Ich lese sie sehr gerne und bin gespannt, wie die Reihe beendet werden wird.
Aber beim Lesen ist mir etwas aufgefallen. Ich glaube, die Autorin hat sich noch nicht eine Sekunde mit Schreibratgebern beschäftigt, denn sie tut genau das, was einem dort immer abgeraten wird. Sie sucht sich Klischees und anstatt diese zu vermeiden, benutzt sie sie. Während überall gesagt wird, dass ein Buch nur Erfolg haben wird, wenn es das Unvorhergesehene beinhaltet, haben ihre Bücher Erfolg, weil man quasi auf der ersten Seite weiß, welcher Charakter der Bösewicht ist, welcher am Ende der Held sein wird und das Totgeglaubte selten genau das sind. Ich habe beim Lesen des 1. Teils das Gefühl gehabt, die Autorin hätte eine Strichliste mit Klischees abgearbeitet – und es hat mir trotzdem gut gefallen (oder gerade deswegen???).
Vielleicht sollte man viel öfter mit Klischees arbeiten? Das Vertraute einfach nur in ein anderes Kleid stecken und nicht unbedingt alles neu erfinden?

Fanfiction – Captain America

Ja, ich weiß. Ich kann regelrecht sehen, wie meine geneigte Leserschaft jetzt auf diese Überschrift starrt und sich fragt, was ich damit sagen will. Einige von Euch, die mich schon etwas länger kennen, wissen, dass ich Fanfictions liebe und wenn mich ein Film oder eine Serie interessiert hat, ist mein erster Weg ins Internet und nach gleichdenkenden Irren zu suchen, die Geschichten dazu geschrieben haben.
Ich war schon immer ein Comic Fan und darum kenn ich fast jeden Superhelden, den das Kino oder das Fernsehen zurzeit ausgräbt, noch aus meiner Jugend. Superman und Batman laufen da natürlich jedem den Rang ab, aber ich habe auch die Fantastischen Vier gelesen oder Justice League. Waren im örtlichen Kiosk keine neuen Hefte zu bekommen (weil ich das Neuste erst am Vortag gekauft habe), habe ich in meiner Verzweiflung oftmals auch Comics genommen, die mich sonst nicht so interessiert haben, frei nach dem Motto: Besser als Nichts.
Zu diesen Comics gehörte auch Captain America. Ich weiß, heutzutage nennt man Superman oftmals den großen Pfadfinder, der immer nur alles richtig macht und schrecklich langweilig ist. Das war damals mein Bild von Captain America. Boah, ging der oberkluge Gutmensch mir auf den Geist! Wenn ich so ein Comic gelesen habe, dann war ich wirklich verzweifelt. (ich war oft verzweifelt und ich hatte offenbar zuviel Taschengeld…). Der Einzige, den ich noch schlimmer fand, war Thor. Ich glaube, das ist auch das einzige Comic, das ich nie weiter gelesen habe. Bei Captain America gab es diesen einen Bösewicht, den ich wirklich ziemlich gruselg fand. Ich weiß nicht mal genau, warum. Jeder Superheld hatte schließlich mindestens einen Bösewicht und jeder davon war fies und schlimm und absolut bedrohlich – für einen Comic. Dieser Kerl vom Captain jedoch war mir irgendwie… unheimlich. Wenn ich gesehen habe, dass er auf dem Titelbild ist, habe ich mir das Heft nicht gekauft. Dann schon lieber Bibi Blocksberg oder so *schüttel*
Nun sind die Filme in den Kinos und ich liebe Marvel Verfilmungen. Die Schauspieler sind auch noch ganz ansehnlich und die Witze sind lustig. Ergebnis: Ich habe alle mindestens einmal gesehen. Dann kam der Captain America mit dem Winter Soldier und ich erinnerte mich sofort, dass ich die Comics immer gruselig fand. Aber ich bin inzwischen etwas älter (geringfügig älter *hust*) und darum ging ich ins Kino – und war begeistert. Seien wir ehrlich: Die Bösewichter in den Filmen haben definitiv Charme 🙂
Womit ich jetzt wieder bei den Fanfictions angekommen wäre.
Wenig überraschender Weise gibt es ganz viele davon, in denen den Captain und den Soldier heiße Liebesgeschichten verbindet. DAS ist definitiv noch schrecklicher als die Thor Comics!
Ich liebe gute Gay Romance Geschichten, aber hallo? Irgendwo zieh sogar ich die Grenze.
Nun gut… Gleichzeitig gefiel mir aber der Gedanke, dass es irgendwo eine Fanfiction gibt, in der das Eis am Stil am Ende nicht wieder eingefroren wird. Ich wollte ein Happy End haben, eine Rettung, eine Belohnung für alles durchgemachte.
Ich stieß auf Lovestories mit dem Winter Soldier und Black Widow, was immerhin nicht ganz so schlimm ist wie das Pairing „Stucky“ *schüttel* Dennoch war es auch nicht perfekt. Plötzlich bin ich auf eine Geschichte gestoßen, in der das große „No Go“ der Fanfiction Welt ignoriert wird: Der Autor der Geschichte hat eine Mary Sue erfunden, die schön und klug ist, tapfer und heldenhaft und obendrein noch keine Angst vor dem großen bösen Soldier hat. Kurz und gut: Ich habe eine 30 teilige Fanfiction mit einer Mary Sue gelesen und sie geliebt. Wo eine gute Geschichte ist, müssten doch auch noch andere sein, dachte ich mir, und ich suchte und fand.
Jetzt sitz ich hier zuhause und überdenke gerade mein Leseverhalten der letzten drei Wochen, angefangen von Kim Leopolds unterhaltsamen Roman über die düsteren Bestimmungsbücher bis hin zu den Fanfictions mit einer Mary Sue als Hauptdarstellerin und meine Schreibwelt ist ein klein wenig in ihren Angeln erschüttert. Irgendwie ist all das von dem ich überzeugt war, jetzt nicht mehr das, was richtig zu sein scheint. Man muss sich nicht an bestimmte Regeln halten. Klischees können einem gute Bücher präsentieren und eine Mary Sue, die mir Herz und Verstand geschrieben ist, kann durchaus mit jedem „richtigen“ Hauptdarsteller mithalten.

Vielleicht findet Ihr diesen Beitrag jetzt nicht so überraschend wie ich, aber ich hatte jetzt das Gefühl, dass jedes Buch, dass ich im Monat Mai gelesen habe, mir etwas beibringen wollte und dass finde ich sehr überraschend.

Wie geht es Euch?
Heute schon etwas Neues gelernt?

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2 Antworten zu “Gedanken zum Thema Lesen

  1. Deine Gedanken in diesem Beitrag sind in jedem Fall nachvollziehbar. Ich muss jedoch sagen, dass mich Klischees extrem stören, weshalb ich die Bestimmung absolut nicht mochte. Allerdings habe ich auch nur den Film gesehen. Ich denke zwar nicht, dass jede Regel befolgt werden muss, aber es gibt eben Dinge, die einfach besser funktionieren als andere. Zum Beispiel nicht vorhersehbar zu schreiben. Allerdings ist es nur logisch, dass nicht jedem das gefällt.
    +Mika+

  2. Ich muss zugeben, ich kenne keins der Bücher und habe bislang auch noch keine Fanfictions gelesen. Ich weiß auch nicht genau, was ich von Schreibratgebern halten soll… Viel wichtiger beim Schreiben finde ich, das zu schreiben, was man selber gerne lesen würde. Vielleicht haben die oben genannten AutorInnen genau das getan?
    Klischees können vielleicht dann ganz überraschend sein, wenn man etwas denkt wie: „Da kann so jetzt aber nicht passieren, das wäre ja voll klischeemäßig!“ 🙂 Was das bei dir so, als du „Die Bestimmung“ gelesen hast?

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