Das Ende vom Lied… äh, der Serie über die Serie

Nachdem ich in den vorhergehenden Teilen erzählt habe, wie aus einzelnen Szenenideen durch sorgfältiges zuspätplotten, ganz viel Glück und noch mehr Mogelei meine Geschichtenreihe entstanden ist, präsentiere ich Euch heute mal Bilder 🙂

Alles fing damit an, dass ich zwar nicht bewußt meine Reihe geplant habe, aber das ich mir doch ein, zwei Dinge notiert habe. Anfangs auf kleinen lustigen Schmierzetteln, die ich regelmäßig verlegt habe, was mich wahnsinnig gemacht hat!, dann bin ich dazu übergegangen, alle Ideen und wichtige Dinge in einem kleinen Block festzuhalten. Sobald ich einmal damit angefangen habe, habe ich alles mögliche in den Block eingetragen und schlußendlich lauf ich täglich mit einer noch kleineren Variante davon herum. Es wimmelt bei mir geradezu von Ideensammelblöcken in allen möglichen Größen und Formen, angefangen von billig im 1€-Shop gekauft bis hin zu teuren Moleskins. Dieser Block ist der, in dem ich alles über ANTARES gesammelt habe

Die kleinen farbigen Markierungen am Rand sind mühsamst von mir eingeklebt worden, um Geschichten zu unterteilen. Ihr seht, man kann auch mehrere Sachen in einem Billigblock unterbringen und trotzdem Ordnung haben 🙂

Das mit der Ordnung ist dann allerdings im Zuge der Schreiberei der Monstergeschichte irgendwie flöten gegangen und das nächste Bild zeigt, wie ich mit Hilfe mehrerer Blöcke, Zettel und unglaublichem Chaos versuche die Ideen zusammen zu treiben

Ich glaube, spätestens in dem Moment hätte mir der Gedanke kommen müssen, dass ordentliches Plotten vor dem ersten geschriebenen Wort eine gute Idee gewesen wäre, aber nein, diese Unterlagen stammen aus einer Zeit, als ich gerade dabei war Band 3 zu schreiben. Ich hatte also schon zwei Bücher ohne irgendeine Struktur hinbekommen (dachte ich). Band 3 und 4 wurden ansatzweise geplant, aber auch nur, weil ich langsam mit der Zeitlinie innerhalb der Bücher durcheinander gekommen war. Ich stellte mir ständig Fragen, wie: „Wann ist Held 1 eigentlich abgestürzt, vor oder nach der Friedenskonferenz? (ich brauchte die Info, weil er eigentlich auf besagter Friedenskonferenz hätte sein sollen)“ oder auch schön: Meine Heldin führt ein ausführliches Gespräch mit ihrem Bruder – den ich zwei Bände vorher leider hatte sterben lassen. (Sobald mir das auffiel, funktionierte ich das Gespräch in einen Traum um). Ich begann also zu planen und Band 5 ist der absolute Beweis, dass so etwas eine gute Idee ist.
Den neuen Band 1 habe ich auch geplant und ich hoffe, man merkt das, wenn ich in einigen Wochen mit der Überarbeitung anfange.
Band 2 war nicht strukturiert, ist aber schon einmal editiert und von daher ganz logisch und zusammenhängend. Aber: Ich hatte das Gefühl, etwas fehlt. So schnappte ich mir meine Vorarbeitmodelle (die bei Band 5 hervorragend funktioniert hatten) und versuchte Band 2 in die Schablone zu drücken. Das war ziemlich mühsam, aber offenbar eine geniale Idee, denn ich merkte dadurch, wo es immer noch Schwierigkeiten gab, wo der Verlauf der Geschichte nicht rund war.
Da ich ein Fan von kleinen Klebezetteln (auch Post-its genannt) bin, nahm ich mir einen übrig gebliebenen Zeichenblock und verteilte bunte Klebchen.

Und jetzt wird es für Euch lustig 🙂

Sagt Euch der Name Michael Hauges etwas? Mir sagte er nichts, aber ich bin vor einigen Jahren auf einen Artikel von einer Schriftstellerkonferenz gestossen, in dem er einen Vortrag über das Innere von Charakteren gehalten hat. Es ging darum, was die Ängste einer Person sind, was er glaubt, was andere von ihm oder ihr denken, und warum er wie reagiert. Es ist quasi die Backgroundstory für jede Charakterentwicklung und ich liebe solche Sachen. Also übernahm ich das in Form der rosa Zettel. Die gelben Zettel sind die 7 Punkte von Dan Wells. Ich arbeite gerne mit seiner Struktur und stellte mit einem verblüfften Blick fest, dass Hauge Punkte sich perfekt eingliedern ließen.
Die grünen Zettel entsprechen nun dem Aufbau einer typischen Liebesgeschichte. Kennt jemand Lauren Layne? In meiner vorherigen Monatsbesprechung habe ich sie als Neuentdeckung erwähnt und auch wenn sie New Adult und typische Liebesromane schreibt und kein Sci-Fi, gefiel mir doch der Aufbau ihrer Geschichten. Ich war auf ihrer Homepage stöbern und bin über ihre Tipps und Tricks für Autoren gestolpert, darunter ein regelrechter Steckbrief, wie eine Geschichte ablaufen sollte. Das gefiel mir und ich sah sofort, dass es zu Hauge und Wells und vor allem zu meiner aktuellen Geschichte passte. Ich ordnete es ein und begann auf den blauen Zetteln meine Szenen zu schreiben. Dabei fiel mir auf, wo etwas fehlt, wo etwas zu viel war und wo ich vor allem viel zu viel Background oder Geschwafel drin hatte. Das musste alles raus und da mir die farblichen Post-its ausgegangen waren, schnappte ich mir welche mit einem bräunlichen Rand und schrieb meine to-do während des Edits Liste.

Das ist das Ende meines kleinen Berichts über die Entstehung der Serie.
Ich denke, mir hätte schon vor dem Schreiben diese Post-it Tafel gute Dienste geleistet, aber auch jetzt, wo es eigentlich zu spät ist, verlier ich dadurch beim Editieren nicht aus den Augen, wohin mich die jeweilige Szene eigentlich bringen soll. Das ist quasi die Logline (die ich partout nicht hinbekomme), von der ich mir erhoffe, dass sie das Buch noch in sich stimmiger macht.

Ich weiß, dieser Teil war jetzt wieder viel zu lang. Ich hoffe, Ihr habt es trotzdem bis zum Ende durchgehalten und ich würde mich über Eure Meinungen zum Vorgehen oder eigenen Erfahrungen freuen!

Ein schönes Wochenende!

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9 Antworten zu “Das Ende vom Lied… äh, der Serie über die Serie

  1. Find ich super, dass du ein System gefunden hast, was für dich passt.
    Ich plotte die Erstfassung in einem schlichten Word-Dokument, wo ich mir alles von der Seele schreibe (inkl. Ausrufen wie „nee, das geht nicht, unlogisch“) und erstelle dann die richtige Struktur mit den Karteikarten in Scrivener. Ich hab’s mal mit echten versucht, aber das hat nicht viel gebracht, elektronisch reicht mir.

    Notizbücher hab ich genug (hat irgendein Autor weniger als ein Dutzend bei sich rumliegen?), darin notiere ich aber wenig vor dem Plotten, erst danach. Ich schreibe eine „Laundry List“ auf (was alles bei der Revision verändert werden muss), mache Notizen zum Worldbuilding und zur erfundenen Fremdsprache, schreibe Liedtexte oder Gedichte rein … ist mehr eine Inspirationssammlung.

    Ich muss mir mal das System von Dan Wells anschauen. Ich habe den Verdacht, dass ich beim Plotten ein ähnliches benutze, auch wenn meins 8-9 Punkte hat.

    Oh, und was die Post its angeht: Kenn ich 😀 Ich liebe die Dinger, schreibe alle spontanen Ideen drauf und hab dann eine Zettelsammlung, die ich auf Papier kleben muss, damit ich sie nicht verschludere. Irgendwie nicht der Idealzustand, aber ich mag die bunten Kleberlis einfach zu gerne.

    • Ich bin damals über verschiedene „Schreibwege“ an den von Wells geraten. Es gibt ja die Heldenreise und dann den 3-Akt-Aufbau, den 5-Akt-Aufbau und den 7 Punkte Plan von Wells und irgendwie passte der zu dem, was ich schreibe. Ich hatte wirklich schon vorher so ungefähr die Struktur und war damit sehr zufrieden, insofern mach ich eigentlich nichts für mich Neues, sondern achte einfach schon im Vorfeld darauf – was dann hoffentlich das Editieren erleichtert 🙂
      Es gibt Videos von seinem Vortrag zu dem System auf Youtube. Die sind sehr klasse, weil er da Beispiele von Harry Potter, Star Wars, Herr der Ringe, Othello (!), Matrix usw nennt. Sehr empfehlenswert!

  2. Der Beitrag war meiner Ansicht nach dieses Mal nicht zu lang und genau auf den Punkt. Mir gefällt das mit den Post-Its sehr gut. Vor allem, dass du verschiedene Elemente kombiniert hast. Vielleicht versuche ich das demnächst mal mit meinem Projekt.
    Grüße
    +Mika+

    • Mach das vor allem „vor dem Schreiben“. Es hilft mir zwar gerade beim Editieren, aber ich hätte massenhaft Zeit sparen können, wenn ich vorher schon den Plan gehabt hätte 🙂

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