Wie ich eine Serie plane

Zunächst einmal entschuldige ich mich nochmal für den oberlangen vorherigen Teil. Beim Schreiben ansich ist es mir nicht mal so aufgefallen, aber spätestens jetzt beim Überlesen war es ein wenig gruselig. Ich gelobe Besserung!!!

Im letzten Teil habe ich erzählt, wie aus fünf einfachen Szenenideen plötzlich die Grundsteine für einzelne Bücher geworden sind. Ich habe erzählt, dass mir die Idee eine ganze Serie zu schreiben, ein klein wenig Angst machte und dass ich mich mit einem kurzen, leichten Anfangsteil wohler gefühlt habe.

Was ich bei dem kurzen Anfangsteil aber nicht bedacht habe, ist, dass

  1. der Anfang einer Serie immer der Schwerste ist, egal, ob leicht geplant oder nicht. Er muss den Leser, aber zuerst einmal den Autoren überzeugen, den Rest auch noch schreiben zu wollen.
  2. alles was im Anfang erwähnt wird, auch irgendwo im Rest noch Bestandteil hat und vor allem zeitlich zueinander passen muss
  3. es Sinn macht, im Anfangsteil der Serie auch noch andere, zukünftige Hauptdarsteller vorzustellen, sie aber gleichzeitig den Hauptdarstellern des aktuellen Teils nicht das Licht stehlen dürfen
  4. man entweder jeden einzelnen nachfolgenden Teil schon perfekt geplant haben oder man die Teile in chronologischer Reihenfolge nacheinander schreiben muss, wenn man nicht auf schriftstellerisches Glück vertrauen will

Gerade letzterer Punkt hat mich anfangs gestört. Ich war es gewohnt, Geschichten szenenweise zu schreiben und zwar immer das, was mich gerade ansprach. Ich folgte einfach meiner jeweiligen Stimmung und meiner Laune.
So kam es, dass ich für vier der fünf Teile einige Szenen schon geschrieben hatte, einfach, weil sie mich gereizt hatten, weil ich mich mit anderen Szenen an die Wand gefahren hatte und weil ich zwar Schreiben wollte, aber eigentlich nicht wußte, was. Dabei hatte ich einen theoretischen Plan. Ich wußte, wo Charakter A am Ende seiner Geschichte sein sollte, jedenfalls, was seine Charakterentwicklung anging und die Liebesgeschichte, aber ich hatte mir keine wirklichen Gedanken darüber gemacht, was alles wirklich in der jeweiligen Geschichte passieren sollte und wie ein Spannungsbogen funktionerte.
Schließlich zwang ich mich, Band 1 zu schreiben. Das leichte Ding. Ich stellte meine Hauptcharaktere vor (und fand sie irgendwie blass, schob aber alles auf das Editieren). Ich stellte den Hauptcharakter des nächsten Teils vor (und fand ihn zum Knutschen, aber er sollte doch meinen Hauptcharas das Licht nicht stehlen, also beschränkte ich ihn schon gleich beim Schreiben um einiges) und ich ließ zwei weitere Charaktere sterben, sehr dramatisch und sehr schön (und sehr problematisch, weil ich sie eigentlich als Hauptdarsteller für Band 4 und 5 geplant hatte). Plötzlich erwähnte ich Dinge, die in allen Teilen Bedeutung haben würden und ich begann mir lustige Merkzettel zu basteln. Ein Zeitstrahl wurde als Nächstes gezeichnet und dann fand ich mich irgendwann mal dabei, wie ich einzelne Plotpunkte auf einem riesigen Din A4 Blatt in einer Tabelle erfasste, um nicht mehr durcheinander zu kommen.

Es half alles nichts: Ich musste planen, wenn ich die Geschichtenreihe zum Erfolg führen wollte!

So kam es, dass ich pünktlich zu einem NaNo eine Mischung aus allen möglichen Schreibstrukturen (Wells und ähnliche) erstellte und den 5ten Teil voll durchplante. Anders als bei den Teilen vorher benötigte ich jetzt keine 1,5 Jahre, sondern nur 4 Monate um knapp 200k zu schreiben – und fast jedes einzelne Wort davon zu lieben!

Ich hatte es geschafft und die gesamte Reihe fertig – dachte ich.
Ich will jetzt nicht von dem plötzlich aufgetauchten 6ten Teil reden, sondern davon, dass ich begann Band 1 zu editieren und ihn hasste.
Punkt 1 von meiner Reihen-Mindestanforderungsliste war also schon mal komplett verhauen.
Punkt 2, die Sache mit dem Bestandteil in Folgebänden? Ich habe zwei Helden sterben lassen, die ich noch brauchte! Das war ein kompletter Fehlstart!
Punkt 3: Was soll ich sagen, der erwähnte Nebendarsteller wird immer jederzeit anderen Darstellern das Licht stehlen, weil er einfach mein Lieblingsbaby ist. Fehlschlag Nr. 3 also.
Punkt 4 war dagegen der einzige Lichtblick: Ich hatte die Geschichten nacheinander geschrieben.

So, jetzt hätte man denken können, dass diese Erkenntnis mich zum Strickenlernen treibt und ich nie wieder ein Wort zu Papier bringe. Hat es aber nicht, denn es war egal, ob ich in allen 4 Punkten versagt hatte oder nicht. Ich hatte geschrieben und das bedeutete, ich hatte etwas zum Editieren.

Und aus irgendeinem, mir völlig mysteriösen Grund war ich der Meinung, dass das magische Editieren alles besser macht.
Da stand mir noch eine Überraschung bevor, aber von der berichte ich nächstes Mal. Dieser Beitrag ist schon wieder viel zu lang, fürchte ich… (und das obwohl ich beim Editieren 🙂 viel gelöscht habe)

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2 Antworten zu “Wie ich eine Serie plane

  1. Ich lese gerne lange Blogposts, also wegen mir musst du dich nicht beschränken 😀
    Mir ging es bis jetzt so, dass ich nie eine Reihe plante, sondern sich immer welche entwickelten. Selbst mein Fantasy-Monster mit über 330k sollte eigentlich ein Einzelband werden *hüstel* Anscheinend hängt meine Muse an allen Charakteren, denen sie Leben einhaucht, und wenn sie nicht gestorben sind, bekommen sie einen weiteren Band. Wenn sie gestorben sind, dann ein Prequel.

    Momentan versuche ich mich an der Planung von 2 Reihen, vorsätzlich, noch ehe ich den ersten Band geschrieben habe, und bin schon gespannt, auf welche Hindernisse ich dort stoßen werde.
    Deine 5 Punkte klingen alle nachvollziehbar und logisch, die werde ich im Hinterkopf behalten.

    • Glaub mir, ich wußte von den Punkten erst als es zu spät war 😉 Allerdings wollte ich auch nie vorsätzlich eine Reihe anfangen, sonst hätte ich mich damit evtl. mal vorher beschäftigt

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