Zeitschriften: „Federwelt“ und „Der Selfpublisher“

Ich weiß, ich hatte für diesen Beitrag eigentlich etwas Neues / Aufregendes / Interessantes zum Thema „Romanentstehung“ angekündigt, aber aus gegebenen Anlaß möchte ich das Thema wechseln.
Der gegebene Anlaß ist der, dass ich mit meiner derzeitigen Geschichte nahezu fertig bin (also die 1. Fassung) und da ich quasi schon das magische Wort „Ende“ in der Ferne erkennen kann, möchte ich im Moment nicht allzuviel über die Geschichte reden. Nächste Woche dann aber – hoffentlich.
Stattdessen habe ich diese Woche etwas getan, was ich schon sehr lange nicht mehr gemacht habe. Ich bin der Schwarmintelligenz gefolgt und habe mir Zeitschriften gekauft.

Ich muss dazu erklären, dass ich mir in der Regel keine Zeitschriften dieser Art kaufe. Das liegt daran, dass Zeitschriften in meinen Augen entweder der puren Unterhaltung dienen (Klatsch und Trasch, zu Finden in allen Wartezimmern dieser Welt) oder lehrreich sein sollen. Bei den Schreibzeitschriften ist das beides sicherlich auch der Fall, allerdings habe ich das Gefühl, dass das wieder nur so ein Marktausnutzen einiger Verlage ist.  In der Regel sind zwar interessante Themen in den Zeitschriften vorhanden, aber sie sind oftmals zu teuer und nur oberflächlich gehalten. Jedenfalls ist das der Eindruck, den ich im Verlauf der letzten Jahre bekommen habe, wenn ich in so einer Zeitung geblättert habe. Dabei macht es übrigens keinen Unterschied, ob die Zeitung deutschstämmig oder aus dem Ausland ist.

Warum ich mir dann jetzt diese Zeitungen gekauft habe?
Die Schwarmintelligenz im Internet hat mich angesteckt. Ich glaube, man könnte sagen, dass ich absolut auf die Mund-zu-Mund-Propaganda reingefallen bin. Die Werbung war definitiv erfolgreich, wenngleich es im Fall der Federwelt schon etwas länger gedauert hat.

Die Federwelt-Ausgabe stammt nämlich noch aus dem Februar, was ich anfangs gar nicht gemerkt habe. Sie kostet €7,50 (D) und hat ein schönes Format. Auch wenn die Zeitschrift nicht auf Hochglanzpapier gedruckt wurde, gefiel mir die Aufmachung sehr gut.
Gekauft habe ich sie vor allem, weil mich eines der Titelthemen angesprochen hat: „So lassen sie den Körper ihrer Figur sprechen.“
Da ich ja ab und zu auch sehr gerne Schreibratgeber lese, war das genau auf meiner Schiene, aber auch die anderen Themen „Speeddating-als Romanautor beim Verleger“ oder „Burn-out bei Autorinnen“ hörten sich interessant an.
Die Zeitschrift wanderte also in meinen Einkaufskorb und wurde sofort im Zug gelesen.
Der „Burn-out“ Artikel stammte von Sandra Henke, einer Autorin, die ich anläßlich der Loveletter-Convention in Berlin kennenlernen durfte. Ich muss dazu sagen, dass ich kein Fan ihrer Bücher bin, aber die Autorin ansich ist sehr sympathisch und so war ich auf Ihren Artikel gespannt. Ich wurde nicht enttäuscht!
Das Thema „Burn-out“ ist, in meinen Augen, gerade für viele Autorenanfänger sehr naheliegend, da sie größtenteils noch einen Zweitberuf, eine Familie, Verpflichtungen und noch viel mehr neben ihrem anstrengenden „Hobby“ haben, das sich zumindest am Anfang auch noch nicht mal auszahlt. Wenn es dann endlich ein wenig zu laufen anfängt, möchte man natürlich nicht riskieren nur eine Eintagesfliege zu sein und schon verzettelt man sich. Gleichzeitig gibt man aber nicht gerne eine mögliche Schwäche zu. Das ist wie bei Sportlern, die sich unentweg verletzen und trotzdem mit gebrochenen oder schmerzenden Gliedern wieder auf dem Platz stehen, nur um nicht ungeeignet zu erscheinen. Das Eine hat nichts mit dem Anderen zu tun und doch will sich keiner die Blöße geben. Sandra Henke hat das getan, auf sehr offene und verständliche Weise. Allein für den Artikel hat sich die Ausgabe der Zeitschrift in meinen Augen gelohnt.
Der zweite Artikel „Speeddating“ war etwas, von dem ich noch nie etwas gehört habe, aber es war interessant zu lesen. Es ging darum innerhalb von 5 Minuten von einem Verleger zum nächsten zu huschen, dabei sein Buch zu präsentieren und erfolgreich und sicher Nachfragen zu beantworten. Der Artikel klang nach einer ganzen Menge Spaß und bestimmt auch nach einigen Möglichkeiten, aber für mich wäre das absolut nichts. Ich bräuchte schon 5 Minuten, um die erste Panik zu überleben, von Fragen beantworten, gar nicht erst anzufangen.
Der dritte Artikel, der mich eigentlich interessiert hatte, war dann die erste richtige Enttäuschung der Zeitschrift. Es ging um einfache Situationen und wie man diese anhand der Körpersprache beschreiben könnte. Nun bilde ich mir ein, dass ich mich mit Körpersprache ein klein wenig auskenne (das Thema hatte mich mal in einem anderen Zusammenhang interessiert und so habe ich einiges dazu gelesen und Videos gesehen) und die Autorin hat auch sämtliche Punkte gut herausgearbeitet, aber zum Schreiben war das nicht hilfreich. Als kleines Beispiel: Es geht darum, dass die Figur sich auf einer Party befindet und von jemanden angesprochen wird, den sie nicht mag, dem sie aber auch nicht einfach den Rücken zudrehen kann. Im Artikel wird nun geraten, u.a. das Fluchtbein zu erwähnen, eine Fußspitze der Person zeigt deutlich fort vom Gesprächspartner. Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich habe schon einige dieser Szenen geschrieben oder auch einige dieser Szenen von anderen gelesen, aber irgendwie stand da nie etwas von wegzeigenden Fußspitzen. Gut, könnte man jetzt sagen, nur weil das noch nie dastand, muss es nicht falsch sein. Stimmt. Aber so richtig umhauen tat mich der Artikel trotzdem nicht. Insgesamt las er sich eher so, als wäre er für angehende Regisseure oder Schauspieler als für Schriftsteller gedacht.
Aber es gibt noch einige andere Artikel in der Zeitung, die ich bisher nur überflogen habe. Einige waren komplett nicht für mich gemacht (Sachbuchexposés werde ich wohl im Leben nie verfassen und Dichten muss ich auch nicht mehr lernen) und für andere benötige ich mehr Zeit, um mich damit auseinander zu setzen.
Was mir an der Zeitschrift aber wirklich auffiel, war die Werbung. Erschreckend, oder? Mir war bis zum dem Zeitpunkt nicht klar, wieviel Bücherwerkstätten und Lektorate es in Deutschland gibt, wieviel Möglichkeiten man zum Selbstveröffentlichen hat und wo man überall an Kursen oder Wettbewerben teilnehmen kann. Zu der Zeit, als ich anfing von einer Karriere als Autorin zu träumen (damals als man noch auf Steintafeln geschrieben hat… oder jedenfalls fast), da gab es so etwas nicht. Da war man der Exot unter dem Leuten. Wenn man jemandem sagte, man schreibt ein Buch, hat jeder einen angesehen, als wäre einem plötzlich ein zweiter Kopf gewachsen. Bei Zeitschriften wie der Federwelt habe ich jetzt plötzlich das Gefühl, wenn ich jemanden sage, ich schreibe ein Buch, dann fragt mich mein Gegenüber, ob ich schon an Wettbewerben oder Ausschreibungen teilgenommen habe, als Nächstes folgen Empfehlungen zu bestimmten Lektoraten und bei welcher Plattform man am meisten Geld verdient.
Ich weiß nicht, ob mir diese Entwicklung wirklich gefällt…

Aber die Entwicklung passte zu der zweiten Zeitschrift dieser Woche, dem Selfpublisher.
Wie der Name schon verrät, geht es um Autoren, die auf die Mithilfe von Verlagen verzichten und sich selbst um alles kümmern und schon gleich die ersten beiden Titelthemen lagen mir schwer im Magen „Klappentexte, die wirken“ und „Der Autor als Marke“.
Zum Thema Klappentexte muss ich hier wohl keinem was erzählen. Wie etwas, dass uns Leser maximal 2 Minuten beschäftigt und mit Glück zum Kauf verführt, einen Autoren Wochen wahnsinnig machen kann, ist unbegreiflich, aber leider zu wahr. Ich fand den Artikel gelungen. Er begann sehr unterhaltsam und lustig und wurde plötzlich sehr theoretisch und trocken. Dennoch gefiel er mir und beim nächsten Klappentextversuch werde ich ihn mir definitiv noch einmal zu Gemüte führen.
Der Marken-Autor dagegen hat mir die Zeitschrift dann irgendwie „verleidet“. Werbung zu machen, ist etwas, das mir nicht gefällt. Ich weiß nicht, ob es an mir selber oder an meiner Erziehung liegt, aber ich mag es einfach nicht. Ich würde mir eher ohne Betäubung die Weisheitszähne ziehen lassen, als mich irgendwo hinzustellen und sagen „Hey, kauft mein Buch, das ist richtig gut!“
Leider muss man das aber als beginnender Autor anscheinend machen, wenn man dem Artikel Glauben schenken darf.
Mir ist bewußt, wie wichtig Werbung ist und wie wichtig der Wiedererkennungswert eines bestimmten Produktes ist, und gleichzeitig mag ich es nicht, mich selber als dieses Produkt zu sehen. Von daher erhoffte ich mir von dem Artikel eine Lösung für Leute wie mich: Die Werbung für Werbemuffel, sozusagen.
Der Artikel war sehr gut geschrieben. Er enthält viele Punkte, von denen ich ohne weiter nachzudenken sagen würde, dass sie richtig sind und es wirklich nur damit funktionieren kann und genau das war es, was mich schlucken ließ. Ich will das alles nicht, muss es aber anscheinend?  Will ich dann wirklich mit meinen Büchern in die Öffentlichkeit?
Auf einmal stellte ich mir Fragen, die ich mir selber nie stellen wollte und ich klappte die Zeitung angenervt zu. Einige Zeit später öffnete ich sie wieder und landete beim nächsten Artikel, der Marketingaktionen zum Thema hatte. Das wiederum sieht man ja zurzeit bei vielen, die nächste Woche zur Buchmesse fahren. Es werden Lesezeichen gebastelt und Goodie-Packs gepackt und alles klingt nach viel Arbeit, aber auch einer Menge Spaß und hey, das will ich auch! Ich würde es lieben mit dem Cover eines meiner Bücher auf einem Shirt rumzulaufen und ich würde mit Begeisterung Goodie-Packs verteilen. Das ist Werbung, die mir liegt und die mir Spaß macht. Also bin ich vielleicht doch geeignet für diesen Beruf?
Und prompt stolperte ich über den nächsten Artikel: PR-Agenturen für Autoren. Im Artikel ging es darum, dass man sich als Autor sehr vorsichtig nach einer PR-Agentur umsehen sollte, da Werbung wichtig ist und man nicht aus schwarze Schafe hereinfallen will. Auf einmal fiel mir auf, dass auch in dieser Zeitschrift überall Werbung für Lektorate und Plattformen zu finden war. Eigentlich besteht die gesamte Zeitung nur daraus, und wenn ich mir dann den Preis €6,90 (D) ansehe, dann finde ich das echt erstaunlich. Machen Werbeblöcke Sachen normalerweise nicht günstiger? Wie teuer wäre diese Zeitung eigentlich gewesen, wenn sie keine Werbung enthalten hätte? Und wieviel echte Information hätte ich dann noch aus ihr ziehen können? Und was bedeutet das eigentlich für mich, wenn sich in dieser Autorenwelt plötzlich nur noch alles um Werbung dreht und kaum noch ums Schreiben dreht?

Ihr merkt, die Zeitungen haben mich beide nicht umgehauen und ich bezweifel stark, dass ich mir eine zweite Ausgabe kaufen werde, und das obwohl in beiden sehr interessante Artikel zu finden waren! Beim Selfpublisher würde ich sogar soweit gehen und sagen, dass er mich frustriert hat.
Irgendwie war Schriftstellersein damals, als es noch nicht die Möglichkeit gab, seine Bücher selbst zu verlegen, entschieden einfacher, denke ich. Damals ging es noch nur ums Schreiben. Ich erinnere mich, dass ich mal eine Zeitschrift in den Händen gehabt habe, in der es darum ging, wie man gute Science-Fiction-Geschichten schreiben sollte. Es wurde davon geredet, wie wichtig der Einsatz der Technik wäre, wie sehr Star Trek dieses Genre beeinflusst hat und wie sehr man auf seine eigene Stimme im Buch achten sollte. Wenn ich die Zeitschrift heute finden würde, würde wahrscheinlich drin stehen, dass man auf die Werbung achten muss und darauf, dass man entsprechende Foren besuchen soll.

Was haltet Ihr davon?

Wie sind Eure Erfahrungen mit solchen Zeitschriften?

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Eine Antwort zu “Zeitschriften: „Federwelt“ und „Der Selfpublisher“

  1. Ich würde ja gerne solche Zeitschriften lesen, stoße dabei aber an banale Grenzen: 1. fehlt mir die Zeit. Ich habe 3 Jahre von Writer’s Digest Magazinen in der Inbox und keine einzige davon gelesen, weil ich im Zweifelsfall einem Roman den Vorzug gebe. 2. ist es schwer, an sie ranzukommen, wenn man in einem Nest lebt wie ich. Ich müsste erst in die nächste Stadt fahren, und das ist mit Kosten und Aufwand verbunden. Bis jetzt waren mir diese Zeitschriften nicht wichtig genug, um mir das anzutun. (Idee: Ich schicke den Mann einkaufen!)

    Der Selfpublisher würde mich interessieren, weil sich die Artikel recht hilfreich anhörten. Ich warte drauf, dass ich diese Zeitschrift auch als Ebook beziehen kann, dann reden wir weiter. Ich will kein pdf, ich will ein mobi- oder epub-Format.

    Ich glaube, ich bleibe weiter bei den Schreibratgebern, die ich mir nach Thema aussuchen kann. Bei Zeitschriften ist zwangsläufig viel dabei, was mich nicht interessiert, und bei Büchern umgehe ich auch die Werbung.

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