NaNoWriMo 2015 oder wie ich plotte

Draußern regnet es Bindfäden. Sohnemann ist beim Sport und der Göttergatte sitzt lesend in der Stube. Zeit für mich, mich mal intensiv mit dem diesjährigen NaNo zu beschäftigen.

Wie schon mehrfach gesagt, schweben mir sowohl der 1. Teil meiner Sci-Fi Geschichte als auch der eigentlich nie geplante, jetzt aber erschreckend feststehende 6. Teil als Projekt vor.
Band 1 habe ich anläßlich des Schreibwochenendes auch relativ gut vorbereitet gehabt.
Band 6 habe ich bisher ignoriert.
Gleichzeitig habe ich hier im Blog unter meinen aktuellen Projekten noch eine Hexengeschichte stehen, die ich seit Jahren schreiben will und von der ich nichts weiter weiß, als… das eine Hexe drin vorkommt? Und das sie auf der Flucht ist. Mehr irgendwie nicht. Trotzdem juckt es mich mittlerweile in meinen Fingern, diese Geschichte zu schreiben.

Tja, und so kommt es, wie es irgendwie immer kommt: Ich habe keine Ahnung, was ich letztendlich schreiben werde!

Aber das macht mich überhaupt nicht nervös 😉
Ich beschäftige mich darum sehr intensiv mit allen möglichen Vorarbeiten aka Vermeidungstaktiken.

Vermeidungstaktik Nr. 1: Ich schaue in jeder freien und halbwegs wachen Minute Fern, anstatt zu schreiben oder mich mit dem Schreiben zu beschäftigen. Andere Leute würde das vielleicht nervös machen, mich nicht. Ich weiß, dass mein Gehirn sich gleichzeitig mit einem herumrennenden Barry Allen und flüchtenden Hexen beschäftigen kann. Oder mit einem Typen, der Morde sieht und fliegenden Raumschiffen. Oder „The Blurr“ (den jungen Superman aus Smallville) und traurigen Lovestories. Und so weiter und so weiter…
Ja, mein Gehirn ist definitiv multitasking-fähig, was sowas angeht. Je mehr ich also auf Twitter von TV-Serien berichte, desto mehr geht gleichzeitig schreibtechnisch in meinem Kopf vor.

Aber irgendwann werde ich dann trotzdem unruhig und eine weitere Vermeidungstechnik tritt in Kraft.
Vermeidungstechnik Nr. 2: Ich lese alles, was nicht rechtzeitig vor mir wegläuft (also wirklich alles) und ich analysiere durchgehend. Plötzlich seh ich überall Plotentwicklungen und was mir warum gefällt oder nicht gefällt. Dann schnappe ich mir meine alten Geschichten (meistens die, von denen ich denke, dass sie gut gelungen sind) und auch da fallen mir 1000 Dinge ein, die mich wahnsinnig machen, woraufhin ich beschließe nie, nie, nie wieder ein Wort zu schreiben. Außer vielleicht eine Einkaufsliste.

Glücklicherweise geht dieser Umstand schnell in Vermeidungstechnik Nr. 3 über: Ich setze mich hin, nehme mir einen Kalender, stelle fest, wie lange ich noch bis zum 01.11. habe und versuche mir einen ganz bequemen Zeitplan aufzustellen. Dazu benutze ich ein Gemisch aus der Schneeflockenmethode von Randy Ingermanson und dem 7-Punkte-System von Dan Wells. Das hat bei meinem letzten NaNo-Projekt so gut geklappt, dass ich beschlossen habe, nur noch damit zu arbeiten.
Allerdings ist es anfangs zeitaufwendiger, gerade weil Randy immer wieder Zeiten vorgibt, die man sich gönnen sollte, um bestimmte Punkte zu erfüllen. So sagt er z.B. dass man sich eine Stunde für das Herausfinden der sogenanten Logline geben sollte (Ihr erinnert Euch noch an meinen Logline Beitrag?). Danach soll man eine Stunde damit verbringen aus diesen einen Satz 5 Sätze zu zaubern (bei mir sind es dann natürlich 7 Sätze).  Mit den nächsten Aufgaben soll man dann 1-2 Tage verbringen oder eine ganze Woche. Wer jetzt an dieser Stelle, wie ich letztes Jahr, glaubt, er könnte das Ganze auch verkürzen, der sei gewarnt: Es bringt wirklich etwas die Zeit zu beachten, weil es anscheinend so ist, dass eine Geschichte, die nach dieser Art entworfen wird, reift. Sie wird mit jeder Minute, die man ihr schenkt, besser und besser.
Aber auch das macht mich nicht nervös. Schließlich sind es bis zum NaNo noch gut 2 Wochen und wenn man die Schneeflocke ein klein wenig strafft, reicht das, hoffe ich. Meine Lieblingsausrede in so einem Moment ist immer, dass ich keine so ausführliche Charakterbeschreibung brauche (dafür plant Randy auch mindestens einen Tag ein).
Insofern habe ich reichlich Zeit, um zu planen. Die Frage ist nur, was? Hexen oder Sci-Fi? Und wenn Sci-Fi, welchen?

Gleichzeitig bin ich im Moment noch am Editieren von Band 3 der Sci-Fi-Geschichte.
Ihr erinnert Euch, dass ich von Band 2 begeistert war? Band 1 fand ich schlecht und schreibe ihn darum nochmal neu. Aber bei Band 3 häng ich jetzt auch. Nicht weil er schlecht ist oder so, aber irgendwas fehlt mir. Mir fällt plötzlich auf, dass er zu unausgegoren ist. Die Bösewichter, die sich durch alle 5 bzw. dann 6 Bände ziehen, sind mir zu handzahm und langweilig und gleichzeitig auch zu farblos. Ich meine, sie sind zwar Bösewichter, aber das erkennt man wahrscheinlich nur, wenn ich mit einem großen Pfeil auf sie zeige. Ihnen fehlt irgendwie die Motivation, der Hintergrund.
Wobei mir schlagartig auffällt, dass in allen 5 bisherigen Bänden der Hintergrund fehlt.

Jetzt ist ungefähr der Moment, wo ich die Krise bekomme!

Ich beschließe darum, das die Hexengeschichte mein diesjähriges NaNo-Projekt wird und setze mich hin, um diese ordentlich zu plotten.
Der Anfang sah so aus, dass ich mir als Erstes die Tagline suche, dann die Logline und dann weiter nach Plan vorgehen will. Aber schon bei der Tagline stutze ich. Sie lautet plötzlich und für mich völlig überraschend: Fürchte Dich.
Was denkt Ihr, wenn Ihr sowas auf einem Kinoplakat lest? Ist das ein lustiger Film? Ein romantischer? Ein Film, bei dem man sich entspannt in den Sessel setzt und sein Popcorn knabbert? Oder ist das ein Film, bei dem ständig Popcorn durch die Gegend fliegt, weil man sich erschreckt?
Ich sitze also da und starre diese Tagline an. Könnte es sein, dass mein Unterbewußtsein mir sagen will, dass ich eine düstere Hexengeschichte schreiben soll? Kann ich sowas überhaupt? Will ich das?

Kurs und gut: Ich fürchte mich – und mein Verstand fällt wieder auf bewährte Vermeidungstaktiken zurück, sodass ich jetzt hier sitze, diesen Eintrag mache und gleichzeitig eine düstere Hexengeschichte plane (natürlich nur im Zeitrahmen, den Randy vorgibt. Ich werde die nächsten zwei Wochen also noch was zu tun haben), mich aus Feigheit um den fehlenden Hintergrund für die Sci-Fi Geschichten kümmere und damit den Geschichtenfahrplan für Band 1 und Band 6 entwerfe.
Mit ein wenig Glück sitze ich dann am 31.10.  hier und habe drei fertig geplottete Geschichten und weiß bis zur letzten Sekunde nicht, was ich wirklich schreiben soll.

Das ist NaNo-Feeling, sag ich Euch!

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4 Antworten zu “NaNoWriMo 2015 oder wie ich plotte

  1. Ich erkenne mich bei den Vermeidungstaktiken ein wenig wieder… Da fällt mir plötzlich ein, dass ich meine Bücherdatenbank pflegen muss, die Comics umgeschlichtet gehören und ich eine neue Playlist zum Roman brauche – alles, was ganz entfernt mit Schreiben zu tun hat, unter Inspirationsfindung läuft und das Manuskript keine Zeile der Vollendung näher bringt. Aber solange es Spaß macht…

    Ich mach mich jetzt ans Plotten für den NaNo, in der Hoffnung, dass von den 3 Konzepten eins meiner Muse gefällt und wir am 1.11. nicht die 4. Idee schreiben. Ja, ja, ich weiß, ich sollte es besser wissen, aber die Hoffnung stirbt zuletzt…

    • Geht mir genauso. Ich habe mich auf meine drei Projekte gestürzt und gedacht, ich bereite alle drei vor und bin dann am 01.11. auf alles vorbereitet und mein Mann sagt ganz locker: „Dann schreibst Du also im November alles nur das nicht, was Du gerade vorbereitest?“
      Scheint, als wenn er mich und den November schon kennt 😉

  2. Als Leser mal reingeworfen … Ich bin für die Hexenstory. 😛 Nicht etwa, weil ich Sci-Fi nicht mag, aber ich hab den Verdacht, dass du die alten Sachen ruhen lassen solltest und einfach etwas Neues ausprobieren solltest. Noch dazu wäre ich neugierig, was aus dem Projekt wird. 😀

    • Danke für Deinen Kommentar!
      Ich bin mittlerweile auch soweit, dass ich mich für die Hexengeschichte entschieden habe… hoffe ich jedenfalls.
      Mal ein komplett anderes Genre lockt und es ist ja nicht so, als wenn ich dann die Sci-Fi Sachen nicht später beenden könnte.
      Ich habe mich gefreut, Deine Meinung zu lesen!

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