Thema: Logline

Es ist doch immer wieder lustig, wie man sich einbildet schon alles einmal gehört oder gelesen zu haben, oder?
So ging es mir letzte Woche, als ich keinen PC und damit auch keine Möglichkeit hatte, an meinen Geschichten zu arbeiten. Ich bin also mit dem Tablet im Netz unterwegs gewesen und habe verschiedene Artikel gelesen, die ich schon ewig markiert hatte, aber für die mir immer wieder die Zeit fehlte. So unter anderem ein Artikel zum Thema Tagline und Logline.

Falls Ihr nicht wißt, was das beides ist:

  • Tagline     Ist der Satz, der auf dem Kinoplakat direkt unter dem Titel des Films steht. Die Schlagzeile sozusagen
  • Logline     Ist der eine Satz, mit dem das Buch, der Film, die Serie, das Theaterstück, was auch immer, verkauft wird. Er macht neugierig, verrät aber nicht alles, ist so gestaltet, dass man keine Namen oder ähnliches benötigt und trotzdem den Inhalt versteht. Es dürfen max. 25 Wörter sein und man muss die Fragen „Wer ist es, Was will er und Was steht im Weg“ beantworten.

Dem Ganzen folgt im Englischen noch der „Blurb“, also die kurze Zusammenfassung, die man immer wieder auf Amazon gerne liest.

Auf einer meiner Schriftstellerseiten habe ich nachgelesen, dass es Sinn macht die Logline zu verfassen ehe man mit dem Schreiben von dem Buch anfängt (Schade, dass ich das noch nie gehört hatte!). Man kann nämlich mit einer guten Logline jederzeit im Blick behalten, ob man sich mit seinem Inhalt „vergaloppiert“. Macht in meinen Augen Sinn, also wollte ich zum aktuellen Buchprojekt eine Logline erstellen. Konnte schließlich nicht so schwer sein…
Auf der Schriftstellerseite fragte der Autor nach der Tagline, die man seinem jeweiligen Buch geben würde. Noch während die Frage kam, war ich mit der Tagline fertig und der gute Mann schrieb auch prompt, dass er vermutet, dass keiner länger als 10 Sekunden gebraucht hat 😉
Dann allerdings kam die Frage nach der Logline… und mein Gehirn fiel in ein großes, weißes Feld. Absolute Leere. Das unendliche Nichts.
Der Schriftsteller schrieb weiterhin, dass er vermutet, dass keiner der lesenden Autoren für die Logline weniger als 10 Stunden gebraucht hat (immerhin bin ich offenbar nicht allein mit meiner Misere).

Die 10 Stunden sind jetzt aber langsam um und irgendwie bin ich noch nicht viel weiter. Allerdings habe ich inzwischen massenhaft Loglines im Netz gelesen, noch diverse hilfreiche Seiten entdeckt und wenigstens herausgefunden, was nicht gut funktioniert.
Da es sich bei diesem Blog immer noch um einen Schreibblog handelt, teile ich das jetzt mal mit Euch (fühlt Euch hiermit gewarnt!):

Es gibt folgende Varianten:

  1. Um zu ihrer Familie zu gelangen, muss eine entschlossene Wissenschaftlerin gemeinsam mit ihrem undurchschaubaren Feind durchs All fliehen.
    Wer und Was ist gut geklärt, aber irgendwie klingt das, als wenn der Feind wirklich der Feind wäre. Nicht ganz das, was im Buch passiert 😉
  2. Um zu ihrem toten Bruder zu gelangen, befreit eine entschlossene Wissenschaftlerin einen undurchschaubaren Feind und flieht mit ihm durchs All.
    Wer und Was ist da, aber das „Was steht im Weg“ ist verloren gegangen. Außerdem klingt es lahm…
  3. Eine ehrgeizige Wissenschaftlerin auf einem Forschungsschiff im All, riskiert auf dem Weg zu ihrem kleinen Bruder alles in dem sie einen gefährlichen Feind befreit.
    Wer und Was ist da, aber wieder fehlt das „Was steht im Weg“, und ich glaube, das Forschungsschiff ist ein Tick zu ausführlich.
  4. Auf einem angesehenen Forschungsschiff im All befreit eine entschlossene Wissenschaftlerin einen gefährlichen Feind, um mit ihm zu fliehen.
    Ja, ich gebe es zu. Es ist eine Liebesgeschichte, aber ein wenig mehr Handlung ist im Buch schon vorhanden…
  5. Auf der Flucht zu ihrer Familie müssen eine waagemutige Wissenschaftlerin und ihr kriegerischer Feind zusammen arbeiten und sich vertrauen.
    Wieder fehlt das „Wer steht im Weg“. Außerdem klingt der Satz zu mainstream, denke ich.
  6. Eine entschlossene Wissenschaftlerin muss ihrem kriegerischen Feind vertrauen, um ihn zu retten.
    Das dritte Ding fehlt schon wieder. Ansonsten gefällt mir der Satz eigentlich.
  7. Nachdem sie einen Fehler gemacht hat, muss eine ehrgeizige Wissenschaftlerin ihrem tödlichen Feind trauen, um ihn zu retten.
    Und wieder fehlt das Problem. Fehlt es etwa auch im Buch?
  8. Eine entschlossene Wissenschaftlerin muss ihrem tödlichen Feind vertrauen, wenn sie ihn vor ihrem Volk retten und selber zu ihrer Familie zurückkehren will.
    Ich würde sagen, hier fehlt nichts. Sogar mein „Steht im Weg“ ist zumindest angedeutet. Aber Aussagefähig ist der Satz trotzdem nicht oder würde jemand jetzt dieses Buch lesen wollen?
  9. Eine trauernde Wissenschaftlerin muss ihrem tödlichen Feind vertrauen, wenn sie eine größere Katastrophe verhindern will.
    Zu allgemein, aber ein guter Ansatz.
  10. Sie konnte die Grausamkeiten ihrer Freunde nicht verhindern. Jetzt muss eine junge Wissenschaftlerin ihrem tödlichen Feind vertrauen, um ihn in Sicherheit zu bringen.
    Zwei Sätze, aber egal. Irgendwie gefällt mir diese Variante.
  11. Nachdem eine junge Wissenschaftlerin den Tod seiner Freunde nicht verhindert hat, muss sie jetzt ihrem kriegerischen Feind vertrauen, wenn sie wenigstens sein Leben retten will.
    Auch hier ist „Steht im Weg“ angedeutet, aber gleichzeitig kommt noch etwas anderes ins Spiel, nämlich schon ein kleiner Teil des Problems zwischen den beiden Hauptdarstellern: Nicht nur, dass sie befeindet sind, nein, sie hat auch noch nicht verhindert, dass seine Freunde getötet werden. Das muss man erstmal überzeugend rechtfertigen können!

Vielleicht fällt Euch auf, wie sich der Inhalt der potentiellen Loglines wandelt?
Ich habe sie, wie gesagt, in den letzten Stunden geschrieben und offenbar hat sich mit jeder Minute, die ich darüber nachgedacht habe, der Schwerpunkt der Geschichte ein wenig verlagert. Mir sind Dinge aufgefallen, die mir im ersten Moment zur Geschichte einfielen und die mir dann irgendwie nicht passten (z.B. hieß meine Wissenschaftlerin immer entschlossen, ehrgeizig, besonnen etc). Ich hatte plötzlich ein grauhaariges Muttchen vor Augen!
Dann war er immer der undurchschaubare Feind. Das ist er aber gar nicht! Er ist einfach nur stinksauer und möchte Köpfe von Hälsen trennen und zwar egal, welcher Kopf zu welchem Hals gehört.
Das Ziel der Geschichte verschiebt sich auch immer wieder. Ich weiß, dass es um die Reise der Beiden geht, um die Flucht vor ihren und seinen Leuten und schließlich um die Liebesgeschichte ansich. Aber kommt das in irgendeiner dieser Loglines zum Vorschein?
Ich glaube nicht.

Das Buch ist aber zumindest im ersten Entwurf schon geschrieben. Da war Handlung, da war Spannung (denke ich zumindest) und da war definitiv auch die Liebesgeschichte. Warum bekomm ich das also nicht in Worte gefaßt?

Inzwischen habe ich meine Logline allerdings, aber es war ein harter Kampf und für mein nächstes Buch werde ich diesen Satz versuchen ganz am Anfang zu schreiben, als Erstes sozusagen 😉

Habt Ihr Erfahrungen mit Loglines?

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5 Antworten zu “Thema: Logline

  1. Diese Evolution fand ich aufschlussreich und auch erheiternd – war spannend zu sehen, wie sich Adjektive verändern und andere Plotpoints an Wichtigkeit gewinnen.

    Für mein erstes Buch hab ich 12 Fassungen in 3 Tagen gebraucht, um ein Ergebnis zu bekommen, mit dem ich leben kann (von zufrieden bin ich noch weit weg). Mein größtest Problem war der Antagonist, weil es bei mir mehrere sind. Das Wer, Was und Wo waren leichter unterzubringen.
    Fürs aktuelle arbeite ich noch immer an der Logline (die bei mir, nach Holly Lisle, einfach DER Satz heißt) und komme auf keinen grünen Zweig, weil sich das Was ständig verändert. Wobei das Problem weniger an der Logline und mehr am Inhalt des Buches liegen könnte *seufz*

    Ich finde die Ein-Satz-Zusammenfassungen der Kernaussage sehr hilfreich VOR dem Schreiben, weil das mein roter Faden ist, und mache sie in Zukunft gleich nach dem groben Plotten.

    • Gleich nach dem groben Plotten? Ich mache sie in Zukunft ehe ich auch nur einen weiteren Gedanken ans Schreiben verschwende!
      Einer von diesen Ratgeberautoren schrieb ganz eindeutig: Wenn Du den Kernpunkt Deiner Geschichte nicht in einem Satz zusammenfassen kannst, hast Du ihn selber nicht verstanden.
      Das hat mich ein wenig schockiert!

  2. Egal welchen Post ich zu deinem Autoren-Dasein lese, am Ende denke ich immer „Das Autoren-Dasein ist eindeutig zu kompliziert.“

  3. Pingback: NaNoWriMo 2015 oder wie ich plotte | dreamertalks

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