Wann ist zuviel?

Angeregt von diesem Beitrag im Schreibnacht-Magazin habe ich angefangen mir Gedanken über das Quälen von Charakteren zu machen.
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Die Frage ist jetzt: Wann ist genug eigentlich zuviel?

Als Beispiel:

Ich habe meine Hauptcharas auf einer unwirtlichen Welt abstürzen lassen.
Die Charas können sich außerdem noch überhaupt nicht ausstehen.
Einer von ihnen wird beim Absturz schwer verletzt.
Es gibt nur Lebensmittel und Schutz für einen von ihnen.
In der Luft liegt dazu noch ein Hallogen, was dazu führt, dass einer den anderen umbringen möchte (Wahnvorstellungen).
Wann und ob Hilfe kommt, ist unklar.

Ist das alles genug?
Ich meine, ob ein Leser das überhaupt lesen möchte, steht jetzt nicht zur Debatte, aber ab wann denkt ein potentieller Leser „Meine Herren, jetzt hat sie aber zuviel aufs Tablett gepackt“?

Ich weiß, ich habe einmal ein Buch gelesen, in dem es um eine Familiengeschichte ging. Ich glaube, es war einer dieser Elisabeth George Krimis, wo es immer über Religion oder Vorurteile oder sonstwas zu Mord und Totschlag kam. Damals fand ich die Bücher spitzenmäßig, dann kam längere Zeit kein Neues raus (oder ich habe es nicht mitbekommen) und als ich schließlich wieder einen las, war ich schon nach wenigen Kapiteln komplett genervt, weil das Opfer natürlich vorher vergewaltigt worden war, es sowieso schon unter Drogen gesetzt und von religiösen Eiferen aufgezogen wurde, ehe es dann auf den einzig guten Menschen der Geschichte traf, der dann natürlich ein psychopatischer Serienmörder war. Ich weiß nicht mal mehr, wie die Geschichte ausging. Sie hat mich aufgrund des „zuviel“ einfach nur genervt.

Wobei ich wieder bei der Fragestellung bin: Ab wann ist es zuviel?

Wenn es langweilig wird? Vorhersehbar?

Wenn die Lösung der Probleme so unrealistisch wird, dass mir als Leser nichts mehr dazu einfällt?

Oder wenn eine bestimmte Seitenzahl erreicht wird?
Es könnte doch sein, dass man einen herkömmlichen Krimi mit ca. 300 Seiten schreiben will. Die ersten zehn Seiten beschreiben die Tat oder das Opfer (je nachdem, ob man Colombo schreibt), dann taucht der heldenhafte Polizist auf (20 Seiten?) und dann? 200 Seiten Drama und Qual, um die letzten 70 Seiten für die Auflösung zu verwenden?

Ich finde, die Frage ist sehr schwer zu beantworten. Es gibt Bücher von Autoren, die kommen komplett ohne Qual und Drama aus und diese Autoren liiiiiiiiebe ich (Ihr dürft gerne bei Luane Rice oder Kristin Hannah nachsehen), und es gibt Autoren, da wimmelt es von harten Kerlen und fast noch härteren Frauen. Die Autoren schrecken nicht mal vor Amputationen mittels der Nagelschere zurück, und auch diese Bücher und Autoren liebe ich. Es kommt da immer darauf an, wie ich zu dem Zeitpunkt gerade drauf bin.
Wie soll man also als Autor entscheiden, wann genug gequält worden ist?

Habt Ihr eine Idee?
Wie geht Ihr vor?

Ich wünsche Euch einen schönen Sonntag!

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3 Antworten zu “Wann ist zuviel?

  1. Meine Faustregel beim Schreiben ist, ich stürze die Charactere anfangs in eine tiefe Krise, gebe ihnen ein Problem, an dem sie sich die Zähne ausbeißen, lege ihnen so viele Steine in den Weg, wie mir einfallen, und dann, gegen Ende hin, mach ich es schlimmer *insert sadistical grin*

    Beim Lesen kommt es aufs Buch drauf an, ob es mir zu wenige Komplikationen sind oder ob ich des Dramas überdrüssig bin (was dann meistens Melodrama ist). Bei manchen Autoren nehme ich ohne Weiteres eine Anhäufung von Problemen hin, ohne es als unglaubwürdig abzutun, bei anderen sind schon 2 Zufälle zu viel. Kommt total auf Stil, Plot, Aufbau und die Charaktere an.

    Generell bevorzuge ich Bücher mit massig Komplikationen. Im Gegensatz zum echten Leben will ich mich durch Schwierigkeiten durchkämpfen und mit den Charakteren mitfiebern und mitleiden. Sozusagen Überlebenstraining im Kopf.
    Was mich zu dir bringt: Kann ich dein Buch lesen? Bitte? Jetzt gleich? Schreib mir so eine Auflistung von all dem, was schief geht, auf den Klappentext, und ich kauf das Ding sofort. Hört sich spannend an. Wobei ich da leicht zu haben bin: Du hattest mich bei „Absturz auf einer unwirtlichen Welt“ 😀

    • ;-D
      Ja, es gibt so Schlagworte, da würde ich einen Klappentext auch nicht weiterlesen!
      Aber würdest Du wirklich ein Buch kaufen und lesen wollen, auf dem auf dem Klappentext schon alles verraten wird? Ich bezweifel das doch sehr…
      Wir scheinen was das „zuviel“ oder zu „melodramatisch“ angeht, gleich zu denken. Die Erkenntnis macht es einen als Autor nicht leichter oder?
      Schließlich kann man ja nie wissen, wie der zukünftige, potentielle Leser gerade drauf ist und ab wann man selbst ins Melodrama abweicht

  2. Pingback: Plotwendungen – Wann ist viel zu viel? | Marmor und Ton – Autoren schreiben mit MUT

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