Übers „Editieren“, Novellängen und Schreibblockaden

Nachdem jetzt fast zwei Wochen ins Land gegangen sind, dachte ich, ich schulde Euch mal einen kleinen Bericht über meine Editierversuche.

Um es kurz und in Englisch zu sagen: IT SUCKS!

Entschuldigt den harten Ton, aber was soll ich die Sache beschönigen?
Ich habe optimistisch angefangen, bin eigentlich auch immer noch motiviert, aber gefallen tut es mir nicht.
Zuerst einmal habe ich mir den 10 Punkte Überarbeitungstext von Andreas Eschbach genommen (hier zu finden). Ich mag den Autoren, habe schon einige Bücher von ihm gelesen und konnte zu dem Zeitpunkt nichts Schlechtes darin finden, insofern dachte ich mir, der Mann wird schon wissen, wovon er spricht.
Weiß er vielleicht auch.
Es hilft mir nur nichts, weil ich mit seiner Methode nicht klar komme 😦
Ich habe mir das erste Kapitel der Geschichte ausgedruckt und mich dann hingesetzt und die Wellenlinien, Kästchen und Kreuze gemacht, die er empfiehlt, ich habe dicke Ausrufungszeichen für besonders gute Passagen gemacht und kleine weinende Smileys für weniger gelungene (und nein, die Smileys waren am Ende des Kapitels nicht in der Überzahl!).
Als ich aber versucht habe all die Veränderungen vom Papier in den PC zu übertragen, fand ich alles nur blöd und korrigierte die Korrektur erneut. Mit dem Ergebnis das ich jetzt drei verschiedene Versionen habe, von denen mir nur die allererste, uneditierte gefällt 😦

Aber nicht jede Methode muss für jeden passen. Also stürz ich mich morgen ganz normal an die Arbeit.

Eine Seite, der ich bei Facebook folge, ist die Writers write Seite und dort werden regelmäßig neben lustigen Sprüchen und den Geburtstagen von meistens komplett unbekannten Autoren auch interessante Dinge geteilt, u.a. gab es letztens den Artikel: „How long should your Novel be“ (Wie lang darf Dein Buch sein).
Da ich mich vor dem Editieren drücken wollte und mich diese Frage auch schon eine Weile beschäftigt, habe ich mich natürlich auf den Artikel gestürzt, um dann ein wenig frustriert zurückzuzucken!
Im Artikel wird ein Unterschied zwischen schon bekannten Autoren und einem Neuling gemacht, den ich zwar verstehen kann, den ich aber trotzdem frustrierend finde. Aber der Hauptpunkt, der mich gestört hat, war die Wortzahl. Die Autorin des Artikels sagt zwar, dass alles nur relativ zu betrachten sei, dennoch sind die Zahlen erschreckend:

  • Belletristik: 80 – 90k;
  • Liebesgeschichten: 55 – 75k
  • Sci-Fi und Fantasy: 100k
  • Young Adult: 55 – 80k (in Ausnahmefällen 100k)
  • Memoiren: 70 – 80k

Die meisten meiner Geschichten sind Liebesgeschichten und sie haben um die 120k. Im Artikel wird davon geschrieben, dass es guten Lektoren möglich ist, 30k aus jeder Geschichte herauszuschreiben ohne in Schweiß auszubrechen. Mit anderen Worten, jemand, der sein Handwerk versteht, kann aus meinen 120k bestimmt locker 80k machen, was immer noch zu viel wäre für einen Erstling-Liebesroman!
Meine Fantasygeschichte hatte 350k. Der Lektor, der sich dieses Monsters annimmt, ist vermutlich noch nicht mal geboren (und liest diesen Artikel hoffentlich nie!)

Fazit: Ich schreibe zu lang. Ich schwafel.

Aber… der Hauptpunkt, der mich an anderen Büchern ganz oft stört, ist, dass der Autor bestimmte Sachen nicht ausführlich genug beschrieben hat. Ich weiß jetzt gerade kein gutes Beispiel aus dem Buchbereich dafür, aber wenn ich es mal großzügig in den TV Serien Bereich ziehen darf: Da gibt es eine Serie, die ich sehr gerne mag. Ich habe Spaß sie zu gucken und ich ertrage mittlerweile sogar die deutsche Synchro. Aber jedesmal, wenn der Abspann läuft, denke ich mir, das hätten sie länger machen müssen. In der Folge fehlt noch das und das, zwischenmenschlich oder handlungsmäßig. Es stört mich regelrecht, weil ich manchmal das Gefühl habe, nur einen Klappentext zu lesen anstatt ein richtiges Buch (oder in der Serie: Nur den Trailer zu sehen, anstatt die volle Episode).
Vielleicht liegt das dann gar nicht am jeweiligen Autoren, sondern an so einer blöden Vorgabe?
Andererseits… wenn ich einen Autoren noch nicht kenne, zögere ich auch, nur wegen eines guten Klappentextes, mir ein 500 Seiten Buch zu kaufen. Himmel, ich mag „Game of Thrones“, aber wenn ich mir die dicken Bücher ansehe, die ich lesen müßte, zucke ich entsetzt zurück. Versteht mich nicht falsch! Ich gehöre zu den Leuten, die „Die Nebel von Avalon“ ungefähr fünfmal hintereinander gelesen haben. Ich habe mich vor 20 Jahren sogar durch die erste Fassung vom „Herr der Ringe“ gequält. Mich stören also nicht die dicken Bücher ansich, sondern im Moment habe ich für so etwas keine Zeit und da verzichte ich gerne auf die Bücher, wenn ich es im TV einfach präsentiert bekomme.
Ich glaube „einfach präsentiert bekommen“ ist hier das Schlagwort. Ich würde jederzeit ein dickes Buch lesen, von einem unbekannten Autoren, in einer Sprache, die ich gerade mal rudimentär beherrsche, wenn mich der Klappentext anspricht! (Und ja, genau das habe ich mehrfach getan, als ich anfing Bücher im Original zu lesen, weil mein Schulenglisch allenfalls als Witz bezeichnet werden konnte!)
Was soll ich also zu solchen Längen sagen? Absolut unglaubwürdig? Oder ein verlagsaufgedrückter Krampf?
Auf jeden Fall macht das Ziel des NaNoWriMos plötzlich erschreckend viel Sinn. Eine Novelle in einem Monat? Bisher klang das für mich immer unglaubwürdig und ich habe stark bezweifelt, dass es wirklich jemanden gibt, der das schafft. Mit einem Young Adult oder herkömmlichen Liebesroman ist das, laut diesen Zahlen, durchaus machbar. Erschreckend irgendwie…

Der dritte Punkt für diesen Eintrag: Schreibblockaden.
Ich glaube, ich habe das ultimative Mittel dagegen gefunden 😉
Kennt Ihr das? Wenn Ihr Euch mit jemanden über irgendetwas unterhaltet und mitten in der Unterhaltung fehlt Euch etwas, ein Wort, ein Begriff, ein Name, was auch immer. Ihr überlegt krampfhaft, werdet komplett ungehalten und seid von Euch selbst genervt, und dann abends, wenn das Gespräch schon lange vorbei ist und Ihr Euch gerade auf die Couch packt, um die Nachrichten zu sehen, macht es plötzlich „Klick“ und Ihr wisst wieder genau, was Ihr meintet.
Ihr mußtet nur mal nicht daran denken und schon ist es da.
Ich glaube, wenn man es schafft nicht an seine Blockade zu denken, sondern sich mit etwas anderem zu beschäftigen, würde es genauso gehen.
Woher ich das weiß?
Weil ich es gerade am eigenen Leib ausprobiert habe!
Ich wollte editieren. Ich habe mich nur mit dem jeweiligen Storyteil beschäftigt und mir ganz konsequent jeden Gedanken an einen evtl. weiteren Teil verboten. VERBOTEN!
Und was macht mein unverschämtes Unterbewußtsein? Präsentiert mir im Traum den Ansatz einer Idee, eigentlich nur ein Gefühl. Ich wachte damit auf und war im ersten Moment noch so im Traum gefangen, dass ich nicht mal realisiert habe, was passiert war. Dann jedoch fing ich an die Idee im Ansatz durchzuspielen. Nur mal so, beim Zähneputzen, Ihr versteht? Und während ich mit den Hunden unterwegs war, fiel mir auf, dass die Idee nicht geht. Sie paßt nicht zu den anderen fünf Geschichten. Beim Kartoffelschälen und mitten im Gespräch über agyptische Gottheiten (Klausurersatzleistung meines Sohnes), machte es mal wieder „Klick“ und ich wußte, wie ich die komplett nicht passende Idee perfekt in meinen Geschichtenzyklus einbauen konnte. (Interessanter Weise schreibe ich immer noch Sci-Fi und es wird definitiv keine ägyptische Gottheit in der Geschichte auftauchen. Mein Gehirn geht einfach verschlungene Wege)

Dabei wollte ich doch eigentlich keine weitere Geschichte in dem Bereich schreiben!!!

Ich geh davon aus, dass ich, sobald ich versuche, sie zu schreiben, eine Blockkade bekomme *kopfschüttel*
Und das nur, weil mein Unterbewußtsein mich ärgern will. Aber zum Glück weiß ich jetzt, was ich dann tun muß *lol*

Ich wünsch Euch ein schönes Wochenende!

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4 Antworten zu “Übers „Editieren“, Novellängen und Schreibblockaden

  1. Ich finde es ja immer wieder faszinierend, dass die „Ratschlagsliteratur“ reinziehst. Ich bin da unglaublich engstirnig und vielleicht auch ignorant, aber ich denke mir immer, dass Ratschläge nett sind, aber die Leute, die sowas schreiben mich einfach nicht kennen. Wenn ich dann mal einen Ratschlag lese, stelle ich immer fest, dass ich damit nichts anfangen kann. ABER da ich niemals was veröffentlichen werde, kann ich mich auch an meine eigenen Methoden halten. *gg*

    Und höre mir auch mit Storyideen. Ich hatte mir fest vorgenommen, mich nur auf die eine zu konzentrieren, um endlich mal ein komplettes Buch aufs Papier zu bringen, aber nein gestern Abend hatte ich das unignorierbare Bedürfnis eine Kurzgeschichte in Deutsch anzufangen. *argh*

    • Ich lese eigentlich gar nicht so viele Schreibratgeber, aber die, die ich lese, fordern solche Einträge hier geradezu heraus 😉
      Immerhin „Kurzgeschichte“ klingt doch so, als könntest Du es mal schnell aufschreiben un Dich dann wieder dem eigentlichen Projekt widmen *lol* (Ich weiß, aus solchen Kurzgeschichten können wahre Monster werden)

  2. Ich erkenn mich da drin wieder, und zwar voll und ganz. Ich schwafel gerne und ausführlich, ich hasse es, wenn in Büchern wichtige Entwicklungen abgekürzt und nicht beschrieben werden, und ich kriege immer dann Ideen für Projekt A, wenn ich mich für Projekt B entschieden habe.
    Ob sich unsere Musen kennen? 😉

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