Editieren

stephen king

Mein erster Beitrag zu diesem fiesen Thema.

Es ist doch so: Jeder weiß, dass es eine sogenannte erste Fassung von Geschichten gibt. Jeder weiß auch, dass ein guter Autor aus dieser ersten Fassung, dem Rohling, durch viel Arbeit und noch viel mehr Mühe einen kleinen Diamanten machen kann.
Wir alle sind auch Leser und als solche sitzen wir wahrscheinlich oft genug da und fragen uns „Wie hat dieses Buch es nur geschafft verlegt zu werden? So viele Fehler, so eine schlechte Schreibweise, habe ich noch nie in einem Buch gesehen!“
Soetwas ärgert uns (mich jedenfalls) und wir bedauern jeden Cent, den wir für das Buch ausgegeben haben. Diese viele Arbeit mit dem Rohling erscheint uns also nur zu logisch und im Endeffekt auch vielversprechend…

… aber warum gibt es dann kaum brauchbare Tipps zu dem Thema auf Deutsch???

Benötgen wir Deutschen keine Hilfe oder bin ich einfach zu anglophil, dass ich nur noch solche Seiten von google etc angezeigt bekomme?

Wie auch immer.
Ich habe es in den letzten Jahren geschafft, einige kleine Tipps bzgl. Editieren zusammen zu sammeln.
Da ich nicht weiß, ob jemand bessere oder andere Ratschläge hat, dachte ich mir, ich poste sie einmal hier, schließlich ist das ja ein Schreibblog 😉

Die 13. goldenen Regeln zum Überarbeiten eines Romans:

  1. Der erste Entwurf.
    Ganz ehrlich, wie will man einen Romanentwurf überarbeiten, wenn man noch nicht mal mit dem Schreiben angefangen hat?
  2. Rechtschreibung / Grammatik prüfen
    Selbst bei Sätzen / Worten, von denen wir sicher sind, dass sie richtig sind, kann es zu Fehlern kommen. Oftmals vergißt man im Schreibrausch auch Wörter und merkt es gar nicht
  3. Passivsätze entfernen
    Das betrifft so Dinge wie: Die Tür wurde eingetreten –> Die Polizei trat die Tür ein.
    Allein mit so einer kleinen Änderung kommt viel mehr Leben in die Handlung
  4. Adverben / Adjektive entfernen
    Der Punkt, der mir am meisten Sorgen bereitet. Es hat mich wahnsinnig gemacht, Harry Potter im Original zu lesen und jedesmal wieder über „said Hermione, said Harry, said Ron“ zu stolpern. Ich bin diejenige Leserin, die eindeutig ein „flüsterte, rief, schmeichelte“ lesen möchte anstatt immer wieder „sagte, sagte, sagte“. Aber gleichzeitig kann ich auch versehen, dass Sätze wie „Er ging langsam aus dem Haus“ nicht so gut klingen wie „Er schlich sich aus dem Haus“.
    Das wird für mich also schwieriger!
  5. Dialoge
    Ein weiterer Punkt, der zu Nr. 4 passt, sind Dialoge. Manche Dinge erkennt der Leser aus dem Zusammenhang.
    Beispiel:
    „Wie ist das Wetter?“ fragte Anton neugierig.
    Ist Anton allein im Raum könnte man ein „sich“ hinzufügen, ist er zu zweit und es ist klar, dass der andere nicht gesprochen hat, kann man „fragte Anton“ auch weglassen.
    Weglassen auf jeden Fall: Neugierig. Es ist schließlich eine Frage!
  6. Metaphern ausmerzen
    Metaphern sind schön. Jeder mag sie. Sie sind sozusagen das „Salz in der Suppe“. Aber ebenso wie die Suppe nur ein wenig Salz verträgt, sollte die Geschichte nicht mit zu vielen Metaphern gespickt sein. Such die schönste raus, vernichte den Rest.
  7. Unnötiges entfernen
    Wenn jemand eine Tür öffnen möchte, muss nicht unbedingt erwähnt werden, dass er dazu die Hand hebt und die Tür damit öffnet. Es reicht zu schreiben: Er öffnete die Tür.
  8. Blödsinn streichen
    Seine Augen folgten ihr. (Äh, wie denn? Laufen sie hinterher? Auf nicht vorhandenen Beinen?)
    Besser: Sein Blick folgte ihr.
  9. Logikfehler suchen
    Der Punkt leuchtet ein.
  10. Wiederholungen suchen und vernichten
    Nichts nervt so sehr wie die andauernde Erklärung, dass XY auf bestimmte Weise passiert ist. Der Leser hat dies beim ersten Mal vielleicht nicht gewußt, aber spätestens ab dem dritten Mal hat es ihn auch nicht mehr interessiert 😉
  11. Unwichtige Szenen streichen
    So sehr man als Autor auch jedes selbstgeschriebene Wort liebt, manche Szenen sind einfach nicht für das Buch geeignet.
  12. Szenen hinzufügen
    Manchmal fehlt etwas, das einem im ersten Schreibdurchgang gar nicht aufgefallen ist. In der Bearbeitung ist der optimale Zeitpunkt genau diese Szene einzufügen – und nach ein paar Wochen Wartezeit wieder zu überarbeiten
  13. Laut lesen
    Sich selbst etwas vorlesen, wenn kein anderer im Raum ist, fühlt sich merkwürdig an. Aber selbst dann spürt man, wenn ein Satz nicht richtig klingt und verbessert werden muss. Einfach ausprobieren!

Ehrlich gesagt, an der Wand neben meinem Schreibtisch hängt nur eine 8 Punkte Liste zu diesem Thema, aber allein beim Suchen nach besseren Umschreibungen oder einer schlauen Vorgehensweise beim Editieren, bin ich auf zwei weitere Seiten (natürlich auf Englisch) gestossen und dadurch hat sich meine Liste jetzt etwas verlängert.
Stephen King schreibt in seinem Ratgeber noch, dass der erste Entwurf minus 10% den zweiten Entwurf ergeben sollte.
Ich habe noch nie probiert nach diesen Regeln zu editieren (bisher habe ich immer nur über meine Geschichten gelesen, Dinge gestrichen, hinzugefügt, gehofft, dass die Rechtschreibung nicht allzu schlimm ist und die Geschichten dann an sogenannte Beta-Reader weitergereicht), aber ich bezweifel doch sehr, dass ich diese „minus 10%“ Sache hinbekommen werde. Ich bin aber gespannt – und berichte schonungslos 😉

 

Und falls Ihr neugierig auf diese anderen beiden Seiten seid, die ich gefunden habe:

No Write or Wrong

Six Easy Tips for Self-Editing Your Fiction

 

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