Schneeflocken-Methode, 2. Teil

Ich bin zum ersten Mal seit einer Woche auf ein ernsteres Problem mit dieser Methode gestossen.

Ich möchte mal sagen, dass das schon was heißen will, weil ich normalerweise immer am Anfang von etwas begeistert bin, dann aber recht schnell auf Probleme und Ungereimtheiten stoße und so den meisten Methoden schon nach ein paar Tagen den Laufpaß gebe. Insofern ist eine Woche schon eine verdammt lange Zeit!

Dazu kommt, dass dieses Problem auch kein richtiges Problem der Methode, sondern eher ein Problem von mir ist. Sozusagen ein kleines „You can’t have a cake and eat it“ Problem.

Passiert ist folgendes:

Ich habe mich bis zu Schritt 6 der Methode vorgekämpft. Bisher habe ich eine Ein-Satz-Zusammenfassung für die Geschichte geschrieben (den ich toll fand), dann daraus 5 Sätze gemacht (die auch noch sehr gut waren), daraus folgten fünf Absätze (die schon etwas kniffliger wurden) und dazu noch eine Menge an Charakterbeschreibungen. Gerade die Charakterbeschreibungen gefielen mir sehr gut, weil ich plötzlich ein paar Sachen bei meinen Nebencharakteren festgestellt habe, die ich vorher nicht bemerkt habe. Sehr nützlich also.
Und nun soll ich aus den fünf Absätzen der Geschichtenzusammenfassung vier Seiten machen, also noch ausführlicher werden.

Mein erster Gedanke gestern war: „Das hab ich doch alles schon erzählt!“

Und dann, nach einer kleinen Pause: „Wenn ich nochmehr erzähle, brauch ich die Geschichte ja gar nicht mehr zu schreiben!“

Woraufhin ich mich erst mal erschrocken von meinem PC entfernt habe. Ist meine Geschichte wirklich so inhaltsarm, dass sie auf vier Seiten beendet sein kann??? Und wenn ja, was mach ich dann den Rest des Novembers?

Ihr versteht, warum mich das aufgeregt hat, ja?

Heute Nacht habe ich dann überlegt, ob ich diese Methode komplett einstaube und ignoriere. Im Englischen heißt es „Ignorance is a bliss“ und so ein klein wenig stimmt das.
Dann aber  erinnerte ich mich daran, warum ich diese Methode überhaupt ausprobieren wollte. Mir lag es nämlich daran, dass ich für diesen November einen möglichst genauen Streckenfahrplan der Geschichte habe. Ich wußte in den letzten Jahren immer, was ich schreiben wollte, auch hatte ich schon einige Szenen im Kopf, aber meistens ergab sich alles erst beim Schreiben. Das hat wiederum immer dazu geführt, dass ich die 50k im November erreicht habe und dann erstmal die Luft raus war. Den Rest des Jahres habe ich mich dann immer von Szene zu Szene gequält und meistens schon gegen Ende der Geschichte die ersten Randbemerkung im Stil von „muß beim Editieren geändert werden“, „muß ich nochmal nachschlagen“ oder „wer zum Teufel soll das sein???“ hinterlassen.
Das wollte ich dieses Jahr definitiv nicht!
Also mußte ein Szenenfahrplan her und ein möglichst genauer, der aber gleichzeitig Raum für spontane Einfälle läßt. Vor Jahren habe ich mir für genau diese Art des Schreibens das Scrivener Programm besorgt. Es ist ideal dafür, dass man erst Szenen anlegt, diese vielleicht auch schreibt, dann Szenen dazwischen schiebt oder Szenen vom Ende nach vorne und umgekehrt bastelt. Dafür wäre mir das normale Word viel zu chaotisch.
Ich wollte also einen genauen Plan haben und sitze jetzt seit gestern vor meinem PC und schwanke zwischen „Ich trau mich nicht alles aufzuschreiben“ und „Oh, Gott, was soll ich alles aufschreiben?“. Aber ohne dieses genaue Aufschreiben kann ich keine Szenenreihenfolge erstellen!

Ihr versteht jetzt mein Problem, oder?

Ich habe noch knapp fünf Tage Urlaub und ich hoffe, dass ich am Ende dieser Tage eine zufriedenstellende Lösung gefunden habe.
Schreiben war wirklich viel einfacher als man es noch einfach nur getan hat und weder auf Wörter noch auf Challenges noch auf das Beenden der Geschichte geachtet hat. Ich sage Euch, ich habe hier drei dicke Leitz-Ordner, die voll sind mit Geschichtenanfängen, -mitten und manchmal sogar nur die Enden (und alles stammte noch aus der Zeit, wo ich lediglich eine Schreibmaschine hatte und keinen PC). Da ist viel Müll bei, aber auch sehr viele gute Ideen.
Okay, sie sind alle unbeendet oder nicht mal richtig angefangen. Vielleicht war Schreiben ohne Methode wirklich einfacher, aber sicherlich nicht erfolgreicher *seufz*

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Eine Antwort zu “Schneeflocken-Methode, 2. Teil

  1. Ich kann nachvollziehen was du meinst. Auch ich hatte mal eine Phase in der ich dachte, das diese oder jene Methode die richtige sein MUSS um ein Buch zu schreiben. Aber es war ein Krampf damit, zumindest für mich und so ignorierte ich irgendwann sämtliche „Schreib-Methoden“ und schrieb einfach drauf los. Ohne Vorgabe, ohne „ich muss jetzt Schritt 5 beachten“ und siehe da: es fällt mir so viel leichter, ich fühle mich freier in dem was ich tue und es macht mir viel mehr Spaß 🙂 Von daher mach dir keinen Stress! Nicht jedem liegt jede Methode und manchmal muss ein wenig Zeit vergehen, um SEINE Methode zu finden. Viel Glück 🙂

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