Erkenntnisse eines Dummkopfs

Ach, was könnte das jetzt für ein schöner Titel für einen Roman werden, den Kinder noch in Jahrzehnten im Deutschunterricht lesen müssen! Hat doch ein bischen was von Thomas Mann oder Frank Wedekind, oder?

Aber nein, es ist kein Titel für ein sterbenslangweiligs Werk eines schon längst verstorbenen „anerkannten“ Autoren, sondern die mühsame Erkenntnis der Blogbetreiberin, nämlich mir *seufz*

Allen Ernstes: Ich bin ein Dummkopf!

 

So, und jetzt zur Erklärung:

Ich versuche dieses Jahr mein NaNo Werk auf andere Weise als sonst vorzubereiten.

Vorgehen sonst: Ich überlege mir eine Geschichte und beschließe ins Kino zu gehen, um diese Vorfreude auf das Schreiben nicht durch unnötiges Grübeln kaputt zu machen. Am 31.10. sitz ich dann abends bewaffnet mit allen möglichen wichtigen Dingen vor meinem PC und genieße die letzten Stunden / Minuten, die das NaNo Forum noch nicht zusammengebrochen ist. Dann schreib ich. Planlos, voller Motivation, mit ganz viel Überraschung, welche Charas mich durch den Monat begleiten werden und natürlich beende ich die Geschichte nicht im NaNo – obwohl ich fast jedes Mal als Gewinner hervorgehe.

Vorgehen dieses Jahr: Die Schneeflockenmethode (ich habe bereits davon erzählt).
Ich muß sagen, ich war komplett begeistert – für vier Tage! Es machte Spaß sich auf diese Art mit seiner Geschichte auseinander zu setzen und ich merkte, dass gerade meine Bösewichte (mit denen ich sonst immer Schwierigkeiten hatte) plötzlich farbig und lebendiger wurden. So gefiel mir meine Vorarbeit!
Allerdings hatte ich auch erst 3 von 10 Schritten erledigt und prompt stieß ich gestern auf etwas, das mich fragend die Stirn runzeln ließ. Irgendwie paßte das, was ich bisher erarbeitet hatte, nicht mehr zu den Fragestellungen der einzelnen Punkte. Ich mußte etwas falsch gemacht haben, aber was?
Kurz entschlossen postete ich im NaNo Forum und erhielt prompt Antwort.
Die Antwort hat dafür gesorgt, dass ich als Erstes entsetzt war, ungläubig und ein bischen „Was weiß der Antwortende da schon?“ war auch mit im Spiel. Komplette, totale Ablehnung. Ich beschloss eine Runde planlos zu surfen und mich dann dem Thema wieder zuzuwenden. Nach dem Surfen ging ich mit den Hunden, genoß ein Abendbrot und hockte mich auf die Couch zum TV gucken. Ende von jeglicher bewußter Arbeit mit der Schneeflocke, der Antwort und meiner Geschichte – dachte ich.
Heute Nacht jedoch hatte ich keinen ruhigen Schlaf. Es war ganz eigenartig. Ich lag im Bett, habe definitiv geschlafen und wachte plötzlich davon auf, dass ich mich fragte, wo mein Fehler denn nun sonst liegt. Weiter geschlafen. Wieder aufgewacht und nochmal an die Antwort gedacht. Geschlafen. Versucht das Problem mit meinem Buch auf andere Bücher zu übertragen. Geschlafen. Festgestellt, dass mein Problem nicht mit meinem Buch zusammenhängt, sondern mit mir. Entsetzt weitergeschlafen.

Heute morgen konnte ich dann an nichts anderes denken und jetzt habe ich auf einmal das Gefühl, etwas ganz wesentliches erkannt zu haben. Etwas, was mir vorher noch nie so klar aufgefallen ist! Ich habe offenbar mitten in der Nacht angefangen jede einzelne Geschichte, die ich jemals geschrieben habe, zu analysieren. Okay, vielleicht nicht jede, aber die Meilensteine. Jeder Autor hat Meilensteine, oder?
Und dabei mir fiel mir etwas ganz wichtiges auf: Ich habe nie gewußt, in welchem Genre ich mich bewege!

Meine ersten richtigen Geschichten (wenn ich mal von Micky Mouse und den Buch Nacherzählungen absehe) waren Fanfictions, wie man sie heute nennen würde. Ich schrieb Geschichten zu Robin Hood, Kampfstern Galactica, Raumschiff Enterprise, Superman etc.
Wenn man mich damals gefragt hätte, hätte ich gesagt, es sind Geschichten nach dem Fernsehen. Vielleicht hätte ich auch gesagt, es sind historische Romane (Robin Hood) oder Science Fiction (der ganze Rest).
Mein erstes richtiges Buch *hust* war dann ein Fantasyroman. Es gab Drachen und Monster, es gab Thronbesteigungen und Gesichter in Flammen.
Danach landete ich wieder bei den Fanfictions, nämlich Buffy, Battlestar Galactica, Superman, Supernatural etc.
Aber ich begann mich von der reinen Fernsehserie wegzuentwickeln und schrieb immer mehr sog. AU’s. Was blieb, waren nur noch die Namen und die Beziehungen der Charas.
Nebenbei arbeitete ich an meiner Fünfer-Reihe, die Bestandteil mehrere NaNos werden sollte. Ich nannte dies immer Sci-Fi, wenn mich jemand fragte und war ganz zufrieden damit.

Und heute Nacht fiel mir plötzlich auf, dass ich all die Jahre falsch lag. Ich habe keine historischen Romane geschrieben, keine Fantasy, keine Sci-Fi – Ich habe Liebesromane geschrieben, denn in jeder dieser Geschichten war die Beziehung der Charas der Hauptbestandteil der Geschichte. Es war egal, ob meine Heldin einen Drachen bändigte oder ob Buffy die Welt rettete, egal, ob Völker im Krieg lagen oder Geheimnisse bewahrt werden mußten. Der wichtigste Bestandteil einer jeder meiner Geschichten war die Liebesbeziehungen der Hauptdarsteller untereinander!

Ich bin eine Liebesromanautorin!

Ganz ehrlich, dass ist mir vorher so noch nie aufgefallen!

Ich weiß nicht mal, warum nicht. Ich liebe es diese Bücher zu lesen und ich bin eigentlich nur deshalb auf Gay-Romance aufmerksam geworden, weil die auch mal eine andere Variante der Liebesgeschichten beinhalten.
Trotzdem habe ich mir nie darüber Gedanken gemacht, dass ich sowas evtl. mal schreiben könnte. Liebesromane klingt so… billig? einfach? dümmlich?
Ich meine, wenn man sagt, man schreibt einen Krimi, wird man fasziniert angesehen. Sagt man, man arbeitet an einem Fantasy-Roman, kommt die Frage, ob man sich an Tolkien orientiert. Erklärt man aber, man schreibt Liebesromane, erlischt das Interesse des Fragenden ganz schnell.
Dabei machen die Liebesromane keinen geringen Marktanteil aus, im Gegenteil. 50% aller im Gesamtmarkt verkauften Paperbacks sind Liebesromane, wenn man dazu noch die wachsende Zahl der Gebrauchtbücher oder Hardcover Romane zählt (von den ebooks ganz zu schweigen), erhöht sich dieser Marktanteil drastisch.
Dagegen schießen jetzt in den letzten Jahren die Herr der Ringe Nachfolger aus dem Boden, aber selbst da heißt es, dass es für jede gute Fantasy Buch Neuerscheinung fünf bessere Liebesroman-Neuerscheinungen gibt.

Ich sollte also definitiv stolz darauf sein, dass ich mich versuche in dem Markt zu etablieren. (Auch wenn meine NaNo Projekte niemals den Weg in die Öffentlichkeit finden werden, alle anderen meiner Bücher will ich immer noch irgendwann veröffentlichen)

Und diese Entdeckung, so einfach und dumm sie auch sein möge, habe ich dieser Schneeflockenmethode zu verdanken und der darin enthaltenen Aufgabe mein Buch in einem einzigen Satz zu beschreiben. Da ich zwei Hauptcharas habe, nämlich mein Liebespaar, habe ich bis gestern immer zwei Sätze gehabt, einen für jeden von ihnen, um dann zu hören, dass ich nur einen haben sollte, was mich natürlich vor ein Problem gestellt hat. Beide Charas haben unterschiedliche Wege und Beweggründe in der Handlung, ihre Liebesgeschichte ist „nur“ der Kitt, der alles zusammen hält. Lustigerweise ist dieser „Kitt“ aber doch das Wichtigste im Buch.

Ich bin eine Liebesromanautorin.

Wer hätte das gedacht?

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4 Antworten zu “Erkenntnisse eines Dummkopfs

  1. Hey 🙂
    Erkenntnisse sind toll, wirklich. Vor allem, wenn sie einen weiterbringen. Ich habe die Schneeflockenmethode einmal ausprobiert und sie hat (zumindest zu dem Zeitpunkt) nicht zu mir gepasst, weil sie mich zu sehr eingeengt hat. Aber dir hat sie geholfen, und das freut mich 🙂

    Ich habe mal eine kurze Frage: Was meinst du mit AU’s?

    Und Liebesromane zu schreiben, finde ich keines Falls schlimm. Bei mir ist es ja auch so, dass es immer (bis jetzt jedenfalls) eine Liebesgeschichte gibt. Für mich gehört sie dazu und ich lese auch gerne Geschichten, in denen es um Romantik und Liebe geht. Nora Roberts ist die Autorin, die mich von Anfang an in meinem Schreiben geprägt hat, und ich glaube, sie ist eine der ganz großen in dem Geschäft der Liebesromane ^^ Und sie bringt so verdammt oft ein neues Buch raus :O Der Wahnsinn.
    Man sollte sich nicht schämen, ein Liebesromanautor sein, denn für jedes Genre gibt es seine Leser. Vielleicht sind die Groschen- und Heftromane verpönt, aber es gibt eine Lesergemeinschaft, sonst würde es diese Bücher doch nicht geben 😉

    Ich freue mich wirklich für dich, dass du diese Erkenntnis gewonnen hast. Sie bringt dich sicher weiter. Ich habe mich bei dem, was du geschrieben hast: die Geschichte in einem Satz zusammenfassen, an den Begriff der Prämisse erinnert. Dieser ist mir in den Schreibratgebern von James N. Frey begegnet. Das ist so ähnlich, er glaubt, dass ein Autor in einem guten Roman seine Prämisse beweisen muss, z.B. Liebe führt ins Verderben. Dabei fasst er die Ausgangssituation und das Ergebnis in einem Satz zusammen. Diese Prämisse könnte auf Romeo und Julia passen, wobei nicht gesagt ist, dass jeder Leser in einem Buch die gleiche Prämisse herausliest und es nur eine Prämisse in jeder Geschichte gibt. Für Romeo und Julia könnte man auch sagen: Ein Streit zwischen zwei Familien führt zum Tod der Kinder.

    Das waren meine Gedanken dazu, ich hoffe, das war jetzt kein zu langer Kommentar. Wenn ja, entschuldige.
    LG Tinka

    • Kein Kommentar ist zu lang! Es freut mich, wenn Dir meine Erkenntnis gefällt!

      Nora Roberts ist wirklich eine der größten Liebesromanautorinnen. Ich glaube, ich habe auch alles von ihr gelesen, wobei es eine Phase gab, die mir nicht so gut gefallen hat. Ihre älteren Bücher z.B. liebe ich (Macgregors etc), dann kam dieses dreiteilige Werk mit dem „Rot wie Blut“ oder so, das fand ich schlecht. Aber ihre neueren Bücher sind wieder toll.

      James N. Frey ist so ein Ratgeber, mit dem ich nichts anfangen kann. Ich habe angefangen den Ersten zu lesen und hatte sofort das Gefühl, er möchte keine Unterhaltungsliteratur, sondern anspruchsvolle Wälzer schreiben und das war nicht meines.
      Bei mir müssen Bücher nicht unbedingt einen tieferen Sinn haben. Bücher dürfen auch einfach nur Spaß machen und unterhalten, von daher ist eine Prämisse nicht so für mich geeignet, aber diese Ein-Satz-Zusammenfassung hat mir z.B. dieses Wochenende gezeigt, was eigentlich die Grundstory meines NaNos ist und das war echt eine Menge Arbeit 🙂

      AU’s sind sogenannte Fanfiction Geschichten, die im alternativen Universum spielen, d.h. wenn Du eine Fanfiction zum Thema Buffy schreibst, sie aber nicht Vampire jagen, sondern z.B. Malerin sein läßt, die sich aufgrund dramatischer Ereignisse zwischen zwei Männern (Angel und Spike, auch keine Vampire) entscheiden muß.
      Du übernimmst eigentlich nur die Namen aus der Serie, das Aussehen und die Charakterzüge, aber packst das alles in eine komplett eigenständige Geschichte. Von da aus ist der Weg zu einem richtigen eigenen Werk nicht sehr weit 🙂

      Vielen Dank für Deinen Kommentar!

      • Gut, ich habe von Nora Roberts jetzt noch nicht so viel gelesen, aber ich nehme es mir immer wieder vor. Als ich 13 oder 14 war, habe ich mal eine ganze Reihe ihrer Bücher geschenkt bekommen, die leider immer noch ungelesen in meinem Schrank liegen. Vielleicht ist die Zeit noch nicht gekommen, aber ihr Jahreszeitenzyklus reizt mich doch schon sehr, habe bis jetzt aber nur die letzten beiden Bände 😀

        Ja, gut. Schreibratgeber sind jetzt nicht für jeden was, bzw. nicht jeder ist für jeden. Aber mich hat es daran erinnert ^^ Mir hat James N. Frey ganz gut weitergeholfen.

        Ah, interessant. Danke für die Erklärung. Ja, in der Tat ist es da wirklich nicht mehr weit zur eigenen Geschichte ^^

        LG Tinka 🙂

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