Die Angst vor dem leeren Blatt

Soweit ich weiß, hat jeder Autor früher oder später mal diese Angst, wenn er sich hinsetzt und etwas Neues anfangen will. Er oder sie hat die Geschichte im Kopf, er kennt schon die meisten Personen und er weiß, worauf er hinauswill, aber diese erste leere Seite, dieser erst Satz, der jagt einem Angst ein.

Warum eigentlich?

In Schreibratgebern heißt es, man sollte sich bemühen, dass die ersten 3 – 5 Sätze gut sind, denn diese sind es, die den Leser in die Geschichte ziehen. Viele Leser brechen Bücher gleich zu Beginn ab, wenn diese Sätze nicht gut geschrieben sind. Von daher würde die Angst vor diesem Beginn tatsächlich Sinn machen…

 

aber:

Ist es nicht eigentlich eher so, dass die meisten Leser einem Buch eine etwas größere Chance geben? Wenn ein Buch durch das pure Lesen des Klappentextes den Weg in meine Tasche gefunden hat, dann lese ich in der Regel mehr als nur die ersten drei bis fünf Sätze. Im Schnitt gebe ich selbst dem schlechtesten Buch sogar einige Seiten Zeit, ehe ich es genervt in die Ecke feuer.

Was mich dann aber richtig wütend macht, ist, wenn ich mich durch ein fantastisches Buch gekämpft habe, wenn ich die Personen absolut glaubwürdig fand, ich die Handlung regelrecht „miterlebt“ habe und ich es einfach nicht aus der Hand legen konnte, egal ob ich am nächsten Morgen früh aufstehen muß, und der Autor / die Autorin das Ende dann komplett vergeigt!

Ich meine, einen grottigen Anfang kann man immer noch mal wieder gut machen. Holprige Charaktere können sich im Verlauf eines Buches entwickeln, aber was mach ich wenn die letzten drei bis fünf Sätze Schrott sind? Wenn ich möglicherweise noch mag, wie das Buch ausgeht, aber die Art wie es geschrieben ist, mich absolut auf die Palme bringt? Was mach ich dann?

Gar nichts. Denn ich kann dann nichts machen. Ich liege hellwach und frustriert in meinem Bett, ärgere mich über die Zeit und das Geld, das ich für das Buch ausgegeben habe, und rege mich tierisch darüber auf, dass ich in ein paar Stunden aufstehen darf, aber so sauer bin, dass ich noch nicht schlafen kann. Vergebliche Lebenszeit sozusagen.

Die leere Seite am Anfang eines Buches macht mir darum keine Angst.

Aber sprecht mich nicht auf das Ende an!

(aus diesem Grund drück ich mich jedesmal so lange wie möglich vor dem Ende meiner Geschichten…)
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3 Antworten zu “Die Angst vor dem leeren Blatt

  1. Hm, ich glaube, du hast Recht 😀
    So habe ich das noch gar nicht gesehen … Die erste Seite so hoch zu handeln, geht mir aber auch schon ne Weile auf die Nerven. Gerade, wenn man an der Rohfassung arbeitet, sollte man sich nicht damit aufhalten. Die Formulierungen sind doch vorerst völlig egal und man hat doch mehrere Seiten, um sich einen tollen Einstieg zu überlegen, oder?
    Ich versuche mich in der Rohfassung immer zuerst auf die Story und die Figuren zu konzentrieren, der Rest kann doch später immer noch kommen. Was will ich denn mit einem perfekten ersten Satz, einem Buch, dass keine Grammatik- oder Rechtschreibfehler hat, wenn die Story und die Charaktere echt Murks sind? 😀

    Nun gut, damit könnte man sicher Seiten füllen und hätte vielleicht auch keine weißen Blätter mehr 😀 Vielleicht hilft es ja, im Schreibprogramm die Farbe des Blattes zu ändern 😀

    Lg Tinka

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