30 Tage Schreiben Meme – Tag 5

5.  Biographie des Hauptcharakters

Mein Name ist Hawke Bender. Natürlich bin ich nicht mit dem Vornamen geboren worden, er ist mehr so ein Spitzname, den ich irgendwann mal erhalten habe und der irgendwie kleben geblieben ist. Mittlerweile gibt es wahrscheinlich mehr Leute, die mich unter dem Namen Hawke kennen als Leute, die meinen wirklichen Namen noch wissen (dazu zählt übrigens auch meine Autorin, die erst bei der Vorbereitung für diese Biographie bemerkt hat, dass ich im ersten Band der Serie Jason hieß, im zweiten Jarod und im dritten zwischen Jared und Jarod schwankte). Ich selber nenne mich aber zu meiner eigenen Überraschung in diesem Buch Jared.
Warum ich sage, zu meiner eigenen Überraschung? Weil ich mich, glaube ich, zum ersten Mal seit einer Ewigkeit jemandem habe vorstellen müssen. Bisher war das in meinem Leben immer in etwa so gelaufen: Ich kam zur Welt (ungewöhnlich, oder?) und meine Eltern beschlossen mir einen Namen zu geben. Mit diesem Namen stellten sie mich meinen Großeltern und Bekannten vor. Irgendwann meldeten sie mich zum Kindergarten an (eine Zeit, an der ich mich zum Glück nicht mehr erinnere) und dann zur Schule. Ich weiß noch, dass ich immer mit einer ganzen Gruppe von Kindern unterwegs war. Irgendwann werde ich mich da auch mal vorgestellt haben müssen, aber meinem Gefühl nach kannten wir alle uns schon ewig.
Meine Eltern waren Leute, die mit beiden Beinen auf dem Boden standen, wie man so schön sagt. Ich wuchs auf einem erdähnlichen Planeten auf mit allem, was man sich so vorstellen kann: wir gingen schwimmen in Seen, kletterten auf Berge und einmal war ich sogar mal Fallschirmspringen. Ich hatte eine normale Kindheit und nicht mal eine außergewöhnliche Schulzeit. Viele meiner Freunde suchten sich nach der Schule eine Ausbildung, einige fingen an zu studieren und ich erinnere mich sogar, dass es zwei gab, die Künstler werden wollten und in irgendeine Kolonie gewandert sind. Für mich kam all das nie in Frage. Ich weiß auch nicht, warum, aber für mich stand von meinem ersten Schultag an fest, ich würde Pilot werden. Ich hatte offensichtlich das „Sesshaft-Gen“ meiner Eltern nicht geerbt und konnte mir nichts Schöneres vorstellen, als mit einem Schiff durchs All zu fliegen. Zu dem Zeitpunkt als ich meine Bewerbung an die Akademie abschickte, hatten die Menschen den ersten Feindkontakt mit den Orianern und meine Eltern waren von der Aussicht, mich ins All zu schicken natürlich nicht begeistert, aber sie ließen mich dennoch gehen.
Die Akademiezeit etwas völlig anderes als die Schulzeit vorher. Ich lebte mit anderen Studenten in großen Wohngemeinschaften und wir hatten sowohl praktischen Unterricht als auch theoretische Unterweisungen in Spezialgebiete. Im Grunde genommen war es nichts anderes als eine Schule, aber damals kam es mir anders vor. Ich fühlte mich unglaublich erwachsen und durch meine für alle meine damaligen Freunde komplett eigenartige Berufswahl kam ich mir vor wie ein Exot. Auf der Akademie jedoch lief ein ganzer Haufen Exoten herum und irgendwie schaffte ich es innerhalb der ersten paar Tage Freunde zu finden. Freunde, die ich mittlerweile als Familie ansehe. Wir trafen uns, fanden uns ganz nett und irgendwann wohnten wir plötzlich zusammen und als eine dieser Freundinnen sich nach dem ersten Drittel der Ausbildung für etwas anderes entschied, uns aber bat auf ihren kleinen Bruder, der neu auf die Akademie kommen würde, aufzupassen, war es für mich überhaupt keine Frage, ihr diesen Gefallen zu tun. Wir waren eine kleine Gruppe von Leuten, die miteinander Spaß hatten, voneinander lernten und aufeinander aufpassten und selbst als unsere gemeinsame Akademiezeit dem Ende zuging, hieß das nicht das Ende für unsere Freundschaft. Wir beschlossen gemeinsam auf eine Station zu gehen und selbst der kleine Bruder unserer Freundin folgte uns einige Jahre später auf die Station.
Anfänglich war das Leben auf der Station nichts anderes als das Leben in der Akademie. Wir hatten zwar alle eine kleine Wohneinheit nur für jeden allein, aber im Endeffekt fühlten wir uns noch wie die dummen Schüler von vorher, die lernen mussten, wo ihr Platz war und wo sie sich und ihre Fähigkeiten auf dieser großen Station einordnen konnten. Mir ging es damit ähnlich. Ich wollte immer Pilot werden, aber über mehr hatte ich mir nie Gedanken gemacht, und jetzt plötzlich war ich mich mitten im All auf einer Station, die sich am Rand des Feindgebietes befand. Aus verträumten Ausflügen ins All, wie ich sie zu Akademiezeiten kennengelernt hatte, wurden plötzlich Flüge, die jederzeit von Feinden angegriffen werden konnten. Ich war zum Glück gut genug, um jeden dieser Flüge gesund und relativ unverletzt auf der Station zu beenden, aber ich verlor mehr als nur einen Kollegen dabei. Irgendwann fing ich dann an auf diesen Flügen das Kommando zu übernehmen. Ich wollte nicht mehr der einzig Überlebende sein, ich wollte, dass mein Teamkamerad und ich gemeinsam auf die Station zurückkamen, und plötzlich hatte ich meinen Platz auf der Station gefunden.
Während einer meiner Freunde sich recht schnell als Organisationstalent herausstellte und innerhalb kürzester Zeit dem Stationscommander direkt unterstellt war, führte ich ein Geschwader an und ich kann stolz behaupten, dass ich noch jeden meiner Männer wieder zurückgebracht habe.
Irgendwann habe ich mal mit unserer Freundin aus Akademietagen geredet. Sie lebte inzwischen längst auf einem Forschungsschiff und besuchte ihren kleinen Bruder öfter bei uns. Ich erinnere mich daran, dass ich ihr gesagt habe, ich würde alles tun, um meine Leute sicher zurück zu bringen, ich würde alles tun oder bei dem Versuch sterben.
Damals war das so eine Art Witz gewesen. Ich hatte den Spruch wahrscheinlich mal irgendwann im Fernsehen gehört oder so, aber im Endeffekt passierte genau das.
Die Station wurde angegriffen und mein Geschwader war eines der vielen, die ausgeschickt wurden, um den Angriff abzuwehren. Die Feinde hatten bisher immer nur ihre kleinen Jagdflieger gegen uns geschickt und erst im Verlauf dieser Schlacht sollten wir merken, dass das ein Mittel gewesen war, um unsere Taktik besser einzuschätzen. Diese Schlacht war anders als jede zuvor, die wir mit der Station auszufechten hatten, und während wir alle da draußen waren und zusahen wie Freunde und Kollegen starben, bekamen wir alle das Gefühl, dass dies das Ende werden würde.
Es war eigenartig. In dem Augenblick habe ich zwar realisiert, dass ich wahrscheinlich abgeschossen werden würde, aber der Gedanke war trotzdem so abstrakt und unreal, dass er mir keine Angst gemacht hat. Ich hatte auch gar nicht die Zeit Angst zu bekommen, weil ich gleichzeitig begriffen habe, dass nicht nur mein Leben in Gefahr war, sondern die gesamte Station. Die künstliche Station, die mitten im All schwebte, und auf der mehrere Tausend Menschen und andere Lebensformen lebten, war dabei abgeschossen zu werden!
Der Gedanke erschreckte mich und für einen kurzen Augenblick war ich dadurch abgelenkt. Diesen Augenblick nutzte der kleine Bruder meiner Freundin, der mit in meinem Geschwader flog, um ein komplett verrücktes Rettungsmanöver zu starten.
Ich schwöre, hätte ich es verhindern können, ich hätte es in dem Moment getan. Ich hätte nicht darüber nachgedacht, sondern einfach nur versucht seinen Arsch zu retten (um ihn dann im selbigen zu treten!). Aber der Junge flog so schnell und war so verdammt gut, dass ich gerade noch hinter ihm herfliegen konnte, von etwas verhindern war nie die Rede.
Im Endeffekt rettete seine Aktion die Station. Ich würde nicht soweit gehen zu sagen, dass wir die Helden der Stunde waren, denn die ganze Idee war nur auf seinem Mist gewachsen und er verdiente jeden Preis und jede Ehrung, die er dafür bekommen hätte. Wohlgemerkt hätte, denn leider sorgte seine beispiellose Heldentat dafür, dass wir beide von der Explosion, die den Feind vernichtete, ebenfalls getroffen wurden.
Ich wachte irgendwann in Gefangenschaft bei unseren Feinden auf. Er starb. Hätte ich damals, als ich aufwachte und in das Gesicht der Monster starrte, die mich gefangen hatten, geahnt, das er tot war, hätte ich wahrscheinlich auch nicht überlebt. Jedenfalls nicht lange genug, um fliehen zu können und mit Sicherheit auch nicht lange genug, um…

Ich greife vor.
Der Rest meiner Biographie ist sozusagen Geschichte. Meine Geschichte.

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Eine Antwort zu “30 Tage Schreiben Meme – Tag 5

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