Gedanken über das Schreiben

Na, das nenn ich doch mal einen Titel für einen Eintrag hier, was? 🙂

Ein Blick in den Kalender bestätigt die größten Befürchtungen, die man als Hobby-Autorin haben kann.

1. Weihnachten naht mit großen Schritten (was ansich kein Problem wäre, wenn man Weihnachten mag oder schon Geschenke hat…)

2. November naht mit großen Schrittn (was ebenfalls kein Problem wäre, wenn man nicht zu Novemberdepressionen neigt – oder zur schriftstellerischen Zunft gehört)

Mit dem November kommt nämlich der NaNoWriMo, mal wieder.

 

Meine Gedanken über das Schreiben hängen also mit dem monatlichen Wahnsinn zusammen und irgendwie genieß ich das. Während ich mich das ganze Jahr über schreibtechnisch relativ zurückgehalten habe, spüre ich seit August das Kribbeln in den Fingern. Kurzfristig habe ich es mit dem Camp beruhigt, aber seit September vergeht kein Tag an dem ich mich nicht frage, was ich dieses Jahr machen soll: Den NaNo streichen, weil ich zum ersten Mal seit Ewigkeiten Vollzeit arbeiten gehe oder den NaNo mitmachen und wenn dann mit was?

Streichen kommt irgendwie nicht in Frage. Wie heißt es so schön? Ich lebe nicht, um zu arbeiten, sondern ich arbeite, um zu leben und zu meinem Leben gehört das Schreiben oder wenigstens das damit beschäftigen dazu. Den NaNo abzusagen, klingt für mich einfach falsch, und nachdem es nach vier gewonnen NaNos (und einem gewonnenen Camp) auf das pure Erreichen des Wortziels sowieso nicht mehr ankommt, werde ich das tägliche Schreiben und den Kontakt mit den anderen genießen.

Also bleibt nur die Frage nach dem Was?

Meine erste Antwort war einfach: Den 4. Teil meiner fünfteiligen Saga *hust*

Aber: Sollte ich dazu den Dritten nicht vorher fertig haben? (ja, ich weiß, ich hätte ihn im Camp beenden wollen oder wenigstens im September… ich weiß)

Und: Will ich wirklich den 4. Teil schreiben? Ich liebe die Geschichte. Ich freu mich wie blöd auf Hawkes Abenteuer und auf seine unheimlich zickige Heldin und außerdem kann ich dann bald den 5. Teil anfangen (und vielleicht nicht erst im NaNo 2014 beenden!). Aber ist es nicht mal Zeit etwas Neues zu versuchen? Ist das nicht vielleicht der Sinn von NaNo?

Okay, laut Richtlinien ist der Sinn vom NaNo, das man versucht innerhalb von einem Monat einen Roman zu schreiben, der mindestens 50 000 Wörter hat. Das ist schon alles, was man bedenken muß. Klingt damit ja eigentlich ganz einfach. 50 k Wörter, eines davon Ende.

ABER: Es ist nicht so einfach. Ich habe bisher jeden NaNo als erfolreich angesehen, weil ich die Wortzahl geschafft habe, aber ich habe nicht einmal sowohl den Anfang als auch das Ende im NaNo geschrieben. Im Nachhinein macht mich das zum NaNo Rebellen, aber das wußte ich damals noch nicht.

Nun häng ich also wieder planlos in den Seilen:

– Ich könnte locker ein weiteres Jahr ein Rebell sein. Ich kenn meine Geschichte, ich mag sie und wenn ich mich jetzt richtig hinsetze, krieg ich Teil 3 diese Woche noch fertig.

– Ich könnte aber auch wirklich mal von Anfang bis Ende den NaNo mitmachen, also alles innerhalb des Novembers schreiben. Nur, ich bezweifle, dass ich ein Buch wirklich innerhalb eines Monats geschrieben bekomme. Jedenfalls nicht mit einer Vollzeitstelle, zwei Hunden, einem Kind und einem Mann, der auch mal mehr von mir sehen will als nur  meinen über den PC gebeugten Hinterkopf.

Lustigerweise ist mein planlos in den Seilen Gehänge schon sowas wie Tradition geworden. Ich erinnere mich an ein Jahr, in dem ich bis zum letzten Moment wußte, was ich schreiben wollte. Dann war plötzlich 01.11. und ich schrieb los, um am 03.11. alles wegzukicken und was anderes anzufangen. Oder an ein Jahr, wo ich in der Woche vor dem NaNo einen Traum hatte und der ließ mich nicht mehr los. Ergebnis war, dass ich meine eigentlich geplante Geschichte zur Seite schob und den Traum schrieb.

Es ist also eigentlich kein Problem für mich nicht zu wissen, was ich schreiben soll. Trotzdem beschäftigt es mich und darum habe ich übers Schreiben ansich nachgedacht (erinnert sich noch wer an die Überschrift dieses Textes?)

Ich schreibe schon immer das, was mich interessiert und fasziniert. Eine meiner ersten Geschichten (ich muß gerade 6 Jahre alt gewesen sein) war quasi eine Nacherzählung. Ich habe den Western „Der letzte Wagen“ im Fernsehen gesehen und war komplett von der Geschichte fasziniert. Wenn ich jetzt so zurückdenke, kann ich mich daran erinnern, dass der Film schwarzweiß war, das ein Siedlerwagen drin vorkam und das mich irgendwas im Film geärgert hatte. Ich weiß nicht mal mehr was, aber ich weiß, dass ich mit dem Ende nicht zufrieden war und so habe ich mich hingesetzt und das Ende neu geschrieben. Schon damals war ich allerdings der Meinung, dass man dann auch den Anfang nochmal schreiben mußte, also tat ich auch das. Das Ergebnis war ein 15 Seitige Geschichte mit dem Titel „Der letzte Wagen – Die richtige Fassung“ *lach*

15 Seiten sind jetzt für mich ein Witz, aber für eine Sechsjährige ist das viel. Ich denke, diese Erinnerung zeigt, wie ich schon immer mit Sachen umgegangen bin, die mich interessiert haben und sie erklärt, warum ich zu fast jedem Film, jeder Serie, oder jedem Buch, das mich gefesselt hat, versucht habe, etwas zu schreiben. Ich glaube nur meine Begeisterung für König Artus bildet da eine Ausnahme (obwohl ich da auch eine Geschichte zu im Kopf hätte…)

Ich lerne also daraus, das ich schreibe, was mich fasziniert oder beschäftigt. So erklärt sich die Vielzahl an Fantasy-Anfängen, die ich in den letzten Jahrzehnten gesammelt habe oder die Masse an Sci-Fi Geschichten, in denen Vipern drin vorkommen *rot wird* und es erklärt, warum ich plötzlich nicht mehr reine Fantasy oder reinen Sci-Fi schreibe, denn ich lese seit Jahren massenhaft Liebesromane. Ich kann nur sagen, von einer Fantasygeschichte zu einem Historical ist es nur ein kleiner Schritt und wenn dann plötzlich die Liebesgeschichte im Vordergrund steht (anstatt der große Drache), dann wird es schnell zu Sucht.

Ja, genau. Ich habe es gesagt: Ich denke, Liebesromane können süchtig machen. 🙂

Wenn man einmal so ein richtig schönes Happy End im Buch hatte, dann reichen einem Prinzen und Drachentöter irgendwann nicht mehr. Jedenfalls mir nicht.

Also wanderten meine Fantasybücher in die Ecke und ich habe 100te von Liros verschlungen. Historicals. Liros, die in der Neuzeit spielen, haben mich nie interessiert. Das war einfach zu real, zu möglich, und ich wollte nichts von Problemen lesen, die ich wohlmöglich auch haben könnte.

Doch in diesen Büchern passierte schnell immer nur das eine: Der Held rettet die Heldin. Wahlweise: Der Held rettet die besonders trottelige Heldin.

Zuerst mag man das. Man erwartet es in den Büchern sogar. Aber dann geht es einem irgendwann auf den Geist. Etwas Neues muß her. Bücher, in denen die Heldin den Helden rettet, sind da plötzlich absolut aufregend. Es kommt wie es kommen muß: Man überliest sich an an dem Plot. Beide Helden gleichstark und im gleichen Kampf für die gute Sache, ist wieder etwas Neues, aber man ist schon auf der Suche, als Leser wie als Autor. Und plötzlich hat man die Geschichten gefunden, in denen Vampire oder Superhelden die Hauptrolle spielen. Es geht um ein Ungleichgewicht, das es dem Paar eigentlich unmöglich macht, zusammen zu kommen und doch schaffen sie es am Ende. Der Leser betritt die Welt des Übernatürlichen, des Besonderen, ein Reich mit unendlich vielen Möglichkeiten und gleichzeitig bleibt die Grundordnung bestehen. Leser mögen keine schwachen, männlichen Helden und auch keine heulenden, hilflosen Frauen. In diesen Büchern können beide stark sein und lediglich die Besonderheit des Einen löst den Reiz für den Leser und Autoren aus. Für einen kurzen, fantastischen Zeitraum ist man im Lesehimmel 🙂

Aber auch hier kommt die Ernüchterung irgendwann. Nach dem xten Vampire, dem 100ten Werwolf und dem unglaublichsten Seelengefährten, findet man sich suchernd wieder. Etwas fehlt. Etwas Neues muß her.

Ich denke, das geht Lesern ebenso wie den Autoren. Ja, einige Autoren springen vielleicht auf den Zug auf, der so schön erfolgsversprechend daher kommt, aber andere Autoren bleiben wartend an der Bahnsteigkante stehen und fragen sich, wann der nächste Zug kommen wird und was mit ihm einhergeht. Schließlich ist es ein Instinkt des Menschen immer wieder etwas Neues zu suchen und zu probieren. Gewohnte Bahnen sind vertraut, aber manchmal auch langweilig. Das Neue hat seinen ganz besonderen Reiz.

So saß ich also vor einiger Zeit da und habe mir überlegt, warum ich nicht schreibe. Die Antwort war einfach: Weil ich nicht lese.

Es war tatsächlich so, dass ich lange Zeit nichts gelesen habe oder nichts, was mich so dermaßen mitgerissen hat, dass ich das nächste Buch von der Autorin/dem Autoren nicht erwarten konnte. Selbst meine absoluten Lieblingsautoren konnten es nicht schaffen, dass ich ihre Bücher unbedingt sofort lesen mußte. So geht es mir seit einiger Zeit. Ja, es gibt ab und zu mal Bücher, die mich absolut mitreißen (wie S. McKennas Bücher im Sommer), aber die sind selten.

Die Frage, warum das so ist, konnte ich lange Zeit nicht beantworten, bis mir irgendwann auffiel, dass ich eigentlich doch lese, nur eben keine Bücher. Ich las Fanfiction. Das war das Jahr, in dem ich Supernatural entdeckt hatte und komplett im Fandom versunken bin. Ich kenne Fandoms, hatte ja meinen ersten großen Fandomkontakt mit Buffy gemacht, aber so etwas wie Supernatural war Besonders. Plötzlich sprach alles nur noch Englisch und anders als vorher bei Buffy (oder Superman oder BSG oder… oder… oder…) gab es plötzlich nur noch zwei männliche Helden, die über den Bildschirm liefen und es gab massenhaft Geschichten von ihnen in einer Beziehung. Ich hatte soetwas schon im Buffyverse gesehen und nicht verstanden, was daran so faszinierend sein sollte, doch bei SPN war das plötzlich anders. Das war das Neue, was ich gesucht habe. Das aufregend andere. Und gleichzeitig das Vertraute.

Im SPN Fandom bekam ich Liebesgeschichten, die anders waren, aber die mir doch das erwartete Happy End schenkten, die in der Neuzeit spielten, aber mich dankbarer Weise nicht mit Problemen beschäftigten, die ich hätte haben können. Gut, es ging um zwei Männer, die sich verliebten, aber das war mir relativ schnell egal… ich stieß auf eine meiner Lieblings-Sci-Fi Geschichten, die eine SPN Autorin zu einer Lovestory umgebastelt hatte und ich war im Leserhimmel!

Ein weiterer Vorteil von FF ist die Tatsache, das man jederzeit unendlich viele Geschichten finden kann und man bezahlt nur mit einem einzigen Kommentar dafür. Man muß keine lange Lieferfrist in Kauf nehmen und wenn einem das Buch nicht gefällt, ärgert man sich auch nicht über das verlorene Geld. Ein absoluter Gewinn für einen Leser, der so auf einfache Weise genau die Bücher findet, zu denen er in dem Moment Lust hat, denn im Fandom gibt es sogar verschiedene Suchseiten, unterteilt nach Genre. Man sucht eine Sci-Fi Geschichte? Kein Problem, hier ist der Link. Eine Monstergeschichte? Hier ist der Link. Und nicht nur ein Link, sondern Dutzende. Ein Traum.

Also Leser komm ich also aus der Begeisterung nicht mehr raus und wenn ich dann doch mal genug davon habe, greif ich mir ein „normales“ Buch und kann mich auch daran wieder erfreuen. Die Abwechslung macht es eben.

Doch was ist mir mit als Autoren?

Wenn ich Zeit meines Autorinnendaseins nur Dinge schreibe, die mich fasziniert oder beschäftigt haben, müßte ich dann nicht auch solche Geschichten schreiben? Und wenn nicht, warum nicht?

Ich habe es probiert. Natürlich, weil es mich gereizt hat, und weil ich einen Plot im Kopf hatte, der für ein M/W Paar nicht gut klang. Er hätte vielleicht gepaßt, aber der eigentliche Reiz der Geschichte lag im M/M. Ich hatte ja vor Wochen den M/M Ratgeber gelesen (nicht wegen der Geschichte, die ist schon seit einem Jahr auf meiner HP *gg*) und in dem Ratgeber stand drin, dass man nicht einfach eine Geschichte, die eigentlich für ein M/W Paar gedacht war auf ein M/M umwandeln kann. Manchmal mag das klappen, aber meistens klingt es falsch. Dem stimme ich absolut zu. Meine Geschichte hat nur funktioniert, weil beides Männer waren. Wäre einer von Beiden weiblich gewesen, wäre es nur wieder die xte Variante von „Der Held rettet die trotteligen Heldin“ geworden.

Aber der Ratgeber sollte mir bei einem anderen Problem helfen. Ich wollte wissen, wie man Sex schreibt. *rot wird*

Ja, ich weiß aus hunderten von FFs wie das so theoretisch funktioniert und ich habe auch eine sehr bildliche Vorstellungskraft *noch roter wird*, aber ich kriege jedesmal die Krise, wenn es darum geht eine Sexszene zu schreiben. Und dabei meine ich nicht Schwulensex, sondern überhaupt. Wörter für diese Art von Szenen zu finden, finde ich sehr schwer. Ich habe z.B. mal einen historischen Liro gelesen, in dem die Heldin eine kleine, verschüchterte Magd war und der Held ein toller, gutaussehender Schwerenöter. Soweit alles gut. Die Geschichte las sich echt unterhaltsam. Es passierten Missgeschicke ohne Ende und ich fühlte mich wirklich gut unterhalten, und dann kam die Sexszene. Die Heldin war, wie gesagt, schüchtern und eher zurückhaltend, der Held dagegen ein ganzer Kerl (ohne Chappi…). Die Autorin beschreibt alles ins Kleinste. Die zärtlichen Küsse, die sanften Berührungen. Wie der Held sich zurückhält, wie alles ganz neu für die Heldin ist. Einfach toll beschrieben. Und dann steht mitten in dieser Szene, das der Held die Heldin sanft auszieht und sie ihm an den Schwanz greift.

Ich bin umgefallen.

Wie gesagt, das Buch war toll. Die Geschichte, wenn auch nicht unbedingt neu, gut erzählt und die Charas absolut liebenswert, aber diese Sexszene hat es mir komplett versaut.

Seitdem häng ich da und stelle fest, dass Sexszenen immer falsch und komisch klingen. Ich versuche die Szenen nur gefühlsmäßig zu beschreiben, also dem Leser den Schwanz zu ersparen ;-), aber im Endeffekt klingt es trotzdem falsch. Und dabei rede ich gerade nicht mal von einer M/M Sexszene!

Ihr versteht also mein Problem?

Ich schreibe, was ich lese, aber was schreibe ich, wenn ich das Falsche lese oder mir selbst beim Schreiben im Weg stehe?

Und schon bin ich wieder in der planlosen November Vorbereitung, und schreibe gleichzeitig solch wirre Posts. Oder ergibt dieser hier einen Sinn?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s