Josh Lanyon “Writing M/M for cash and kinks” – Teil Vier (das langersehnte Ende)

Als Letztes beschäftigt sich Josh Lanyon mit dem leidigen Theme Editieren und Revisionen, zu Deutsch: Dem Korrekturlesen, das jeder Autor geradezu liebt

Erschreckender Weise hat Lanyon tatsächlich Autoren gefunden, die genau diesen Schaffensprozess beim Schreiben lieben!

Aber ganz zuerst erläutert er noch einmal das Prinzip „wer schreibt warum welches Buch“ und vor allem, wer verkauft sich besser. In seiner Theorie schreiben mehr Frauen M/M Romane und diese verkaufen sich auch besser als die von ihren männlichen Kollegen. Nicht, weil Frauen die männliche Psyche anscheinend besser kennen als die Männer, sondern weil die meisten M/M Bücher von Frauen gelesen werden, und Frauen wissen eben, was Frauen lesen wollen. Männer schauen lieber Pornos im TV an. (diese Theorie finde ich besonders nett, weil der Verfasser des Ratgebers und somit auch der Theorie ein Mann ist, der M/M Bücher schreibt und liest… irgendwie widerspricht sich das in meinen Augen)

Lanyon meint, das beste Schreiben ist Schreiben in verschiedenen Stufen (Zeitabhängig).

Zuerst kommt der Entwurf. Ein Text wird geschrieben. Er enthält teilweise Lücken und holprigen Text.

Dann wird dieser Entwurf verfeinert und weiter entwickelt. Das Thema erscheint deutlicher, die Charaktere bekommen Tiefe und neue Wendungen entstehen.

Danach wird als Erstes die Grammatik und Rechtschreibung geprüft. Es wird geschaut, ob nicht gewollte Passivsätze vorhanden sind. Adjektive und Adverbien werden, soweit es möglich ist, entfernt.

Wenn diese beiden Entwürfe und groben Korrekturen fertig sind, soll das Buch mindestens zwei Wochen liegen. Unangetastet. Der Stoff soll sich sozusagen setzen.

Ist die Zeit rum, wird nach Logikfehlern gesucht. Falsche Worte werden gegen richtige ausgetauscht (denkt der Charakter wirklich so blumig wie es gerade beschrieben wird? Flucht er oder seufzt er nur leise? Männer sind in der Regel einfacher gestrickt als Frauen und reden auch so) (diese Erkenntnis finde ich herrlich 🙂 ). Szenen können und sollen überarbeitet werden. Einige werden möglicherweise gestrichen, andere werden hinzugefügt.

Hierbei ist Folgendes wichtig: Wenn das große, alles auflösende „Ich liebe dich“ gesagt wird, muß die Geschichte beendet sein. Niemand will nach dem Finale zwischen den Helden noch zehn Seiten Auflösung der Geschichte lesen müssen. Mit dem Finale ist die Luft raus und wenn bis dahin nicht das Geheimnis gelöst wurde, der Mörder gestellt, der Schatz gefunden etc, hinterläßt das beim Leser einen schalen Geschmack.

Kommt es im Verlauf einer Szene zu einem Dialog, soll man sie sich laut vorlesen, um zu hören, ob sie auch richtig klingen.

Wichtig ist auch, gerade bei M/M Geschichten, wo es zwei männliche Hauptdarsteller gibt, das man sich über die Personalpronomen Gedanken macht. Lanyon ist der Meinung, das man nicht immer den Namen eines Darstellers verwenden muß, um klarzustellen, wer gerade was tut. Er findet, daß man selbst die wörtliche Rede der Handelnden so unterschiedlich schreiben kann, das ein Leser auch ohne „sagte Marc“, „dachte Tom“, „wollte Chris wissen“ erkennen kann, wer gerade aktiv ist.

Ich gestehe, ich habe es so gelernt, daß man immer schreibt, wer gerade etwas gesagt hat oder wer etwas tun wird, aber sein Argument klingt schlüssig, insofern werde ich das bei nächster Gelegenheit mal ausprobieren.

 

Nach diesem reinen Schreibratgeberteil kommt Josh Lanyon schließlich fast zum Schluß und zu den Dingen, die auch in Ratgebern stehen, aber nicht immer und auch nicht so explizit.

Er erklärt, warum er Pseudonyme für wichtig hält. Im Nischengenre M/M macht es natürlich Sinn, wenn man ein Pseudonym benutzt, da, wie Lanyon sagt, das Schreiben von M/M Büchern tatsächlich so etwas wie ein Statement ist. Ich habe darüber noch nie wirklich nachgedacht, weil ich mit Homosexuellen keine Schwierigkeiten habe, aber sie werden immer noch in vielen Bereichen angefeindet und gemieden und so ist das dazu stehen, daß es okay ist, wirklich wie eine kleine Ein-Mann-Demonstration und kann Ärger mit sich bringen. Dieser Ärger ist in Lanyons Welt mit Sicherheit offensiver, da er selbst bekennend schwul ist. Ich dagegen müßte mir wohl weniger Sorgen machen, aber der Gedanke ist dennoch nicht von der Hand zu weisen und ist definitiv eine Überlegung Wert. Dazu kommt, daß viele Menschen glauben, Schriftsteller wären reich und wer weiß was dann für merkwürdige Menschen auf einen zukommen und etwas von einem wollen. Solange man keinen neuen Harry Potter schreibt, ist es vielleicht egal, aber weiß man das im Voraus?

Und noch ein wichtiger, wenn auch deprimierender Punkt: Lanyon fragte bei Verlagen, Agenten und Autoren nach, ob sie von ihrer Schreiberei leben können und lediglich eine der Autorinnen hat das positiv beantwortet. Allerdings hat sie auch gleich hinzugefügt, daß sie schon Jahrzehnte schreibt und keine großen Ansprüche stellt. Sehr frustrierend… 😦

 

„First of all, writing is an obsession. You don’t write because you love it, you write because you have to—you have no other choice. Sticking with it is the first thing. The second is to be open to criticism. I have two people I show my work to as I’m writing. I don’t always agree with what they say, but I always listen. Third, and this was a very hard one for me, you have to believe in yourself and your ability. Fourth and last, you have to constantly strive to do better. That’s how you get better.“

 

Das letzte, große Thema des Ratgebers lautet dann „Werbung„.

M/M Bücher werden größtenteils im Eigenverlag vertrieben, aber auch über ebook Händler und Amazon. Da das für eigentlich jedes Buch gilt, fand ich diesen Teil wieder interessanter.

Lanyon fragt eine Autorin nach ihrem Plan, wie sie ihr Buch vermarktet hat, und sie hat freundlicherweise ganz viel geantwortet. Ich war mit einigen ihrer Antworten nicht so begeistert, aber ich tue mich auch schwer damit Werbung für mich zu machen. Mich hinzustellen und zu sagen, daß ich ein super tolles Buch geschrieben habe, das jeder unbedingt lesen muß, verursacht mir einfach immer ein ganz mieses Gefühl im Bauch, und ich höre die Stimme meiner Mutter sagen „Eigenlob stinkt“… Schade, daß meine Mutter von Eigenwerbung noch nichts gehört hatte, oder? Das würde vieles für mich vereinfachen.

Die Tipps der Autoren waren

  1. Versteh/Kenne die Geschichte. Finde eine kurze, knackige Beschreibung, die im Kopf bleibt. Etwas Ungewöhnliches. Das Märchen Schneewittchen neu erzählt, klingt langweilig und wenn der Leser nicht gerade fünf Jahre alt ist, wird er sich diese Beschreibung sicherlich nicht merken. Schneewittchen im Rapper Stil mit Handgranaten, haut auch nicht gerade um, aber bleibt im Kopf.
  2. Benutze für Bilder, Header, Cover, Webseiten Profis. Laienwerke mögen billiger sein, aber sie sehen auch so aus, und Professionalität signalisiert „Ich glaube an mein Projekt“
  3. Blogge oder habe eine Webseite, auf der du mit Lesern regelmäßig kommunizieren kannst. Die Updates müssen regelmäßig erfolgen. Leser sollen wieder kommen, auch wenn das neueste Buch noch ein paar Wochen auf sich warten läßt. Bleib in der Erinnerung der Leser
  4. Mailing Lists, so daß potentiell interessierte Leser rechtzeitig von deinem neuen Werk erfahren können
  5. Biete in Buchhandlungen oder Büchereien kostenlose Lesungen an

 

Kurz: Write it. Finish it. Make us believe it.

 

Damit wäre ich mit dem Schreibratgeber durch und ich glaube, ich habe das Wichtigste hier erfasst. Ich fand das Buch wirklich sehr, sehr gut und vor allem hilfreich und kann es nur jedem empfehlen, der Schreiben möchte, egal ob M/M oder Märchen *kicher*

Ich beende diese sehr ausführliche Rezension/Nacherzählung mit einer Erklärung von Josh Lanyon aus seinem Glossar. Aus rein privaten Gründen finde ich seine Erklärung zum Thema FANFICTION einfach nur komisch…

 

„Fan fiction—Stories made up by fans of television, movie or other media characters. There is also real person fiction.

Don’t ask.“

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3 Antworten zu “Josh Lanyon “Writing M/M for cash and kinks” – Teil Vier (das langersehnte Ende)

  1. Pingback: Josh Lanyon “Writing M/M for cash and kinks” – Teil Drei | dreamertalks

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