Josh Lanyon “Writing M/M for cash and kinks” – Teil Drei

Und weiter geht’s mit der fröhlichen Nacherzählung.

Der Verfasser des Ratgebers hat noch einen weiteren Tipp parat, mit dem man den Charakter eines Charakters 🙂 gut darstellen kann. Dieser Tipp gefiel mir ganz gut, weil ich nie auf ihn gekommen wäre *schäm*

Man soll einen Charakter durch seine Umgebung beschreiben, also als Beispiel: Wenn ein Charakter ein ordentlicher und sehr asketischer Mensch ist, könnte die Wohnung des Charas als penibel aufgeräumt und ohne Kitsch beschrieben werden. Ein Chara der dagegen in einer Wohnung wohnt, in der noch Jahre nach seinem Umzug die Umzugskartons unausgepackt neben leeren Pizzaschachteln herumstehen, könnte als chaotisch und faul oder langweilig oder einfach „als Schwein“ beschrieben sein. Die Idee einen Chara so zu beschreiben gefällt mir deshalb so gut, weil ich gerade in einem Buch lesen mußte wie eine Person als „der immer etwas konservative Bankkaufmann“ beschrieben wurde… das klingt so klischeehaft, das es einen schüttelt. Da mag ich die Pizzakarton Wohnungsvariante lieber.

Recherche

Ein schönes Wort. Ich finde immer, es sieht falsch geschrieben aus und wenn ich bei Google suche, gibt es das Wort mal mit Strichlein über einem e, mal ohne. Naja, egal. Lanyon meint, daß man seine Recherchen unbedingt erledigen sollte. Nichts ist so schlimm wie ein Buch über ein Zugunglück zu lesen und dann festzustellen, daß der Autor offenbar noch nie in einem Zug gefahren ist. Außerdem hat eine gründliche Recherche den Vorteil, daß der Leser geneigt ist bei großen Fehlern drüber wegzusehen, solange wenigstens die Kleinigkeiten stimmen. Dazu kann ich jetzt nichts sagen, außer, daß ich der Meinung bin, wenn man schon mal beim Nachlesen ist, kann man doch dafür sorgen, daß sowohl die Großen wie die Kleinen stimmen, oder?

Aber er meint damit auch, daß Recherche unterschiedlich aussehen kann. Einzelne Szenen leben von Stimmung und Atmosphäre, dazu zählt Licht, Musik, Geruch etc.

Der Ratgeber berichtet, daß er Autoren kennt, die ihre Recherche am eigenen Leib ausprobiert haben. Eine Autorin hat ein Buch über Maulwurfgerichte geschrieben. Um die Stimmung im Buch überzeugend wieder geben zu können, hat sie eine Woche lang Maulwurf gekocht. An dieser Stelle hoffe ich, daß meine Übersetzung fehlerhaft ist. Lanyon spricht von Mole, und Mole heißt entweder Maulwurf oder Leberfleck. Vielleicht meint die Autorin dann doch eher Leber? Mir gruselt es vor einer Woche voller Lebergerichte, aber Maulwurfgerichte klingen stark nach Stephen King… *schüttel*

Egal, worum es ging, ist klar. Lebe die Szene, um beste Beispiele und Eindrücke verwenden zu können. Ein guter Tipp. Ich frage mich, wie ich das bei meinem nächsten SF Roman umsetze…

Und schon hat Josh Lanyon meinen stummen Kommentar anscheinend gehört und gibt ein „Ein talentierter und disziplinierter Autor kann Alles schreiben (jedes Genre). Diese Fähigkeit ist zu trainieren wie ein Muskel. Am Anfang ist es schwer, aber es ist möglich“ von sich. Also könnte ich, wenn ich talentiert und diszipliniert bin, doch meine SF Geschichten schreiben, auch ohne Maulwurf… schweife ich gerade ab?

Lanyon gibt generelle Schreibtipps. Regeln, die ich schon in vielen anderen Ratgebern gelesen habe, aber die trotzdem sehr gut sind.

  1. Schreib und lies viel
  2. Schreib außerhalb deines Lieblingsgebiets
  3. Versuch unterschiedliche Charas zu schreiben. Auch solche, die dir eigentlich nicht liegen
  4. Versuch dich an komplexeren Plots
  5. Nimm nicht die erste Idee, die dich anfällt. Vielleicht kommt noch eine Bessere?
  6. Beende die begonnene Geschichte, egal, wie schlecht sie sich anhört. Wenn die Idee es Wert war, geschrieben zu werden, dann ist die Geschichte es auch Wert beendet zu werden. „Finish the first draft. Write all the way through to the end, skipping over the rough parts, the parts that just won’t come, the parts that you hate, just write ‚til you get to the end. That’s the first and most important step.“
  7. Schreibe jeden Tag. Oder lese dein Geschriebenes gegen. Oder betreibe Recherchen. Oder arbeite an anderen Projekten. Aber tu es jeden Tag. „You’re not a writer if you don’t write.“
  8. Setz dir ein Ziel. Wenn du das Buch innerhalb einer bestimmten Zeit beendet haben willst, dann rechne aus, wieviel Wörter das pro Tag benötigt und halte dich daran. Das Ziel muß bestimmt sein, ein festes Datum oder so etwas. Es reicht nicht zu sagen „Irgendwann werde ich das Ding schon fertig haben“

Die Regeln sind, wie gesagt, nicht neu. Man findet sie in jedem Ratgeber, aber komischer Weise machen sie mich doch jedes Mal wieder nachdenklich. Stimmt das alles so wie er es gesagt hat? Macht es Sinn mal außerhalb meines Lieblingsgenres etwas zu versuchen? Und wenn, welchen Sinn  macht es? Bringt es mir etwas für meine bevorzugten Genres? Das mit dem „Schreibe jeden Tag“ kann ich verstehen. Ich habe selbst oft genug gesehen, daß es mir leichter fällt, Dinge zu formulieren, wenn ich einmal im Rhythmus bin. Meine Geschichten klingen „runder“, wenn ich keine großen Unterbrechungen in ihnen habe. Auch das Ziel finde ich sehr gut.

Aber was macht man, wenn man mitten im Schreibprozess eine Blockade hat?

Und prompt hat Josh Lanyon meinen Einwurf wieder gehört und er äußert sich auch dazu. Dies ist wieder ein Teil im Buch, der mir ausserordentlich gut gefällt. Er gibt, mal wieder, Tipps, was man gegen so eine Schreibblockade tun kann.

  1. Bilder ansehen, die einen inspirieren
  2. Terminlisten aufhängen (das würde mich extrem nervös machen)
  3. Belohnungen für’s Schreiben ausdenken
  4. Inspirierende Zitate
  5. Schreib jeden Tag und wenn nur für ein paar Minuten
  6. Beobachte Leute. Denk dir Geschichten zu ihnen aus
  7. Betreibe Sport. Bist du dabei erfolgreich und sei es auch nur, daß du deinen inneren Schweinehund überwunden hast, überträgt sich das aufs Schreiben (das möchte ich gerne mal erleben, aber mein Schweinehund ist dazu viel zu stark…)
  8. Schaffe feste Schreibroutinen, z.B. immer zur selben Uhrzeit

Nachdem er diese tollen Tipps von sich gegeben hat, erklärt er jedoch, daß viele Autoren sich unter Schreibblockaden etwas völlig Falsches vorstellen.

Eine Schreibblockade bezeichnet nicht das Überwinden sich an den Schreibtisch zu setzen und zu schreiben! Das ist lediglich die eigene Faulheit oder der Wunsch einer möglichen anderen Verlockung nachzugeben und geht jedem „normalen“ anderem Arbeitnehmer mit seiner Arbeit ebenso, vor allem morgens wenn der Wecker klingelt und man am Liebsten liegenbleiben möchte. Ist man dann aber aufgestanden, geduscht und auf dem Weg zur Arbeit, hat man meistens auch Lust dazu – oder ein ernstes Problem.

Schreibblockaden sind das „nicht schreiben können“, weil

  • man gegen eine Mauer gerannt ist (in der Story *kicher*) und nicht weiß, wie man das Problem lösen soll
  • man zu gestresst zum Schreiben ist; man ausgebrannt ist

Bei der ersten Variante gibt er den Tipp die problembehaftete Stelle zu löschen oder wenigstens aus dem aktuellen Romanentwurf zu entfernen und von der Stelle an weiterzuschreiben, die einem noch gelungen erscheint. Er selber hat es so mehrmals gemacht und aus den entfernten Szenen komplett andere Bücher geschrieben.

Bei der zweiten Variante rät er zu einer Auszeit. Wenn dein Leben zur Zeit zu stressig ist, weil du vielleicht krank bist oder andere Probleme hast, dann mach eine Pause. So etwas verdient jeder Arbeitnehmer einmal. Dann, nach einer Weile fang wieder an.

Ist die zweite Variante aber eher ein Burn Out, dann soll man seiner Kreativität einen Neustart gönnen. Man soll Dinge unternehmen, die man sonst nie tut. In Museen gehen, die einen vielleicht vorher nicht interessiert haben. Andere Musik hören. Mit Menschen sprechen, die man länger nicht gesehen hat. Auf diese Weise füllt man seine eigene Kreativität wieder auf und wenn es einem besser geht, wird das Schreiben von selbst wieder kommen.

Eine Schreibblockade ist:   KEINE IDEEN HABEN

Alles andere hat als Ursache Unsicherheit, bösartige Selbstkritik und Feigheit.

An dieser Stelle fühle ich mich ertappt und gehe mich leise schämen… *rotwerd*

Und auf zum letzten Teil

Advertisements

2 Antworten zu “Josh Lanyon “Writing M/M for cash and kinks” – Teil Drei

  1. Pingback: Josh Lanyon “Writing M/M for cash and kinks” – Teil Zwei | dreamertalks

  2. Was „mole“ angeht: Ich nehme an, dass hier die „Mole“ der mexikanischen Küche gemeint ist, eine Art Sauce oder Eintopf.
    Ich schließe mich deiner Meinung an – einer der besten Schreibratgeber, den ich je gelesen habe, und für Liebesromane jeder Art gültig.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s