Josh Lanyon „Writing M/M for cash and kinks“ – Teil Zwei

Ich habe tatsächlich länger gebraucht, um den Schreibratgeber durchzulesen. Das allein verrät schon, wieviel Interessantes und Wissenswertes in ihm steckt – finde ich.

Leider erklärt das auch, warum ich jetzt, beim Nacharbeiten meiner Randnotizen, keine wirkliche Ahnung mehr habe, wozu die einzelne Notiz noch gehört. Na, mal sehen, ob die jetzt noch Sinn ergeben *seufz*

Nachdem Josh Lanyon im Buch die Storyidee und die Charakter beleuchtet hat, kommt er jetzt zum Aufbau der Geschichte.

Seiner Meinung nach hat jede Szene nur zwei Gründe, um in ein Buch zu kommen

  • Den Plot vorwärts zu bringen
  • Das Grundthema der Geschichte widerzuspiegeln

Ich muß gestehen, darauf habe ich noch nie geachtet. Ich weiß auch nicht, was ich davon halten soll. Ist das wirklich so? Natürlich bringt jede Geschichte den Plot vorwärts, sonst wäre sie langweilig und vor allem unnötig, aber spiegelt jede Szene das Grundthema wider? Wenn das Grundthema zum Beispiel „Rettung aus großer Not“ ist (ein allgemein übliches Grundthema, das schon Shakespeare mit Begeisterung verwendete), muß in jeder einzelnen Szene dann so eine Rettung erfolgen? Das stelle ich mir sehr schwierig und auf die Dauer nervig vor

Wobei J. Lanyon prompt bei der Erklärung des Grundthemas ist. Ein Grundthema ist das, was der Autor mit seiner Geschichte zu sagen versucht. Es ist keine Predigt!

Auch hier bin ich ein wenig verwirrt. Ich schreibe Geschichten, weil ich sie erzählen will. Manche schreibe ich sie auch, weil ich sie selber lesen möchte. Aber habe ich in jeder meiner Geschichten etwas zu sagen? Also, etwas zu sagen, das Bedeutung hat und für andere Wichtig ist? Eine Stellungnahme? Ich würde an dieser Stelle ein sehr kleinlautes und verschämtes „Nein“ in den Raum flüstern, aber vielleicht weiß ich es einfach nur nicht besser.

Das nächste Thema im Ratgeber behandelt Schriftsteller im Allgemeinen. Es zieht sich durch das ganze Buch hindurch und kommt an verschiedenen Stellen immer mal wieder zum Einsatz. Der Ratgeber ist ja speziell an den M/M Autoren gerichtet und da der Verfasser aus diesem Genre kommt, liegt es ihm natürlich am Herzen. Und ebenso natürlich regt ihn das Verhalten einiger Autoren auf, die glauben, auf ein neues, Geldeinfahrendes Pferd aufspringen zu können.

Zum Zeitpunkt als Lanyon den Ratgeber schrieb war das Genre M/M noch relativ neu und die Autoren, die dafür schrieben, waren nur eine Handvoll, aber die Nachfrage von Seiten der Leser stieg sprunghaft und so tauchten plötzlich auch Bücher auf, die von Leuten geschrieben wurden, die keine Ahnung vom Genre hatten und auch keinerlei wirkliches Interesse dafür. Das waren einfach Autoren, die schrieben, um Geld zu verdienen. Da war kein Feuer dahinter, keine Begeisterung, und sie arbeiteten bestimmte Stichpunkte, von denen sie dachten, sie gehörten zu einem M/M Roman dazu, nahezu methodisch ab. Kein Wunder, daß Lanyon genervt davon war, oder?

Dazu kam noch eine Reihe von Jung-Autoren, die sich erstmals in dem Bereich versuchten, die den Bereich aber liebten und schon Hunderte von Büchern dazu gelesen hatten. Auch diese Autoren beginngen den Fehler, den die Punkteabarbeitenden Autoren ihnen vormachten. Und genau diese Jung-Autoren spricht Lanyon an, wenn er im Buch sagt: „Geschick ist die beste Versicherung für eine Karriere als Schriftsteller.“

Es geht ihm darum, daß diese Autoren sich trauen sollen auch mal vorgetretene Pfade zu verlassen. Ihre Geschichten können bestehen, auch wenn sie nicht auf Seite 3 schon wahllosen Sex haben. Zu M/M Geschichten kann Sex gehören, er ist wünschenswert und jeder Leser freut sich über eine gute Sexszene, aber er muß nicht in jedem Buch explizit erscheinen. Fühlt man sich nicht komfortabel damit, kann man ihn auch streichen.

In M/M Büchern geht es nicht nur um den Sex, sondern um die Charaktere, und ob diese glaubwürdig und sympathisch erscheinen, hängt von der Stimme des Autoren ab, nicht von seiner Strichliste. Jeder Autor sollte sich bemühen seine eigene Stimme zu finden und die Geschichte in dieser erzählen. Nur dann wirkt alles stimmig und glaubwürdig.

Ein weiterer Punkt auf der Strichliste von Autoren ist das „Liebe gestehen“. In herkömmlichen Liebesromanen ist das normalerweise die Stelle auf der letzten Seite. Die Geschichte ist beendet, alle Probleme beseitig und Held und Heldin reiten gemeinsam in den Sonnenuntergang. Davor kommt noch ein seufzendes „Ich liebe Dich“ und alle sind glücklich.

Es macht keinen Sinn diesen wichtigen Punkt einfach nur abzuhaken. Und es macht auch keinen Sinn, nur weil es zwei Männer sind, die sich jetzt die Liebe gestehen sollen, es besonders schnulzig und in Rosa oder besonders kurz und knapp zu gestalten. Am Schlimmsten ist, wenn nur einer der Charaktere erkennt, daß er sich in den anderen verliebt hat. Dies geschieht meistens sehr nah am Anfang im Buch, und ein grober Fehler ist es, über diese Erkenntnis wie flüchtig drüber hinweg zu gehen. Das ist ein wichtiger Moment, auch wenn er auf keiner Strichliste vorkommt!

Ein Punkt, um ein M/M Buch männlicher klingen zu lassen, ist sehr simpel: Rede als Autor nicht drumrum. Sag, was Du zu sagen hast. Komm zum Punkt. Bleib beim Punkt.

Wie man Szenen weiterhin aufbaut, erklärt Josh Lanyon nicht. Was ich gut finde. Wenn ein Autor nicht weißt, wie er Charakter A und B einander vorstellen soll, ist das ein Problem, was selbst der beste Schreibratgeber nicht lösen kann. Aber Lanyon behandelt das Thema Sexszenen, was mir wiederum gut gefällt. Nicht, weil ich unbedingt alles über Sexszenen lernen will, sondern, weil ich mir schon gleich von der ersten Seite an vorstellen konnte, daß die nüchtern, komische Art des Verfassers diese Szenen zu etwas Besonderem machen würde. Und ich hatte Recht. Seine Beispiele hatten definitiv etwas 🙂

Seine Tipps bzgl. Sexszenen sind einfach

  • nicht nur die Mechanik beschreiben. Welches Teil wohin gehört, kann sich jeder Erwachsene und die meisten Halbwüchsigen denken
  • Sexszenen nicht zu früh einbauen. Wenn sie Sinn machen, okay. Aber nur um den Punkt abzuhaken? Nein
  • Das Hauptaugenmerkt auf Gefühle und Empfindungen der Charas legen

Der letzte Punkt gefiel mir besonders gut. Ein Problem bei Sexszenen ist häufig, daß sie sich entweder zu mechanisch lesen oder ausdrücklich nur die Gefühle von einem Chara beschreiben, in der Regel ist das die Frau, während der arme Leser nur raten kann, ob es dem Helden aus tiefergehenden Gründen gefällt oder nur weil die Missis am richtigen Stöckchen spielt *hust*

Lanyon erklärt dann auch gleich nochmal den Unterschied zwischen Porn und Erotica.

Porn ist Sex. Mehr nicht. (seiner Meinung nach mögen Männer das ganz gerne, aber dann bitte mit Bildern und nicht in Worten *lach*)

Erotic dagegen behandelt den Stil, es geht um die Wortwahl.

Ein wichtiger Punkt ist seiner Meinung nach, daß die meisten Jung-Autoren oder Möchtegern M/M Autoren Angst haben, nicht gelesen zu werden, wenn sie keinen Sex oder nicht genug Sex in ihren Büchern haben. Lanyon hatte für diese Ängste einen tollen Motivierungssatz, der sich wieder auf die originale Stimme und das Geschick des Autoren bezieht, und mit diesem Satz beende ich den zweiten Teil meiner Kurzbeschreibung zum Thema Schreibratgeber *kicher*

If you write it, they will come.

(leider hat das nur im Englischen eine witzige Doppelbedeutung *lol*)

Weiter zu Teil 3

Advertisements

3 Antworten zu “Josh Lanyon „Writing M/M for cash and kinks“ – Teil Zwei

  1. Jap, ich habe beide deine Einträge zu diesem Thema gelesen und danach ist mir wieder eingefallen, warum ich wahrscheinlich nie den Ehrgeiz aufbringen werden, um mal tatsächlich ein richtiges Buch zu schreiben.^^

    Aber werden wir jetzt von dir demnächst im Buchladen ne M/M Story sehen?

    • *kicher*
      Nee, so wie es aussieht werden wir von mir wohl nie eine Story im Buchladen sehen! 😦

      Aber mir gefiel der Ratgeber einfach, weil er so viele Dinge enthielt, die man für jedes andere Genre auch nehmen kann. Darum ist meine Beschreibung hier ja auch sehr ausführlich ausgefallen

  2. Pingback: Josh Lanyon “Writing M/M for cash and kinks” – Teil Eins | dreamertalks

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s