Josh Lanyon „Writing M/M for cash and kinks“ – Teil Eins

Ein weiterer Schreibratgeber hat seinen Weg in mein Heim gefunden und ich muß dieses Mal ehrlich sagen, daß ich mich über meinen ebook Reader sehr freue: Es hätte nämlich ziemlich viele amüsierte Blicke meines Göttergatten über dieses Buch gegeben!

Ich meine, nicht, daß ich mich schäme das Buch zu lesen, aber nachdem der Herr Gemahl 🙂 letztens auf ein deutsches M/M Buch gestossen ist und sich tagelang über einen Satz krank gelacht hat (Der Satz lautete: „Er zwirbelte die Nippel seines Geliebten.“ War klar, daß mein Mann ausgerechnet auf diesen Satz stossen mußte, oder?), kann ich auf Hinweise seinerseits wirklich verzichten.  Da hilft es auch nicht, daß die Freundin, die mir das Buch empfahl gesagt hat, es wäre zwar ein Schreibratgeber für M/M, ist aber für jeden Autoren, egal ob Krimi oder Fantasy, absolut hilfreich.

Und das Buch ist mehr als nur hilfreich!

Im Moment würde ich sogar sagen, es ist der beste Schreibratgeber, den ich jemals gelesen habe!

Natürlich bezieht der Autor jeden einzelnen Punkt auf das reine M/M schreiben, aber gleich im ersten Kapitel wird erklärt, warum so viele Frauen M/M lesen und schon macht es Sinn den Ratgeber auch unter dem Gesichtspunkt etwas anderes als Nippel zwirbelnde Geschichten zu schreiben zu lesen.

Aber das Buch ist auf Englisch und offenbar stellt mich das im Moment vor eine große Herausforderung. Obwohl ich jetzt seit drei Jahren intensiv Englisch lese, scheine ich bei dem Ratgeber nach ein paar Seiten nichts mehr zu verstehen und mir schon gar nichts merken zu können. Keine Ahnung, woran das liegt. Auf jedenfall führt das dazu, daß ich meinen ebook Reader zusammen mit einem Schreibblock in der Hand halte, so daß ich wichtige Punkte gleich aufschreiben kann, und da ich in meiner Zettelwirtschaft langsam den Überblick verliere, werde ich jetzt an dieser Stelle keine Rezension schreiben, sondern die wichtigen Eindrücke vermerken, die kleine Tipps und Erkenntnisse. Die eigentliche Rezension erfolt dann hoffentlich, wenn ich das Buch fertig gelesen habe.

Der erste Punkt im Buch war die Frage nach dem „Wer schreibt M/M eigentlich?“ oder besser „Wer sollte es schreiben?“

Die Standartantwort wäre natürlich in beiden Fällen Männer. Schließlich macht es ja überhaupt keinen Sinn, daß ein Frau, zudem noch eine Hetero-Frau, versucht Sexszenen zwischen zwei Männern zu beschreiben. Davon mal abgesehen, daß sich eine Frau, egal wie sie veranlagt ist, wohl kaum in einen Mann hinein denken kann. Man sollte schließlich nur schreiben, was man auch selber kennt…

An dieser Stelle lacht wahrscheinlich jeder. Der Autor übrigens auch. Natürlich kann man auch über etwas Schreiben, was man nicht kennt, was man noch nicht selbst erlebt hat. Ansonsten würde es ziemlich schnell keine Krimis, keine Fantasy, keine Sci-Fi Bücher mehr geben. Eigentlich würde es nur noch trockene und langweilige Selbsthilfebücher in den Regalen geben.

Dazu kommt noch das Problem der Leserschaft. Wenn man M/M Bücher ansieht, dann glaubt man im ersten Moment, daß diese Bücher natürlich nur für die kleine Randgruppe der schwulen Leser geschrieben werden. Problem ist nur, ein Großteil der Leser ist weiblich, lebt in einer glücklichen Beziehung und verschlingt Bücher über Männerbeziehungen.  Wenn also der Hauptteil der Leser Frauen sind, warum sollten Frauen dann nicht auch diese Bücher schreiben?

Warum lesen Frauen diese Bücher überhaupt?

Die Antwort auf diese Frage, die ich mir selbst schon oft genug gestellt habe, ist einfach: Weil Frauen Liebesromane gerne lesen und der herkömmliche Liebesroman sie inzwischen nur noch langweilt.

Es gibt zuviele Bücher mit dummen, hilflosen Blondinen, die von dem großen, stattlichen Helden gerettet werden müssen.

Zuviele Vampire, die bitterböse, aber glitzernd, heimlich in die trottelige Heldin verliebt sind.

Zuviele uniformierte Helden, die ohne zu zögern ins brennende Gebäude rennen, um den kleinen Hund zu retten, den die dumme Nuss von einer Heldin in ihrer Panik zu fliehen natürlich vergessen hat.

Es gibt schlicht und ergreifend zu viele Bücher in denen der große, starke Held alles kann und die Heldin einfach nur langweilig ist. Wie oft ist es vorgekommen, daß ich auf der Couch saß und bei mir dachte, daß ich den Kerl auch gerne mit nach Hause nehmen würde, aber die Frau hätte ich schon vor 100 Seiten in der Themse ertränkt? Das hat nicht mal etwas damit zu tun, daß man als Leserin unvermeidlich mit der Heldin im Buch in Konkurrenz steht, sondern eher etwas damit zu tun, daß man diese Heldin einfach nicht verstehen kann und auch ab einer bestimmten Seitenzahl nicht mehr will.

Was macht man dann als Liebesromanleserin, wenn es nur noch sowas gibt? Und man nur noch ganz wenige Autorinnen hat, bei denen man die Helden sympathisch findet? Man sucht sich ein neues Genre, das aber die wesentlichen Punkte der alten Vorliebe beinhaltet, und M/M hat so etwas. Es gibt Liebe, Romantik, Sex, Streit, Ärger, Gefahr, Helden, und alles im Doppelpack.

Wenn ich es so betrachte, frage ich mich unwillkürlich, warum ich trotzdem manchmal noch „normale“ Liebesromane lese…

Damit wäre also geklärt, daß M/M Bücher sowohl von Männern als auch Frauen geschrieben und gelesen werden können. Das einzig Wichtige an diesen Büchern ist die glaubhafte Handlung und die lebendigen Charaktere. Komischer Weise ist das auch das einzig Wichtige an jedem anderen Buch, oder?

Der nächste Punkt auf der Liste des Autoren ist der Unterschied zwischen gay romance und M/M.

Ich gebe zu, bisher war mir nicht mal klar, daß es da einen Unterschied gibt. Ich dachte, es wäre dieselbe Literatur, nur eben unter anderem Namen. Engländer und Amerikaner sind in ihren Benennung ja manchmal sehr eigen. Aber ich wurde eines besseren belehrt.

gay romance bedeutet im Großen und Ganzen: Sex. Zwei Männer, ein wenig Handlung und Sex zu jeder Gelegenheit.

M/M dagegen legt Wert auf die Beziehung der Männer untereinander, auf die Entwicklung der Handlung.

Der Ursprung von M/M ist in Fanfictions begründet, während gay romance aus Büchern von Oscar Wilde entstanden sind (was bedeutet, daß dieses Genre schon über 100 Jahre alt ist! Wer hätte das gedacht?)

Nachdem diese Anfänge des „Wer schreibt was für wen und seit wann“ geklärt sind, kommt ein Satz im Buch, der mir wirklich gefällt. Er ist super einfach und eigentlich etwas, was jeder Autor wissen sollte, aber als ich ihn gelesen habe, hatte ich das Gefühl, es wäre absolut neu.

Every story starts with an idea. A hook.

Natürlich braucht jeder Geschichte eine Idee, etwas Besonderes, etwas, was nicht nur den Autoren, sondern auch den Leser festhält. Aber es ist trotzdem etwas, was über jeden Schreibtisch gehängt gehört. So etwas wie ein Leitfaden, den man leider gerne mal vergisst.

Josh Lanyon geht anschließend auf die Technik des Schreibens ein, und die startet natürlich damit, daß der Autor sich überlegen muß aus welcher Perspektive er das Buch schreibt. Das ist die Stelle, die ich in den meisten Schreibratgebern gerne (und offensichtlich) überblättere. Ich schreibe seitdem ich einen Stift halten kann und insofern bilde ich mir ein, alles über jede mögliche Perspektive zu wissen.

Aber der Schreibstil des Autoren ist ganz lustig und unterhaltsam, also überblättere ich nicht, sondern lese weiter. Irgendwann nach zwei Seiten klappt mein Mund auf und ich finde meine Kinnlade auf den Knien wieder. (kein schönes Bild, ich weiß…)

Wußtet Ihr, daß es vier verschiedene Erzählstandpunkte gibt?

Sie nennen sich: First, Second, Third Person Omniscient und Third Person Limited (Tight Third)

Ich kannte die ersten drei, habe die vierte auch schon benutzt, aber das sie einen eigenen Namen hat, war mir neu. Sowas haut mich dann doch um.

First Person: Die Ich-Form ist angeblich ideal für Anfänger, und gleichzeitig viel zu schwierig. Hier scheiden sich offenbar die Geister. Das finde ich sehr unterhaltsam.

Second Person: Ich weiß nicht, wie man das im Deutschen nennt. Ich sage jetzt einfach mal, die Du-Form. Sie soll eine Verbindung des Lesers mit dem angesprochenen Du im Buch erzeugen. Beispiel: Du siehst dich um und entdeckst das kleine Haus. Ich kenne diese Art zu schreiben, habe es auch schon mal getan, kann mir aber nicht vorstellen, daß es in vielen Büchern verwandt wird. Dann wohl eher in irgendwelchen epischen Texten.

Third Person Omniscient: Das ist wohl die gebräuchlichste Form Bücher zu schreiben. Eine ominöse zusätzliche Person steht im Raum der Geschichte (also der Leser) und erhält Einblick in alles, in die Gedanken einzelner Charaktere, in Handlungsstränge, die stattfinden während der eigentliche Hauptdarsteller ganz woanders ist. Der Leser kann erfahren, wie Person A über B denkt und schon einen Absatz später wie es umgekehrt aussieht. Der Leser erhält Einblick in die Köpfe jeder Romanfigur.

Third Person Limited: Diese Schreibweise ist nur auf eine einzige Romanfigur beschränkt. Es ist ähnlich wie in der Ich-Form, aber eben objektiver. Hier erfährt der Leser nichts über die Gedanken anderer Personen im Buch und wenn er etwas erfährt, dann zeitgleich mit dem Hauptdarsteller in dessen Kopf er sich quasi befindet.

Das war mir komplett neu. Ich habe in all den Jahren, die ich schreibe oder auch nur lese, noch nie gewußt, daß es diese Dritte Person Unterteilung gibt, und mir spuken sofort ein paar meiner alten Geschichten im Kopf herum, in denen ich das falsch gemacht habe. Es juckt mich regelrecht in den Fingern diesen Fehler zu verbessern.

Nachdem der Standpunkt mit seinen Vor- und Nachteilen nun beschrieben worden ist, erzählt Josh Lanyon wie er anfängt. Hier unterscheidet er sich erstmals von mir.

Sein Anfang einer jeden Geschichte sind die Hauptpersonen. Er überlegt sich die Namen (hat dafür extra ein großes Namenslexikon) und ihr Aussehen. Er gibt jedem eine Biographie, angefangen mit einem Geburtsdatum (was ganz praktisch ist, weil er dann dank des Sternbilds sich die dazu passenden Schwächen aussuchen kann (hier lobt er Linda Doodman’s Buch Sun Signs)), kleinen Macken und Besonderheiten und natürlich den Vorlieben der Person.

Aus diesen Charakterbildern ergibt sich dann wie von selbst die Geschichte. Jedenfalls bei Josh Lanyon.

Ene andere Autorin, die im Buch zu Wort kommt, macht es andersrum. Sie schreibt erst die Geschichte und ungefähr ab der Hälfte fängt sie an Karteikarten für ihre Darsteller zu füllen.

Ich muß gestehen, von dieser Karteikartenvariante habe ich gerade kurz vor dem NaNoWriMo schon öfter gehört. Es scheint also weit verbreitet zu sein, daß man sich schon im Vorfeld des Schreibens über alle möglichen Personen Gedanken macht, sie skizziert und mit einem Lebenslauf versieht. Aber ich war zu dieser Technik bisher viel zu… faul? Ungeordnet?

Dazu kommt das ich befürchte, wenn ich eine Person so gut kenne, wie es diese Methode vorsieht, dann kann ich sie gar nicht mehr richtig beschreiben. Ich meine, es ist doch so, daß es Dinge gibt, die man tagtäglich sieht, und wenn man sie dann beschreiben soll, dann ist man im ersten Moment völlig ratlos. Es ist einfach etwas so Vertrautes, das einem kein besonderer Punkt einfällt, den man nennen könnte. Nur bei fremden Menschen fällt einem die Narbe im Gesicht auf oder das er komisch geht, weil die Schuhe zu groß/zu klein sind.

Der Rest des Buches erfolgt im zweiten Teil.

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4 Antworten zu “Josh Lanyon „Writing M/M for cash and kinks“ – Teil Eins

  1. Pingback: 30 Tage Schreiben Meme – Tag 3 | dreamertalks

  2. Yep, die Gründe, warum Frauen so etwas lesen und schreiben, treffen alle auf mich zu. Ich hab die Nase voll von Büchern, in denen die Frauen zu dumm für alles sind und sich dauernd retten lassen müssen. Ich hasse auch den gegenteiligen Fall, wo Frauen so supergut sind, so überperfekt, dass es einfach nur unglaubwürdig und langweilig ist.
    Bei M/M finde ich (noch) die „realen“ Charaktere, auf die ich in Hetero.Romanzen nur mehr selten stoße. Wobei es auch in diesem Genre genug Bücher gibt, wo die Männer zu blöd zum Leben sind und sich jahrelange Dramen abspielen, weil die beiden HCs nicht mal 2 Minuten normal miteinander reden können….

      • Ich nehme dabei das gleiche Argument für mich in Anspruch, das ich sonst von Männer bezüglich mehrerer Frauen höre: Ein nackter Mann – heiß. Zwei nackte Männer – heißer 😀
        Wobei ich auch gelegentlich F/F lese, allerdings hab ich bis jetzt auf dem Sektor nicht so viel gefunden, was mich ansprechen würde.
        Bei M/M gibt es eine Charakterdynamik, die ganz anders ist als die bei M/F oder F/F, und diese Abwechslung gefällt mir gut.

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