NaNoWriMo 2011

Eine Freundin fragte mich 2008: „WAS willst Du tun?“

Und nach meiner Antwort, kam ein noch erstaunteres: „Warum das denn?“

2009 fragte mich dieselbe Freundin: „Hast Du das letztes Jahr nicht schon einmal gemacht?“

Und nach meiner Antwort, kam ein „Und warum dann jetzt nochmal?“

2010 fragte sie mich im Juni, ob jetzt nicht wieder diese komische Monat wäre. Anscheinend hatte sie nicht begriffen, daß NaNoWriMo nur im November stattfindet, aber sie hatte immerhin verstanden, daß mir dieser merkwürdige Schreibkram wichtig war. Ich sehe das als Erfolg an. (Auch wenn sie mich in diesem Jahr, vor zwei Tagen, wieder ganz sprachlos angesehen hat… „Du machst das schon wieder???“)

 

Die Rede ist vom NaNoWriMo. Dem alljährlich stattfinden Schreibwahnsinn. Mich haben inzwischen einige Leute gefragt, warum ich da mitmache. Es ist ja nicht so, als würde ich sonst nicht schreiben oder gerade im November sonst nichts Besseres zu tun haben. Man bedenke nur allein all die schönen, verfrühten Weihnachtsfeiern, die Elternabende, die aus irgendeinem Grund immer im November sein müssen (der Erste hat sich schon wieder für den 03.11 angemeldet) und dann noch die Geburtstage aller Verwandter und Freunde.

Ich könnte ja meinen inneren Editor auch den Rest des Jahres in die Wüste schicken und ihn einfach nicht beachten. Und ich trinke sowieso zu viel Tee, schlafe zu wenig oder esse zu viel Schoki… da brauch ich keine besondere Ausrede.

 

Warum also NaNoWriMo?

Und warum zum vierten Mal?

Was versprech ich mir davon?

 

Die Antwort auf diese Fragen ist ganz einfach, und schwierig zugleich. NaNo ist ein Haufen Spaß. Es bedeutet, das man andere Verrückte trifft, die sich nur noch über Plotlöcher, merkwürdige Namen ihrer Hauptdarsteller oder zu wenig Worte für den Tag, die Woche, den Monat unterhalten.

NaNo ist aber auch Zwang und harte Arbeit, gerade, wenn man nebenbei noch einen Hauptberuf hat oder wohlmöglich Schüler mit anstehenden Klausuren ist. Mütter, die versuchen nebenbei noch den Adventskalender ihrer Kinder zu basteln oder neue Socken zu stricken, haben es auch nicht leicht. Dazu kommen noch evtl. Partner, die sich natürlich ausgerechnet im November vernachlässigt fühlen. Den eigenen Haushalt oder die gesunde Art sich zu Ernähren, wollen wir jetzt gar nicht weiter beleuchten.

NaNo ist also Spaß und Arbeit in einem, und wenn man Glück hat, ganz viel Glück, dann bekommt man am Ende sogar eine fertige Geschichte heraus. Eine Art literarisches Überraschungsei also.

Das alles erklärt aber noch nicht, warum man diese Sache so begeistert mitmacht. Insofern glaube ich, das keine wirklich gute Erklärung gibt. Entweder man ist Autor und hat richtig viel Spaß an der Sache oder man ist keiner und dann wird man es nie verstehen. (es gibt übrigens auch noch die Art Autor, die es auch nicht versteht, aber da kenn ich nur eine Einzige von und die hat einfach einen anderen Sinn für Humor)

Um an den NaNo heranzugehen, gibt es ebenfalls verschiedene Wege. Mir ging es die ersten zwei Jahre so, daß ich davon erfahren habe, als es zu spät war. 2006 las ich die Geschichte einer Freundin, die sie anläßlich des NaNos geschrieben hatte und 2007 fragte mich genau diese Freundin am 20.11. warum ich nicht auch mitgemacht hatte. Das waren also zwei in den Sand gesetzte Jahre, die mich geradezu dazu zwangen, mir den November des Jahres 2008 im Kalender zu markieren. Ich wußte auch schon ganz genau, was ich in dem Monat machen wollte. Das ich überraschender Weise die Woche über alleinerziehende Mutter eines 9jährigen war und noch einen Hund hatte, hat mich nicht davon abgehalten auch noch eine Halbtagsstelle anzunehmen und trotzdem den Nano zu schreiben – und zu gewinnen. Wie heißt es so schön? Schlafen kann man auch im Dezember. Oder im Januar. Oder wenn man tot ist. Aber ich hatte es auch leicht, weil ich nur eine bereits vorhandene, ältere Geschichte überarbeitet habe. Ich habe Szenen neu geschrieben, alte gestrichen und insgesamt das Ganze etwas Runder gestaltet. Aber ich kam auf 50.000 Worte (eigentlich sogar über 120.000, aber die restlichen kamen im Dezember und Januar hinzu). Ich mußte also nichts im Vorfeld „plotten“ oder mir Charakterbeschreibungen ausdenken. Der Grundriss der Geschichte stand fest. Dafür entdeckte ich das Forum zum ersten Mal. Das war eine schreckliche Ablenkung! (als hätte ich sonst nicht schon genug gehabt!)

2009 war ich mir auch sicher, was ich schreiben wollte. Seit dem Sommer hatte ich eine tolle Idee im Kopf, die mir gut gefiel. Dann aber kam der September und ich hatte einen Traum… Dieser Traum war so lebendig und faszinierend, das ich mich nicht entscheiden konnte, was ich tun sollte. Ich wollte die Geschichte dieses Traums schreiben, und ich wollte meine Sommergeschichte versuchen. Für die Sommergeschichte hatte ich mir schon viele Dinge überlegt (geplottet), bei dem Traum wußte ich nicht so Recht, in welche Richtung er sich bewegen würde. Ich war verwirrt und genervt von meiner Unentschlossenheit. Schlußendlich habe ich den Traum geschrieben. Es ging fürchterlich daneben. Ich bekam zwar meine 50.000 Worte (ganz knapp darüber) hin, aber seitdem habe ich die Geschichte nie wieder angesehen. Ich bin immer noch in den Anfang verliebt, aber der Rest ist einfach Schrott. Innerer Editor oder nicht.

2010 griff ich auf die Sommergeschichte zurück. Nicht, weil es die Einzige war, die mir einfiel, aber weil es die war, die ich schon so weit vorbereitet hatte. Normalerweise bin ich eher die Autorin, die einfach schreibt, ohne Plan, lediglich mit einem kleinen Ziel. Doch diese Geschichte war in Stichpunkten bereits in meinem kleinen Notizbuch. Sie war quasi schon fertig. Ich mußte sie nur noch schreiben. Ergebnis waren 55.037 Worte, die ich seitdem nie wieder angesehen habe (sie ist übrigens auch nicht fertig geworden…) Also wieder gewonnen, aber eigentlich nicht wirklich.

2011 ist nun das spannende Jahr. Ich weiß nämlich absolut nicht, was ich schreiben soll. Ich könnte es wie schon mal machen, und einfach eine meiner alten Sachen überarbeiten. Damit krieg ich locker meine Wortzahl hin. Oder ich schreibe eine meiner vielen Storyideen aus dem Notizbuch. Oder ich versuch es wie S. King „einfach hinsetzen, schreiben und sehen, wohin die Reise führt“.

Ich weiß es nicht.

Trotzdem freu ich mich auf diesen NaNo.

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