Schreibtag Teil 1 – Die Frage nach dem WARUM

Ein Grund diesen Blog zu führen, war mein Schreiben… oder vielmehr der Mangel daran. Da diesen Blog nur ich lese und niemand sonst, denke ich *guckt sich suchend um*, kann ich hier ja ehrlich sein.

ICH LIEBE SCHREIBEN

Ich tu es nur nicht mehr.

So, jetzt ist es raus. Ich bin eine nichtschreibende, nach geschriebenen Wörtern Süchtige Autorin. Klingt komisch? Ist es aber nicht. Ich schreibe solange ich denken kann und ich glaube, Geschichten ausdenken tu ich mir sogar schon länger. Man muß nicht alles aufschreiben, was einem einfällt, oder? Schreiben gehört zu mir dazu, wie Wasser zu Enten. Es ist mein Element. Ich fühle mich wohl damit. Ich kann jeden Stress, jedes negative Erlebnis, zumindest halbwegs vergessen, wenn ich in eine meiner Geschichten eintauchen kann und ich fühl mich besser, wenn ich mit dem Schreiben aufhöre. Manchmal ist es so, daß ich eigentlich keine Lust zu irgendwas habe, sei es das neue Buch oder den tollen Film im Fernseher, und dann schreibe ich auch gelangweilt vor mich hin. Es ist einfach ein Mittel, um die Zeit bis zum Schlafen gehen „rumzukriegen“… und dann plötzlich passiert irgendetwas. Ich weiß nichtmal genau, was. Ich schreibe, gähne vielleicht gerade und im nächsten Moment bin ich von der Geschichte gefangen. Mir fällt eine Ergänzung des Plots ein. Eine witzige oder traurige Idee. Vielleicht sogar etwas dramatisches und plötzlich bin ich nicht mehr gelangweilt, sondern voll und ganz von meinem eigenen Hirn fasziniert. Ich kann nicht aufhören zu schreiben. Es wird immer schneller und schneller. Die Finger huschen über die Tasten und ich habe keinen Blick mehr für den Wecker, der mich ans Aufhören erinnern will oder meine Umgebung. Ich glaube, wenn ich in diesem Zustand bin, könnten Einbrecher meine Wohnung leer räumen und ich würde es erst merken, wenn sie mir den Laptop stehlen wollen (also, Liebe Einbrecher, Finger weg von Laptops vor denen Besessene hocken!)

Eine Bekannte sagte mal zu mir, daß sie Schreiben als therapeutischen Ansatz empfiehlt. Man kann sich seine negativen Gedanken „wegschreiben“ und fühlt sich nachher besser. Fast so, als würde man über seine Probleme mit jemanden reden, der nicht irgendein Urteil abgibt. Diese Bekannte sagte auch, daß Schreiben für sie harte Arbeit ist. Es ist vergleichbar mit Gartenarbeit. Man muß sich etwas auskennen, sonst vertrocknet sogar Efeu, und man muß einiges an Körperkraft investieren (und sei es nur durch unermüdliches Unkrautzupfen), aber wenn man dann auf der Terasse sitzt und sein Tagwerk betrachtet, sieht es toll aus und man fühlt sich gut. So hat sie Schreiben beschrieben.

Bei mir war es immer anders. Ich habe einfach so geschrieben. Ich habe mich hingesetzt und angefangen. Ideen waren immer da. Es gab mal Phasen, wo ich länger nicht geschrieben habe, aber im Endeffekt war es nur eine Unterbrechung, keine große Pause.

Meine letzte richtige Geschichte habe ich vor fast einem halben Jahr angefangen. Seitdem habe ich entweder gar nicht gearbeitet oder eine ältere Geschichte für einen potentiellen Agenten fertig gemacht. Dieser Agent hat die Geschichte abgelehnt. Jetzt könnte man denken, ich wäre deswegen frustriert oder demotiviert. Es ist aber nicht so. Ich weiß, daß die Geschichte nicht perfekt ist. Sie ist nicht die Art Geschichte, die Leute schon ein halbes Jahr vorher vorbestellen und für die sie sich ein Wochenende frei nehmen, um es ungestört lesen zu können. Es ist eher die Art Geschichte, die man liest, wenn man in der Bahn unterwegs ist, um zur Arbeit oder in den Urlaub zu fahren. Man kann die Geschichte mit an den Strand nehmen und ruhig mal für eine Runde Beach Volleyball unterbrechen. Aber danach liest man sie weiter. Sie ist nicht der Bestseller des Jahres 2011, aber es gibt wesentlich schlechtere Bücher (und ja, die habe ich dieses Jahr alle schon gelesen… scheint mir)

Ich weiß also, daß meine Geschichte nicht schlecht ist. Sie war einfach nur nichts für diesen Agenten. Das ist Okay. Jetzt könnte ich sie jemand anderem schicken. Es gibt noch viele Agenten im großen Buchmeer, oder ich könnte sie gleich an einen Verlag schicken. Aber ich tu es nicht. Weil das bedeuten würde, ich müßte mich hinsetzen und sie noch einmal ansehen und das will ich nicht, weil ich einfach  keine Lust dazu habe. Meine Stimmung ist also nicht negativ, was das gesamte Buchprojekt angeht. Warum also schreib ich nicht?

Ich weiß es nicht.

Ich hätte genug Zeit und vor allem, genug Ideen. Und wenn ich mich an den PC setze, dann surfe ich planlos und teilweise arg gelangweilt im Netz herum, spiele sinnlose Online-Games und lese ebooks. Oder ich schreibe Blog Einträge wie diesen. Ich schreibe gern. Ich habe viel zu erzählen und ich liebe es über mich selbst zu lachen oder wenigstens zu schmunzeln. Warum tu ich es also nicht? Ist das vielleicht eine große, fiese, bis lang unbekannte Art der Schreibblockade? Kann sowas wirklich ein halbes Jahr dauern? Und hat man währenddessen tatsächlich Haufenweise gute Ideen, setzt sie aber nie um?

Oder ist meine Schreibzeit eventuell vorbei? Ist das vielleicht vergleichbar mit der Pubertät, eine Phase, die kommt, länger bleibt, einen verändert und dann verschwindet?

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